Unzufriedenheit mit Profil

Profiloberstufe

Ab dem nächsten Schuljahr tritt in Schleswig-Holstein ein neues Schulgesetz ein, mit dem einige Änderungen einhergehen werden. Die gravierendste Änderung neben der Einführung des Abiturs nach 8 Jahren Gymnasium ist die Reform der Oberstufe, die nicht mehr aus einem System mit Leistungskursen besteht, sondern Klassenverbände mit verschiedenen Profilen einrichtet. Es gibt neben einem sprachlichen noch ein naturwissenschaftliches und ein gesellschaftswissenschaftliches Profil.

Für die Schule ist es verbindlich, mindestens ein sprachliches und ein naturwissenschaftliches Profil anzubieten. Die Fächer Deutsch, Englisch und Mathe sind in jedem Profil Pflicht. Egal für welches Profil ein Schüler sich bewirbt,er hat anders als bisher keine Einflussmöglichkeit mehr auf die Wahl bestimmter Kurse, für jedes Profil sind alle Kurse von der Schule festgelegt. So kann es passieren, dass ein Schüler ein naturwissenschaftliches Profil wählt, als gesellschaftswissenschaftliches Fach gerne Geschichte hätte, dieses aber nicht für das Profil in diesem Jahrgang vorgesehen ist und er deswegen beispielsweise Erdkunde machen muss.

Noch gravierender ist dies, wenn es um Sprachen geht: Wer das sprachliche Profil wählt, muss 3 Fremdsprachen beherrschen, andernfalls muss er Defizite nachholen (für die neuen Schüler mit 8 Jahren Gymnasium wird es hingegen Pflicht sein, 3 Fremdsprachen in der Mittelstufe zu lernen). Ebenso ist dies der Fall, wenn der Schüler beispielsweise in ein gesellschaftswissenschaftliches Profil geht, bisher in der Schule nur Latein hatte, für dieses Profil aber Französisch als 2. Fremdsprache vorgesehen ist. Prinzipiell fällt dieses Profil dadurch schon für ihn heraus, denn mehrere Jahre Französisch wollen sicher die wenigsten Schüler in ihren Sommerferien nachholen.

Leider gibt es noch einen Stolperstein für die Schüler: Es ist nicht garantiert, dass sie in das Profil kommen, dass sie gewählt haben. Für jedes Profil gilt dieselbe Mindest- und Höchstanzahl an Schülern. Wenn es irgendwo zu wenige Interessenten gibt, dann wird aus anderen Bereichen aufgefüllt.

Mit dem neuen System werden die Schüler also entmündigt, sie können sich nicht mehr ihre Kurse zusammenstellen, sondern bekommen je nach größe der Schule mehrere Möglichkeiten vorgesetzt, aus denen sie eines aussuchen dürfen, dass ihnen dann nicht einmal garantiert ist. Der Sinn des neuen Systems ist die Verbesserung der Bildungsqualität durch eine breitere Grundbildung in den Kernbereichen, eine Stärkung der Fremdsprachen und Naturwissenschaften und den ökonomischeren Einsatz von Lehrerstunden.

Allein der letzte Grund spricht doch schon wieder Bände – man will mit dieser Reform nur Geld sparen, ein paar Klassen mit vielen Schülern brauchen natürlich weniger Lehrer als zum Teil sehr kleine Kurse im Kurssystem. Doch anstatt endlich mal wieder mehr Geld für die Bildung auszugeben und mehr Lehrer einzustellen, damit die Klassengröße wieder kleiner und dadurch die Lernatmosphäre verbessert werden kann, wird noch mehr eingespart und selbst in der Oberstufe werden die Klassen nun aus allen Nähten platzen. Dadurch wird nichts und niemand gefördert.

Auch wird dem Schüler die individuelle, zukunftsorientierte Auswahl verwehrt, die er nach seinen Interessen und gemäß seines Berufswunsches treffen konnte. Wenn ein Schüler beispielsweise so wie ich Latein und Geschichte studieren wollte und es diese Kombination so gar nicht gibt, dann wird er im Prinzip zum Schulwechsel gezwungen, wobei auch nicht gewährleistet ist, dass es dies an anderen Schulen so gibt.

Hinzu kommen aber noch ganz andere Probleme: Wo früher der ganze Jahrgang zusammengeworfen wurde und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln konnte, werden nun wieder Klassen herausgebildet, die nichts miteinander zu tun haben. So müssen gemeinsame Aktionen noch besser koordiniert werden.

Was sich das Kultusministerium dabei gedacht hat, ist mir wahrlich schleierhaft, das sind alles irgendwelche Spezis, die keine Ahnung haben, was die Schüler und auch die Lehrer wollen – die sind mit der neuen Regelung nämlich durchweg unzufrieden. Warum man denen kein größeres Mitspracherecht gewährt, ist für mich völlig unverständlich. Aber so sind sie nunmal, die Politiker – wenn etwas mal nicht läuft (PISA), muss ganz schnell gehandelt werden – die wahren Probleme werden aber nicht angepackt (zu goße Klassen, zu wenig Lehrer), sondern völlig umgangen.

 

11 Kommentare

  1. Jenni says:

    NA super! Wieder ein Modell, dass hunderttausend unzufriedene Schüler hervorrufen wird (von den Lehrern, die dann in der Oberstufe plötzlich doppelt oder dreimal so viele Schüler wie bisher effektiv auf Prüfungen vorbereiten sollen.) Ich glaube, wir werden irgendwann unsere Kinder ganz arg bemittleiden, weil wir es wesentlich besser hatten und wesentlich weniger aber dafür nur in den Bereichen lernen mussten, die uns auch interessierten und auf ein bestimmtes Ziel vorbereiteten. Ich kann mich noch erinnern, dass ich SEHR viel Zeit in der Schule zugebracht habe (so am Tag und in der Woche) aber ich frage mich ernsthaft, wann die Schüler, die in der Mittelstufe drei Fremdsprachen lernen müssen noch Zeit zum leben haben sollen.
    *Kopfschüttel* Manchmal hat man da Gefühl, (aus mehreren Gründen) dass die Politiker, die für unser Schulwesen zuständig sind, nie in der Schule waren…

  2. Domschi says:

    Das ist einfach eine bodenlose Frechheit, was da passiert ist! – Aber was noch viel frecher ist, ist die Tatsache, wie die Politik damit umgeht:

    Ich selbst bin auf etlichen Demonstrationen (mit über 10.000 anderen Schülern!) mitgelaufen, und die Politik hat das völlig ignoriert. Es gab an keiner Stelle ein miteinander, nie wurde sich mit den Schulen zusammen gesetzt, stattdessen kommt da der größte Müll von oben!

    *kopfschüttel*

    Ich bin zum Glück der letzte Jahrgang, der noch die alte Oberstufe hat, die nachfolgenden Jahrgänge hingegen werden ganz schön arm dran sein! =/

    (Was passiert wenn man in unserem Jahrgang, jetzt in der Oberstufe sitzen bleibt, weiß keiner!)

    Einfach eine bodenlose Frechheit das ganze!

  3. Pas says:

    das ist ja noch beschissener als die baden-württembergische Reform. Bei uns gibts noch Kurse, aber 4- und 2-stündige.
    Deutsch, Mathe, Fremdsprache und zwei andere muss jeder 4-stündig machen und zweistündig (sofern nicht schon 4-stündig gewählt): 2 Naturwissenschaften, Reli/Ethik, Sport, Geschichte+Gemeinschaftskunde+Erdkunde (in Kombination: 4 Halbjahre Geschichte, jeweils 2 Gk und Ek) und Bk/Musik.

    Gerade in Mathe merk ich, wie weit das Niveau vom Leistungskurs entfernt ist. Wir sind nicht höher als Grundkursniveau! Das liegt zum einen an der Reduzierung um eine Stunde und zum anderen an den Heerscharen matheuninteressierter und -verweigernder Schüler.

    Zum Glück ist die Frau Schavan jetzt nicht mehr im Ländle!!

  4. zitrone says:

    das system ist.. naja… ich mein in 12 jahren abi zu machen ist schon hart die “kleinen” müssen 3 nachmittage bit 16 uhr in der schule sein!

    also ich hätte das damals komplettt scheiße gefunden, hat man ja auch noch andere hobbys udn hausaufgaben kommen ja auch noch -.-

    bin ich froh, dass ich noch meine 13 jahre habe und mir meine leistungskurse wählen durfte :D

  5. konna says:

    @Jenni: Ja, das denke ich auch. Ich bin so froh, dass ich noch altes Abitur gemacht habe. Und ich bezweifle stark, dass das Abitur, dass die neuen nun machen müssen, ein höheres Niveau hat als unseres. Es wird einfach nicht besser, solange man einspart.

    @Domschi: Du sagst es, dem brauche ich gar nichts mehr hinzuzufügen. Über Schüler kann man ja ruhig hinwegbestimmen, die wissen ja nicht, was gut für sie ist.

    @Pas: Genau, die Niveausache der Kurse ist wieder eine andere Sache. Es ist nunmal eine Tatsache, dass manche Schüler in Mathe besser sind als andere, aber wenn man die dann zusammen in einen Kurs setzt, dann werden eher die besseren gebremst als das die schlechteren mitgezogen werden. Da ist doch ein Denkfehler drin bei denen.

    @zitrone: Also über Abi in 12 jahren würde ich ja noch mit mir reden lassen, das kann auch gut sein. Am besten wäre das, wenn das so wäre wie bei meiner alten Schule bis zu diesem Schuljahr noch, da wurde bei den neuen Schülern immer eine “Turboklasse” eingerichtet, die Eltern konnten dann entscheiden, wie ihr Kind das Abi machen soll. Ist aber wohl zu viel Aufwand.
    Ich bin jedenfalls wie schon gesagt auch sehr froh, dass ich das Abi so machen konnte, wie ich es konnte.

  6. Alex says:

    das ist jetzt natürlich für euch ‘dumm gelaufen’ …würde ich mal sagen. hab ja nie was damit zu tun gehabt und blick da eh überhaupt nicht durch *lol*.
    aber es scheint ja echt scheiße zu sein – diese dolle änderung. mein beileid habt ihr deshalb auf jeden fall!

  7. Pas says:

    wo wir schon bei G8 sind… Es gibt hier bei uns jetzt Planungen, dass die bisherigen Turboschulen das jetzt in 7 Jahren machen wollen :D

    das Geilste ist, dass bei uns keiner weiß, was wie anrechenbar ist und so… Selbst die “Obersufenberater”-Lehrer verstehen das System nicht

  8. iza1988 says:

    bin der festen überzeugung, dass man ohne probleme in zwoelf oder sogar elf jahren sein abitur machen kann. auch ohne die wochenstundenzahl zu erhöhen.
    die zeit, in der man in der schule anwesend ist, wird ja nicht immer produktiv genutzt. hochgerechnet hab ich in den dreizehn jahren sicher zwei jahre einfach nur rumgesessen.
    aber das waren damals auch andere zeiten ;)

  9. Pas says:

    ja das ist richtig, man müsste das aber effektiver gestalten. Eine andere Idee: man muss nicht in die Schule, nur die Arbeiten schreiben. Wer es schon kann, kann wegbleiben und dann gibt es kleinere Gruppen und die mit Problemen können individueller unterrichtet werden. Vielleicht dann noch so ein “Credit”-mäßiges System (nicht die Credits von Bologna!) für Schüler, die auch erfolgreich Unterricht halten oder so. Damit könnte man die Schule reformieren….

    Bleibt aber wahrscheinlich eh nur ein Trau, *seufz*

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