Tony Soprano ist ein Mann mit zwei Familien. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und eine Mutter, die ihm den letzten Nerv raubt. Gleichzeitig hat er aber auch eine Familie, die sich um das Geschäft kümmert, an dessen Spitze er steht: Tony Soprano ist das Oberhaupt der Mafia in New Jersey. Durch diese Doppelbelastung erleidet Tony immer wieder Panikattacken, weshalb er zu der Psychiaterin Dr. Melfi geht, der er alles erzählen darf, nur nicht von seinen “Geschäften”…
In der ersten Staffel der US-Kultserie werden zunächst einmal die wichtigsten Personen eingeführt und in ihrer Funktion vorgestellt. Das kann zu Beginn schon ziemlich überfordern, da die vielen italienischen Namen ungewohnt sind und jede Person natürlich auch noch einen Spitznamen hat. Aber im Laufe der ersten paar Folgen erkennt man schnell, welche Personen wichtig sind. Die größeren Plots der ersten Staffel behandeln Tonys Verhältnis zu seiner Mutter, die er in ein Seniorenheim stecken will und deshalb gegen ihn intrigiert und die Einführung von Tonys Neffen Chris in die Geschäfte der anderen Familie, der dabei aber des öfteren über das Ziel hinausschießt.
Die einzelnen Folgen der Serie bauen streng aufeinander auf, oft gibt es Rückgriffe und Anspielungen auf frühere Ereignisse. Die privaten Angelegenheiten von Tony Soprano nehmen zeitlich etwa genau so viel Raum in Anspruch wie das brutale Mafiageschäft, es finden jedoch immer wieder Vermischungen statt. Durch die Erzählstruktur, die sehr viel Wert auf die Charaktere und deren Entwicklung legt, kommt es in manchen Folgen zu Längen, da kaum etwas passiert und man nur mehr über die Personen erfährt. Dennoch greift das Prinzip, dass man immer wissen will, wie es weitergeht mit dieser wirklich etwas anderen Familie. Großartig ist auch der Soundtrack zur Serie.
Die zentrale Figur der Serie ist zweifellos Tony Soprano, grandios gespielt von James Gandolfini. Der nach außen hin harte und erbarmungslose Mafiaboss kann sich von einer auf die andere Sekunde zu einem sich liebevoll sorgenden, mitfühlenden Ehemann und Vater wandeln. Obwohl er sich diversen Affären hingibt und oft aus egoistischen Zielen handelt, ist es sein Charisma und sein Charme, der ihn sympathisch macht. Auch der Rest der Truppe ist ein bunter Haufen mit vielseitigen Charakterzügen. Zum Beispiel Tonys Ehefrau Carmella (Edie Falco), die zwar von Tonys Liebschaften weiß, aber die Familie zusammenhalten will. Oder der hitzköpfige Capo Paulie “Walnuts” Gualtieri (Tony Sirico), dessen Temperament oft für Schwierigkeiten sorgt. Aber auch die weiteren Rollen fügen sich perfekt ein und seien der Vollständigkeit halber und mit gutem Recht, weil sie alle wichtig sind, genannt: Tonys intelligente Tochter Meadow (Jamie-Lynn Sigler), sein fauler Sohn Anthony Jr. (Robert Iler), seine Mutter Livia (Nancy Marchand), die sehr gute Beziehungen zu Tonys Onkel Corrado “Onkel Junior” Soprano (Dominic Chianese) pflegt, Tonys rechte Hand und Consigliere Silvio Dante (Steve Van Zandt), der aufbrausende Neffe von Tony, Chris Moltisanti (Michael Imperioli) und seine Therapeutin Dr. JenniferMelfi (Lorraine Bracco).
Fazit: Die Sopranos ist eine wirklich fesselnde und unterhaltsame Serie, für die man zwar ein wenig Eingewöhnungszeit braucht, die einen jedoch nicht mehr loslässt, wenn man erst einmal drin ist. Durch die Erzählweise, die sich streckenweise sehr viel Zeit lässt, gibt es zwar immer mal wieder ein paar Durchhänger, die Charaktere und die Atmosphäre machen diesen Mangel jedoch mehr als wett. Humor, Dramatik, Spannung – Die Sopranos hat alles, was eine gute Serie braucht. Freunde der Mafiathematik müssen diese Serie sowieso haben, aber auch wer damit nicht so viel anfangen kann, wird Gefallen an dieser preisgekrönten Serie haben.
Meine Wertung: 9/10 Punkte
[starreview]
User-Wertung:
[starrater]
Link-Container:
The Sopranos in der IMDB
Die Sopranos – Die komplette erste Staffel bei Amazon kaufen

Auf die Serie freue ich mich auch schon. Allerdings werde ich wohl noch auf Erscheinen der Komplett-DVD-Box zu einem guten Preis warten.
Hatte ich damals ja sogar kommentiert. Wahnsinn. Ist jetzt ja schon über ein Jahr her, jaja die Zeit rennt…
Nun kann ich sagen, dass deine Kritik voll ins Schwarze trifft und sogar wunderbar ausführlich geschrieben ist. Soviel Mühe hatte ich mir nicht gemacht. Ähem. Aber ich werde versuchen wieder über jede Staffel zu schreiben…
@bullion: Und zu meiner Schande hab ich nicht auf deinen Kommentar geantwortet.
Aber es ist mal wieder lustig zu sehen, wie sehr sich unsere Einschätzung ähnelt, hier zum Beispiel der schwierige Einstieg. Bin gespannt auf deine Reviews zu den Folgestaffeln, werde das dann mal mit meiner Einschätzung, die ich noch grob im Kopf habe, vergleichen.