Gedankenmüll zum Wochenende | Beliebtheit

Freitag abend, liebe Freunde, das heißt Wochenende und da hat man wieder Zeit für eine Party oder alternativ auch mal um in sich zu gehen. Letzteres ist für mich mal wieder vorzuzuehen, für Party ist einfach keine Zeit, mein Kopf aber auch nicht frei genug, denn am Dienstag wartet noch die letzte Klausur des Semesters auf mich, darum also doch eher noch einmal ein zwar ruhiges, aber arbeitsames Wochenende. Das ist ja nichts neues mehr für mich. Aber die Woche über und auch heute habe ich öfter über ein Thema nachgedacht, dass irgendwie jeden in bestimmter Weise betrifft: Beliebtheit.

Ich selbst würde mich nicht als besonders beliebt bezeichnen. Ich habe nur wenige (dafür aber wirklich gute) Freunde und einige Kumpels und gute Bekanntschaften. Das habe ich mir zum großen Teil natürlich selbst und meiner Art zuzuschreiben. Aber ist das so schlimm? Im Grunde finde ich nicht, doch manchmal kommen da dann doch wieder leise Zweifel auf, wenn sich das Leben immer um andere dreht. Vielleicht bin ich deshalb Blogger geworden, denn hier auf meinem Blog bin ich der Mittelpunkt, hier dreht sich alles um mich und ich kann mich so präsentieren, wie ich will. Und man sieht es ja auch, meine Besucher- und Kommentarzahlen sind durchaus ordentlich und zu vielen Bloggerinnen und Bloggern habe ich echt gute Beziehungen. Man kennt sich irgendwie und man interessiert sich auch für den anderen. Man fühlt sich beliebter als im “echten Leben”.

Es ist mehr als fraglich, ob diese gegenseitigen Sympathien jemals zustande gekommen wären, wäre man sich persönlich begegnet. Die Alters- und Interessenunterschiede sind manchmal einfach zu groß, vermutlich würde man sich gar nicht wahrnehmen. Doch im Netz kann jede noch so graue Maus in den buntesten Farben scheinen, unter anderem weil die Hemmschwelle einfach viel geringer ist. Daraus ergibt sich dann einfach, dass man auf der einen Seite ehrlich, direkt und selbstbewusst ist und beim persönlichen Gespräch dann manchmal genau das Gegenteil ist, ich nenne das jetzt einfach mal Internetschizophrenie.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht auf den Internetaspekt hinaus, sondern weiter überlegen: Ist es wirklich schöner, wenn man beliebt ist? Muss man um jeden Preis beliebt sein? Oft merke ich, dass ich oft Dinge tun müsste, die ich nicht machen will, um beliebter zu sein. Beliebt sein erscheint mir wie ein Fulltime-Job. Ist es mir das Wert? Gewinne ich dadurch so viel, dass ich alles, was ich dadurch verpasse und verliere, ersetzt bekomme? Ist die Beliebtheit es wert, dass ich etwas sage, bei dem mir alle zustimmen, zu dem ich selbst aber gar nicht stehe? Ist die Beliebtheit es wert, dass ich Dinge gut finde, die ich eigentlich schlecht finde? Ist Beliebtheit es wert, dass ich meine eigene Persönlichkeit und Freiheit aufgebe? Nein, denken sich sicher die meisten von euch und eigentlich ist das auch meine Meinung. Aber da sind immer wieder mal diese Zweifel.

Wenn ich beliebt wäre, hätte ich dann nicht viel mehr Einfluss auf meine Umwelt, könnte ich dann nicht viel mehr bewegen? Wenn ich beliebt wäre, könnte ich dann nicht viel leicher erfolgreich sein und käme einfacher durchs Leben? Wenn ich beliebt wäre, stünde ich dann nicht viel öfter im Mittelpunkt? Fragen, die man doch im ersten Moment bejahen würde. Doch das Wahre ist auch das nicht. Am allerbesten wäre es einfach, wenn man man sebst bleibt und dann beliebt wäre. Doch geht das einfach nicht bei allen und so fühle ich mich in meiner Rolle als Außenseiter dann doch die meiste Zeit recht wohl, anzuecken kann manchmal auch ein ganz gutes Gefühl sein – außerdem hat man, wenn man nicht immer im Mittelpunkt steht, öfter Zeit, auch mal in sich zu gehen.

 

7 Kommentare

  1. juliaL49 says:

    Oh wieder ein sehr tiefschürfender Beitrag! Die Kategorie ist echt gut!

    Nun aber zum Beitrag. Drei Dinge fallen mir dazu ein:
    1. Das mit dem Internetphänomen sehe ich ganz genauso! Wenn ich mir Gedanken mache, was für ein (kompletter) Mensch hinter einem bestimmten Blog steckt, dann denke ich oft, dass ich mit demjenigen wohl kein längeres Gespräch führen würde :grin:
    2. Du unterscheidest zwischen Außenseiter und Beliebtheit durch Anpassung. Müssen das ausgerechnet zwei verschiedene Sachen sein? Jemand kann auch beliebt sein, weil er anders ist bzw. cool oder was auch immer. (naja, vielleicht ist das auch eine romantische Teenagerfantasie von mir)
    3. Wenn jemand beliebt ist und sich diese bewegenden Fragen stellt, die du als Beispiele angeführt hast, ich glaube, da gibt es nie ein eindeutiges “Ja” oder “Nein”. Das ist eine schleichende und allmähliche Sache, wenn man sich beim ersten Mal noch Gedanken macht, rücken diese beim nächstem Mal ein wenig in den Hintergrund usw. Besonders wenn man durch Zufall mal auf den Geschmack der Beliebtheit gekommen ist.

    Habe ich mich eingermaßen verständlich ausgedrückt?!? Nachfragen! :mrgreen:

  2. Pas says:

    also ich find, ein paar gute, verlässliche Freunde sind viel mehr wert als hunderte, die einen in guten Zeiten Bewundern aber in schlechten Zeiten einfach fortgehen und einen alleine lassen.
    Ich bin froh, Freunde zu haben, die ich einfach mal anrufen kann/könnte und meinen Frust abladen oder so.
    Wenn man so beliebt in deinem Sinne wäre, ginge das ja nicht, weil man dann nicht mehr der coole Tyo wäre, den alles kalt lässt…

    außerdem: Lieber intensiv leben als zu oberflächlich!

  3. latita says:

    Ein bisschen kann man das Internetverhalten aber auch auf das RealLife übertragen. Z.B.: Je mehr Leser ein Blog hat, um so mehr denken diese, sie hätten ein Mitbestimmungsrecht, das Recht zu sagen was und wie der Blogger etwas schreiben soll. Ganz toll zu sehen am Shopblogger. Ein etwas ungefestigter Mensch ist versucht sich dem zu beugen. Man passt sich an um der Masse zu gefallen.
    Aber auch die Wirkung der stillen Zensur. Traut man sich, der kleinen Wolke um einen herum immer alles zu sagen was man denkt?

    Bei mir ist das derzeit recht schwierig. Es gibt viele nette Menschen, die mir vertrauen und es auch aus gutem Grund können, doch es gibt keinen, dem ich wirklich mein Innerstes anvertrauen könnte. Es gab mal so einen Menschen, aber der hat mich betrogen und bisher konnte keinen Neuen solchen Menschen finden.

  4. konna says:

    @julia: Danke für das Lob! Zu deinen Punkten:

    1. Wobei es bei mir so ist, dass ich inzwischen, wo ich die Leute schon ein wenig über die Blogs kenne, schon recht neugierig darauf wäre, wie sie denn so Angesicht zu Angesicht wären. :)

    2. Die Unterscheidung findet insofern statt, dass es bei mir so wäre – oder denke ich das nur? Du hast natürlich Recht, es muss nicht so sein. Ich kenne auch ein paar Leute, die ich total in Ordnung finde und die recht beliebt sind.

    3. Da magst du ebenfalls Recht haben. Aber so schnell wie die Beliebtheit kommt, kann sie auch wieder gehen. Oder?

    @Pas: Abgesehen davon, dass es mir nicht hauptsächlich um die Zahl der Freunde ging – wobei das natürlich ein Idikator für Beliebtheit ist – kann man doch auch viele gute Freunde haben, oder?

    @latita: Oh ja, da gebe ich dir Recht – ich merke es selbst schon manchmal, dass ich mir Gedanken mache, ob das meine Leser nun gut finden oder schlecht, wenn ich dies oder das poste. Ist eigentlich der falsche Weg.
    Und wenn Vertrauen einmal so enttäuscht wurde, dann ist es schwer, dass noch einmal so zu vergeben, ich kenne das auch. Aber irgendwann sollte man sich schon wieder öffnen, denke ich.

  5. latita says:

    Oh an der Bereitschaft sich zu öffnen liegt es nicht :) Ich habe bisher einfach niemanden finden können der mir ähnlich ist… habe mich wohl zu sehr verändert :(
    Kann ja mal einen Aufruf machen, Freundecasting oder so ^^ is aber leider kein guter Weg.

  6. Pas says:

    Konna:[...] kann man doch auch viele gute Freunde haben, oder?

    Hm, aber auch nicht unbegrenzt. Seh es so: Du hast am Tag 24 Stunden. Wenn du diese 24 Stunden hauptsächlich 10 Leuten widmest sind es wohl bessere Freunde, als wenn du die Zeit 20, 30, 40… Leuten widmest…

    Ich denke aber, dass da jeder auch eine andere “Grenze” hat, ab wann er Freunde als gute Freunde bezeichnet.

    Mist, ich merke grade, dass das mit der Zeit nicht ganz so hinhaut, sehe viele gute Freunde nur relativ selten. Naja aber irgendwie so, dass man ein begrenztes “Freundschaftsaufmerksamkeitspunktekonto” hat, das man auf die Freunde verteilen muss. So in etwa. Passt zwar auch nicht ganz, aber ich glaube, die Richtung kann man nachvollziehen…

  7. zitrone says:

    ich bin beliebt, bei meinen freunden und meiner familie. und das reicht mir. warum in der schule, im fitnessstudio oder sonst wo beliebt sein?

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