Filmriss: Blood Diamond

Oft ärgert man sich über Filme, die gekürzt sind, denen irgendwie etwas fehlt und dadurch nicht vollständig wirken. Eher selten hingegen hat man das Gefühl, dass Filme einfach zu lang sind und dadurch oft an Qualität einbüßen. In letztere Kategorie fällt auch Blood Diamond von Edward Zwick (Last Samurai), wobei der Film dennoch die meiste Zeit über unterhaltsam und spannend bleibt, da er mit Afrika einen relativ unverbrauchten Schauplatz bietet und an einer realitätsnahen Darstellung festhält.

Sierra Leone wird vom Bürgerkrieg gespalten. Als Rebellen das Dorf des Fischers Solomon Vandy (Djimon Hounsou) überfallen, können seine Frau und 2 seiner KinderBlood Diamond fliehen er selbst jedoch wird zur Arbeit als Diamantenschürfer gezwungen, während seinem weit von ihm entfernten Sohn das Gehirn gewaschen wird, damit er den Rebellen als Kindsoldat dienen kann. In den Diamantenfeldern entdeckt Solomon einen riesigen Diamanten, den er in der Verwirrung eines Angriffs der Regierungstruppen vergraben kann. Dennoch wird er ertappt und ins Gefängnis geworfen, in dem auch gerade der Diamantenschmuggler Danny Archer (Leonardo DiCaprio) sitzt, der dort zufällig von dem Diamanten erfährt. Wieder auf freiem Fuß hilft Danny Solomon aus dem Gefängnis und bietet ihm ein Geschäft an: Er hilft ihm, seine Familie wiederzufinden und den Diamanten zu verkaufen und erhält dafür einen Anteil an dessen Verkauf. Auf ihrem Weg haben die beiden mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen und geraten immer wieder zwischen die Fronten des Bürgerkrieges. Da erweist sich die Bekanntschaft mit der Journalistin Maddy Bowen (Jennifer Connelly) von unschätzbarem Wert.

Blood Diamond macht es dem Zuschauer nicht leicht: Einerseits weiß der Film optisch sehr zu überzeugen, die Aufnahmen der afrikanischen Landschaften sind wirklich atemberaubend. Auch die Actionszenen sind gut in Szene gesetzt, wirken nie übertrieben und wechseln sich regelmäßig mit ruhigeren Abschnitten ab, in denen die Charaktere mehr im Vordergrund stehen und in denen auch Platz für ein paar tiefsinnige Dialoge ist. Auf der anderen Seite wirkt der Film mit seinen 137 Minuten an manchen Stellen einfach viel zu langgezogen, die ein oder andere Szene hätte da noch wegfallen oder verkürzt werden können, ohne die Glaubwürdigkeit des Films zu gefährden. So gibt es leider ein paar Durststrecken und Wiederholungen im Film, die den Gesamteindruck nicht unerheblich schwächen.

Die drei Hauptdarsteller, allen voran Leonardo DiCaprio, der mit seinen letzten Filmen sein Milchbubi-Image losgeworden ist und in Blood Diamond einen eher zwiespältigen Charakter verkörpert, und Djimon Hounsou als der gute, sorgenvolle Vater Solomon spielen ihre Rollen sehr überzeugend, vor allem in den gemeinsamen Szenen schaffen sie es, die Unterschiede der Charaktere toll rübrzubringen. Die beiden Oscar-Nominierungen für DiCaprio als bester Hauptdarsteller und Hounsou als bester Nebendarsteller sind also durchaus gerechtfertigt. Jennifer Connelly macht als neugierige Journalistin eine gute Figur und trägt vor allem in den ruhigeren Szenen viel zum moralischen Aspekt bei.

Fazit: Edward Zwicks Blood Diamond ist Thriller, Action- und Abenteuerfilm, Polit-Drama und (mit deutlichen Abstrichen) Lovestory in einem, wodurch der Film etwas überladen wirkt. Weniger wäre hier mehr gewesen, dennoch ist der Film sehr sehenswert, da er optisch und schauspielerisch überzeugen kann und auf die Verhältnisse in weiten Teilen Afrikas aufmerksam macht. Kein Film, den man sich immer wieder anschauen kann, aber einer, den es sich lohnt einmal gesehen zu haben.

Meine Wertung: 7/10

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