Zunächst war ich mir gar nicht sicher, ob ich diesen Eintrag überhaupt schreiben soll, denn es wird wohl der privateste dieses Blogs werden und tiefe Einblicke in meine Vergangenheit, aber auch in die Gegenwart gewähren, wie es bei mir aussieht, was dieses Thema angeht, wenn auch teils nur zwischen den Zeilen zu lesen. Ich habe mich für diesen neutralen Titel entschieden, weil ich den Blick auf das wohl emotionalste Thema überhaupt doch ein wenig theoretisch betrachten will. Keine Tatsachen, nur Meinungen und Fragen. Fragen, die sich jeder selbst beantworten muss.
Zuerst interessiert wohl erst einmal und ist wichtig, wie ich überhaupt auf das Thema gekommen bin. Die komplette Geschichte zu erzählen, würde zu lange dauern, das würde jeden Leser abschrecken. Darum eine Kurzfassung:
Ein gutes halbes Jahr, nachdem meine letzte Beziehung auseinander gegangen ist und ich schon lange dachte, dass die Sache gegessen und vorbei sei, kam es doch noch einmal zu einer mehr oder weniger direkten Auseinandersetzung. Der Grund hierfür sei einmal dahingestellt. Diese Auseinandersetzung war wohl schon fast so eine Art Abrechnung, die von meiner Seite aus nicht nötig gewesen wäre. Ich weiß auch gar nicht mehr, warum ich mich provozieren lassen habe. Nach ein paar Attacken der wirklich übelsten Sorte, war mir das Treiben zu bunt und beide Seiten konnten sich darauf verständigen, eine Art Friedensvertrag zu schließen, sich einfach in Ruhe zu lassen und jeder einen eigenen Weg zu gehen. Soweit gut, das klappte auch wunderbar, wohnte man ja eh zu weit auseinander, um sich zufällig treffen zu können. Alles ging also seinen gewohnten Gang – bis heute. Da erblickte ich über ein paar Ecken ein Foto mit einem hämischen Text versehen. Auf dem Foto zu sehen war ein kleiner Plüschtiger, den ich noch in guten Zeiten verschenkt hatte, der lange Zeit in meinem Besitz war und mich “beschützt” hatte, als ich noch ein kleiner Junge war. Der Tiger war jedoch nicht in normalem Zustand, nein, er lag auf dem Boden und brannte. Sie hatte ihn angezündet und das Bild mehrfach ins Internet gestellt, so dass ich früher oder später darauf kommen musste. Das hat mich wirklich sehr nachdenklich gestimmt und das ist der Grund für diesen Beitrag.
Meine erste Frage war folgende: Warum tut jemand so etwas? Welche Intention liegt dahinter? Soll es ein Zeichen des Abschlusses sein? Ist es eine befriedigende Art der Rache? Ersteres kann man eigentlich schnell ausschließen, warum hätte ich das Bild sonst unbedingt sehen müssen? Aber wenn es sich um die Rache handelt, dann verstehe ich den Beweggrund nicht, denn weder habe ich die Beziehung beendet, noch habe ich nach dem Kontaktabbruch (den ich auch nicht wollte, denn ich wollte wenigstens versuchen, eine Freundschaft zu retten) mit Sticheleien und Provokationen begonnen. Klar, ich bin sicher auch nicht das Unschuldslamm, so will ich mich wirklich nicht darstellen, ich habe auch Fehler gemacht, die ich bereue, zu so etwas gehören immer zwei. Hätte ich damals Schluss gemacht oder hätte nach eigentlichem Abschluss des Ganzen wieder angefangen, hätte ich eine solche Aktion auch durchaus verstanden, aber unter diesen Umständen macht mich das einerseits wütend, andererseits – und das überwiegt wohl – ziemlich traurig. Warum verbrennen? Und warum danach mir dieses Bild zukommen lassen? Das war ein gezielter Angriff auf meine Person. Dieser Tiger war mir sehr wichtig und darum hatte ich ihn der Person gegeben, die mir ebenfalls sehr wichtig war.
Diese Frage leitete mich weiter zu allgemeineren Fragen, zu Fragen, die sich vielleicht jeder irgendwann einmal stellt und auf die die meisten wohl keine zufrieden stellende Antwort geben können. Es passiert täglich, überall auf der Welt, Liebe entsteht und Liebe zerbricht. Doch wie kann ein Gefühl, dass angeblich die stärkste Kraft und scheinbar unauslöschlich ist, so einfach, so schnell weg sein? Was löst es aus, dass die Liebe einfach so aufhört? Sind es die unterschiedlichen Auffassungen von Liebe? Ich vermag keine Antwort auf diese Frage zu geben, jedoch ist nach meiner Definition von Liebe ein Verschwinden selbiger so gut wie ausgeschlossen, es kommt eben doch wie so oft im Leben einfach “darauf an”.
Ich frage mich weiter: Ist meine Definition von Liebe veraltet oder falsch? Eine Definition zu formulieren ist schwer, jedoch will ich es an dieser Stelle einfach mal versuchen, auch wenn es sich sicher teilweise sehr theoretisch anhört. Natürlich muss man jeder Liebe Zeit zugestehen, um zu wachsen. Man kann nie vorher wissen, wie es wäre, wenn man mit jemandem zusammen ist, ob es passt, ob man sich zusammen wohl fühlt, ob die Charaktere zusammen etwas ergeben, auf das man sich stützen kann. Wenn das Grundgerüst zusammenpasst, müsste eine Liebe aus meiner Sicht so stark sein, dass viele Probleme, die auftauchen können, zusammen überwunden werden können. Was die Liebe meiner Meinung nach auszeichnet? Sie muss auf einer Basis von Vertrauen und Treue stehen. Man muss mit einer Person, die man liebt, über alles, über wirklich alles reden können. Dabei müssen die Standpunkte nicht unbedingt dieselben sein, da spielen dann die nächsten Faktoren eine Rolle, Akzeptanz und Respekt. Jeder Mensch hat Fehler und Macken. Im Idealfall akzeptieren die Liebenden diese oder arbeiten daran, wenn sie es denn wollen. Je nach Fallbeispiel glaube ich nämlich schon, dass Menschen sich verändern können. Man möchte seinem Partner ja auch gefallen und da kommt der Gegenpart zur Akzeptanz ins Spiel – die Bereitschaft, auch mal Opfer zu bringen. Daraus ergibt sich ein Waagenspiel, dass sich jedoch ganz von selbst ausbalanciert, denn tritt bei einem Partner die eine Fähigkeit zurück, kommt die andere beim anderen hervor.
Das ganze vielleicht mal im Beispiel: A findet, dass B aufhören sollte mit rauchen. Nun gibt es 2 Möglichkeiten. Entweder ist bei B die Opferbereitschaft so groß, dass das Rauchen aufhört, schließlich hat A gute Argumente. Oder es sieht so aus, dass B nicht aufhören möchte. Dann ist bei A die Akzeptanz gefragt. A findet es vielleicht nicht gut, lässt es aber B zuliebe zu, oder A und B handeln einen Kompromiss aus, dass B möglicherweise einfach nur das Rauchen reduziert, jedoch nicht aufhören muss. Damit wären beide zu Teilen zufriedengestellt, was auch eine schöne Sache ist, denn A freut sich über den Teilerfolg und B freut sich, A einen kleinen Gefallen getan zu haben. So oder ähnlich könnten fast alle Konflikte gelöst werden, fast ganz von allein. Jedenfalls nach meiner Definition von Liebe. Ich habe mich eigentlich sehr an dieses Prinzip gehalten, jedoch besteht die Gefahr, dass eine Seite ausgenutzt wird, wenn bei einem Partner die Akzeptanz-Opferbereitschaft-Waage nicht ausgeprägt ist. In einer wirklich, wahren Liebe ist dieses meiner Meinung nach jedoch immer der Fall.
Gibt es eine solche Liebe überhaupt? Ist mein “Modell” realistisch? Ist es langweilig? Vielleicht bin auch einfach nur ein Träumer und ein hoffnungsloser Romantiker, der zu sehr an das gute im Menschen geglaubt hat und dadurch bitter enttäuscht wurde. Das hat meiner ganzen Einstellung der Liebe gegenüber doch einen ganz schönen Schlag versetzt. Aber was soll man tun? Aufgeben? Lieber allein bleiben? Die Welt und die Menschen verteufeln, die einen so sehr verletzen, dass man fast seine eigenen Überzeugungen verliert? Das wäre sicher falsch. Das nächste mal einfach anders lieben? Geht das überhaupt? Macht man sich damit nicht unglücklich? Wer weiß. Ich glaube jedoch, dass die wahre Liebe irgendwo da draußen ist. Jedoch werde ich nicht nach ihr suchen, ich werde auf sie warten, denn sie kommt immer dann, wenn man nicht damit rechnet. Sie muss sich aber auch nicht beeilen, ich bin geduldig und habe auch genug andere Dinge zu tun. Ich nehme es wie es kommt.
Abschließen möchte ich diesen Beitrag mit einem Zitat von Vergil, das meine Ansicht von Liebe relativ einfach auf den Punkt bringt: Omnia vincit amor! – Die Liebe besiegt alles.

















9 Kommentare
Ein schöner Artikel. Zumal ich gerade in einer ähnlichen Situation bin. Liebe ist ein unglaublich starkes Gefühl, das bei Enttäuschung schnell in Wut und Hass umschlagen kann. Es gehört viel viel Kraft dazu, das nicht zuzulassen. Man sollte niemals versuchen seinen Partner zu verbiegen, sondern lieber zu ihm stehen und seine Angewohnheiten hinzunehmen. Allerdings verstehe ich nicht, wieso sie dein Stofftier verbrannt hat, wo sie doch selbst Schluss gemacht hat. Ich glaube nicht, dass man aktiv nach einem neuen Partner aktiv suchen sollte. Wenn es so sein soll, dann soll es eben so sein und dann passte es auch.
Zur Liebe habe ich ungefähr die gleiche Auffassung wie du, Konna. Wenn man sich liebt, möchte man automatisch dem anderen eine Freude machen. Generell gibt es dabei auch ein gewisses Gleichgewicht, weil beide Partner so denken.
Mir erging es dann nur irgendwann so, dass die Kompromissbereitschaft meinerseits immer mehr zunahm und einfach nichts mehr zurückkam. Und ich habe mich schon so oft gefragt, woran das liegt. War es einfach die Gewöhnung, dass es als selbstverständlich angesehen wurde oder haben die Gefühle einfach nachgelassen, dass die Bereitschaft zu Kompromissen abnahm? Aber zu einer Antwort bin ich bis jetzt nicht gekommen.
Gerade befinde ich mich wieder im Anfangsstadium einer neuen Beziehung, in der es für unwahrscheinlich ist, dass es jemals anders sein könnte. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die momentane Kompromissbereitschaft und Liebe irgendwann mal nachlassen könnte. Und in diesen Momentan frage ich mich immer wieder, wie es früher war. Das Gefühl versucht einem zwar immer wieder einzureden, dass es noch nie so toll wie jetzt war, aber der Verstand meint, dass es bestimmt auch so oder zumindest so ähnlich war. Und dann kommt wieder die Hoffnung ins Spiel, dass es diesmal einfach anders, einfach besser wird.
Generell denke ich, dass man an jeder Liebe wächst und dass man nichts gewinnt, wenn man sich vor der Liebe verschließt, auch wenn man immer und immer wieder verletzt wird. Den Versuch ist es einfach wert, denn jede Beziehung hat einfach ihre schönen Tage und Erinnerungen. Ich denke, dass man es einfach so genießen sollte, wie es gerade kommt. Einen großen Einfluss hat man eh nicht darauf.
Wie man allerdings plötzlich so sehr hassen kann, dass man Dinge verbrennt und sie dann auch noch öffentlich ins Internet stellt, ist mir ein Rätsel und zeugt meiner Meinung nach von Schwäche. Vielleicht konnte sie einfach nicht mit der Situation umgehen und hat sich so ihre Genugtuung und Bestätigung im Freundeskreis geholt. Vielleicht meinte sie, es besser verarbeiten zu können, indem sie dich nochmal so richtig verletzt.
@Frank: Ich denke, dass das Problem oftmals darin liegt, dass man in der anfänglichen Liebe die Macken und störenden Dinge am Partner nicht sieht oder auch nicht sehen will. Wenn die Liebe sich dann etwas normalisiert bzw. nachlässt, stören sie einen dann umso mehr, es kommt zum Streit und man versucht den anderen zu “erziehen”. Generell blockt der Partner dann erstmal ab und sieht es gar nicht ein, sich zu ändern, schließlich war er die ganze Zeit doch gut genug.
Generell wird heutzutage wohl einfach viel zu wenig miteinander geredet. Bestes Beispiel ist immer das klärende Gespräch nach der Trennung, wenn ein Teil fremdgegangen ist. “Es hat mir einfach was gefehlt.” – “Warum hast du denn nichts gesagt? Jetzt wo du es sagst, merke ich auch, dass es nicht mehr so gut lief.”
In dem Sinne wünsche ich uns allen Glück in der Liebe. Und zwar ab sofort.
@Yui: Ja, da hast Du sicherlich Recht. Nach ein paar Jahren ist bei den Meisten auch einfach “die Luft raus”. Man muss viel an einer Beziehung arbeiten, wenn man es soweit nicht kommen lassen will. Kleine Aufmerksamkeiten von Zeit zu Zeit, an den Jahrestag denken. Und vor allem dem anderen auch genug Freiraum lassen. Nichts ist schlimmer, als wenn man sich permanent auf der Pelle hängt. Wenn man auch mal getrennt voneinander was unternimmt, freut man sich im Anschluss umso mehr wieder auf den anderen.
@Frank: Genau meine Rede.
Wirklich ziemlich persönlich, aber schöne Gedankengänge. Da ich jetzt nicht auf alles eingehen kann, sage ich mal nur etwas zu den letzten Fragen…
Also ich denke schon, dass es die wahre Liebe gibt. Es ist eben nur schwer, sie zu finden bzw. sich von ihr finden zu lassen. Oft braucht es Jahre oder Jahrzehnte, manch einer begegnet ihr vielleicht sogar nie. Aber ich denke, dass es das auf jeden Fall wert ist, und zwar auch wenn es dann im Endeffekt doch nicht die wahre und ewige Liebe war. Denn wie soll man sie finden, wenn man es nicht ausprobiert? Außerdem lernt man mit jeder Beziehung fürs Leben. Klar, eben nicht nur positiv, aber auch negative Erfahrungen bringen uns weiter. Von daher sollten wir uns von Rückstößen nicht runterziehen lassen oder sogar den Glauben an die Liebe verlieren… Wie schade wäre es für deine Richtige, wenn sie dich nicht finden kann, weil du nicht an sie glaubst!?
Also ich kann mir zu diesem Mädchen nur die Antwort geben, dass sie extrem jung, unerfahren und vermutlich mitten im Streben um Anerkennung Gleichaltriger war. Denn ich glaube schon, dass man zumindest ein freundschaftliches Gefühl normalerweise nicht verliert, wenn man mit jemandem zusammen gewesen ist, jemanden einmal richtig gerne gehabt hat.
Lieber Konna, sie kommt bestimmt. Und glaub mir – je älter (bzw. reifer) ihr seid, desto tiefer und intensiver ist dann das Gefühl, das ihr füreinander empfindet..
@Frank: Danke. Ja, vieles habe ich damals auch nicht verstanden, daher meine ganzen Fragen im Artikel. Heute seh ich das mit etwas mehr Abstand eher wie du und bin auch darüber hinweg.
@Yuki_Keylin: Das ist dann so ein bisschen die rosarote Brille, die vielleicht auch dazugehört. Doch wenn man sie erstmal abgesetzt hat, ist die Angst gleich wieder da. Ich schätze, dass man sich von der nicht auffressen lassen darf, dann hat die Liebe glaube ich eine bessere Chance. Danke Dir für den langen und persönlichen Kommentar.
@Katja: Da ist was dran. Mit dem langen Abstand auf die Situation, aus der dieser Artikel entstanen ist, fällt es mir inzwischen auch wieder leichter, an die Liebe zu glauben. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass es, wenn es soweit ist, auch schnell die Angst geben könnte, irgendeinen Fehler zu machen. Aber das gehört wohl dazu, auch wenn es in der Liebe oft am schmerzlichsten ist.
@lexxa: Ich kann mir bis heute keinen Reim darauf machen. Jedenfalls war das damals für mich der Zeitpunkt, jeglichen Kontakt und alle Versuche, irgendwas am Leben zu erhalten, völlig abzubrechen.
Danke auch für deine aufbauenden Worte.
@Konna: Ja, ich denke, ohne die rosarote Brille würden nur die wenigsten Beziehungen überhaupt funktionieren können. Ohne sie würde man die Macken direkt erkennen und sie würden einen stören. Durch die Brille gewöhnt man sich vielleicht auch teilweise an gewisse Macken, dass man sie später ohne die Brille als normal empfindet? Oder das Kompromissverhalten klappt dann schon soweit, dass die Macken nachgelassen haben, bevor sie einen stören könnten…
Ist kein einfaches Thema. Das Kommentieren hier bei dir war wie ein eigener kleiner Artikel, hat auf jeden Fall Spaß gemacht, mal ein bisschen über das Thema zu philosophieren. Auf meinem Blog bin ich momentan mit so Gefühlsdingen eher vorsichtig, solange noch der Stress in der Klasse ist. Die haben so ziemlich jeden Beitrag auseinandergenommen. Sowas ist total ätzend, bestätigt mich aber ungemein in der Kernaussage betroffener Artikel, weswegen ich mir ein Grinsen bei dem Ganzen nicht verkneifen kann…
Ab und zu müssen einfach mal längere Kommentare sein. Entweder weil es einfach nicht so einfach mit zwei Sätzen abzuhandeln ist, oder aber auch, weil mir einfach danach ist.
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