Ich bin ja bekanntlich ein ausgesprochener Musikliebhaber und immer auf der Suche nach neuer Musik, die mir gefällt. Dabei nutze ich diverse Möglichkeiten: Last.fm, dass mir bei Künstlern, die ich kenne, immer ähnliche Künstler anzeigt, Amazon, das mir persönliche Empfehlungen gibt oder auch ganz einfach Youtube, wo ich mich durch die Videos von Band zu Band und Song zu Song klicke. Auf diese Weise habe ich schon viele wirklich gute Bands kennen und lieben gelernt. Es gibt aber noch eine Möglichkeit, um auf interessante Künstler zu stoßen, die ich aber nie nutze, weil sie für mich absolut ungeeignet ist: CD-Kritiken.
Dabei ist das ja die Hauptintention von CD-Kritiken: sie sollen eine Empfehlung sein (oder eben das Gegenteil). Allerdings können sie das aus meiner Sicht nur sehr sehr schwer sein – aus folgendem Grund:
CD-Kritiken sind immer rein subjektiv, allerdings sind die Geschmäcker verschiedener Menschen auch unterschiedlich. Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Wenn der CD-Kritiker keine Gitarrensoli mag, ich hingegen aber schon, dann wird er ein Album, in dem viele davon vorkommen, deutlich schlechter bewerten als ich. Aber es muss nicht nur um rein formale Dinge gehen, Musik ist Gefühl und das spielt eine erhebliche Rolle bei der Bewertung eines Songs oder eines Albums. Wenn ich mit einem Song etwas bestimmtes assoziiere, ein schönes oder auch trauriges Erlebnis, dann denke ich ganz anders darüber als jemand, dem diese Songs nichts Persönliches geben.
Man kann versuchen, Musik nüchtern zu betrachten und dabei alles persönliche auszuschalten, aber eine solche Kritik spricht dann auch nur noch die halbe Wahrheit und macht die Rezension für mich unbrauchbar. Wenn irgendjemand, den ich überhaupt nicht kenne, sagt, dass er ein Album langweilig findet, dann kann ich der Meinung sein, dass das Album großartig ist, weil es mir aus der Seele spricht oder mir viele Songs schnell ins Ohr gehen. So kann es eben auch passieren, dass das von mir hochgelobte neue Offspring-Album von einem CD-Kritiker von CD-Starts nur 5/10 Punkten bekommt. Für mich wieder ein Beweis, dass ich richtig damit liege, auf solche Rezensionen nicht viel zu geben.
Um dem ein bisschen entgegenzuwirken, schließlich schreibe ich ja auch CD-Reviews, achte ich, soweit möglich, immer darauf, aussagekräftige Hörproben anzubieten, dann kann sich jeder anhören, ob ihm die Musik zusagt oder nicht und sich gegebenenfalls noch kundiger machen. Ohne Musik je gehört zu haben, kann ich nicht sagen, ob sie mir gefällt oder nicht. Ich kann höchstens sagen, dass mir bestimmte Musikrichtungen weniger gefallen oder dass ich bestimmte Künstler meide, weil mir deren Hintergrund nicht gefällt oder weil sie gecastet wurden. Solche Komponenten spielen bei mir nämlich auch oft eine nicht unerhebliche Rolle.
Darum bleibe ich lieber bei meinen anderen Methoden, um neue Musik kennen zu lernen und lass mich gar nicht erst von anderen Meinungen beeinflussen. Wie entdeckt ihr denn neue Musik und wie steht ihr zu CD-Kritiken?

















5 Kommentare
Also ich finde CD-Kritiken ja auch total überflüssig und würde nie auch nur auf die Idee kommen, sowas zu verfassen.
Scherz beiseite: das ist ein Dilemma, das man als Schreiber hat, aber wie du schriebst, kann man heutzutage was gegen den reinen Buchstabensalat tun, indem man gute Hörproben bietet.
Das mache ich ja auch immer, weil ich aus Erfahrung weiß, dass es diesen Einstieg braucht.
Mittlerweile habe ich so viele Musikblogs abonniert, dass ich die Empfehlungen nur überfliege, aber wenn eine Musikdatei verlinkt ist, kann ich die schnell anhören (bei WordPress-Blogs wird sogar ein Player angezeigt – da ist die Schwelle noch niedriger) und wenn mir der Song gefällt, lese ich weiter oder eben nicht.
Aber prinzipiell sollte man sich bei Interesse an einem Album sowieso mindestens drei oder vier Kritiken durchlesen, damit man einen groben Überblick bekommt. Und dann kann man sich auf die Suche nach weiteren Hörproben machen. Hier kommt dann die Sache zum Tragen, dass umsonst-Häppchen zum Kauf verleiten – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema
Meinungsbildend sind bei mir CD-Kritiken schon lange nicht mehr. Dafür sind sie, wie du schon angesprochen hast, zu sehr subjektiv auf bestimmte Vorlieben, Umstände und Situationen des Kritikers bezogen.
Selbst wenn du sie nur als Quelle für neue Musik benutzt, haben sie ihren Dienst doch schon getan. In Verbindung mit YouTube, MySpace etc. sind sie imo unersätzlich. Wie sonst kann man mit wenig Aufwand viele neue Bands entdecken?
Letztendlich verstehe ich deine Argumentation aber nicht ganz, denn genau wie YouTube, amazon oder last.fm gibt dir eine Kritik auch nur einen Überblick über den Musikmarkt. Du findest doch auch nicht jede Band gut, die dir von besagten Diensten aufgrund deiner Hörgewohnheiten oder deines Kaufverhaltens empfohlen wird.
Im Gegenteil, Kritiken sind ein nützliches Mittel, abseits deiner bevorzugten Genres Musik zu entdecken. Ich zum Beispiel wäre ohne diverse Indieblogs mit entsprechenden Kritiken nie auf Bands aus dem Indiepopbereich gestoßen, ganz einfach weil ich Pop immer mit langweiliger Mainstreammusik verbunden habe.
Kritiken sollen imo daher gar nicht so stark meinungsbildend sein (was sie im Buchsektor leider sehr stark sind, wenn z.B. Reich-Ranicki ein Buch positiv rezensiert, steht es bald darauf auf der Spiegel Bestseller-Liste und ist damit ja kaum mehr zu verdrängen), sondern begründet die Meinung des Autors widerspiegeln. Auf der Grundlage kann jeder entscheiden, ob er die CD kaufen möchte. Der erste Eindruck wird dann natürlich durch MySpace etc. und Hörproben gefestigt.
Im Endeffekt verstehe ich deine Abneigung gegen CD-Kritiken nicht.
@julia: Klar sollte man sich mehrere Reviews durchlesen, aber oft steht da auch das gleiche drin, find ich. Und das mit den Umsonsthäppchen ist wahr!
@jakob: Stimmt, ich finde nicht jede Band gut, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher, weil die ja meist auf den Dingen basieren, die ich selbst höre und gut finde. Bei Kritiken bekomme ich ja weniger einen Überblick als viel mehr eine Reihenfolge und die steht mit meiner persönlichen Reihenfolge meist im krassen Widerspruch.
Um Bands abseits des für einen selbst normalen Musikgeschmacks zu entdecken sind die aber allerdings ganz brauchbar, da stimm ich dir zu.
Was ich an deiner Meinung nicht verstehe ist der Absatz, dass Kritiken nicht meinungsbildend sein sollen. Aber genau das ist doch deren Intention, oder? Sie geben eine Meinung wider und das meist völlig subjektiv und ohne abzuwägen. Wenn sie nicht meinungsbildend sein sollten, dann müsste dort meiner Meinung nach immer zu jedem Punkt stehen, dass man das sowohl gut als auch schlecht finden kann. Aber Musik ist wie Filme oder auch Bücher nicht wirklich objektiv bewertbar. Darum braucht man immer Hörproben, was ich ja mit meinem Beitrag sagen wollte und wo du mir ja auch scheinbar zustimmst.
Zum letzten Absatz: Ich finde diesen Weg viel aufwändiger als meine anderen Methoden, außerdem sind diese weitaus treffsicherer als Kritiken. Aber das muss natürlich jeder handhaben, wie er selbst denkt. ^^
ich lese einfach gar keine CD-Reviews…
Wichtig ist mir nur, was ICH höre, alle anderen sind mir da eigentlich schnurzpiepegal :p Da ist mir dann egal ob es 1000 Leute gut finden oder 1000 Leute hassen, hauptsache MIR gefällt es.
Auch würde ich jetzt nicht generell gecastete Sachen schlecht machen. Sind zwar in aller Regel nicht wirklich gut, aber wie die Person berühmt wurde (oder auch nicht) ist mir eigentlich auch egal.
Aber generell kauf ich kaum CDs, weil mein Bruder so viele hat und die Schnittmenge beim Musikgeschmack recht groß ist. Das ist eh am praktischsten
Und von ihm habe ich auch die eine oder andere geschenkt bekommen (und er lag richtig).
Ja, Kritiken sind subjektiv, aber das heißt doch im Umkehrschluss nicht, dass sie meinungsbildend sein wollen. Ich als Rezensent will dir doch nicht meine Meinung aufdrücken, genauso wenig wie das ein Blogger tun will, der ja auch subjektiv schreibt. In einem bestimmten musikalischen Rahmen wird eine CD bewertet, und der Leser kann auf Grund des Musikgeschmacks des Autors oder des Umfeldes der Veröffentlichung die Tragweite für die eigene Person beurteilen. Wenn in einem Technomagazin eine CD mit voller Punktzahl bewertet wird, weiß ich, dass ich die CD garantiert nicht hören will, weil ich mit Techno nichts anfangen kann und diese CD persönlich in die Ecke verbannen würde. Da muss nicht drunterstehen, dass Technohasser die CD eventuell nicht gut finden könnten.
Und warum sind Kritiken umständlicher? Ob ich in meinem RSS-Reader 10 MySpace-Links anklappere oder über YouTubes “Related Videos” auf diese Links stoße, ist doch wurscht…
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