Filmriss: Die Tudors (Season One)

Bei der filmischen Umsetzung von historischem Stoff liegt eine besondere Schwierigkeit darin, den richtigen Mittelweg zwischen akkurater Wiedergabe der Fakten und der Veränderung selbiger zum Zwecke der Unterhaltung zu finden. Die Geschichte des jungen Heinrich VIII. und seinen zahlreichen Frauen, eignet sich gut für eine Umsetzung, ist es doch eine sehr turbulente Zeit, in der beispielsweise die Reformation stattfand. Die Serie “Die Tudors” will bei diesem Thema den Spagat zwischen historischer Korrektheit und Unterhaltung schaffen. Ob und wie ihr das in der ersten Staffel gelingt, könnt ihr in den folgenden Zeilen lesen:

Die Tudors - Die komplette erste SeasonHeinrich VIII., der König von England, führt ein sehr ausgelassenes Leben: Er nimmt an Ritterwettkämpfen teil, geht jagen und hat diverse Mätressen. Aber seine Ehefrau, die spanische Katharina, die ehemalige Frau seines Bruders, bereitet ihm Kopfzerbrechen. Sie schenkt ihm keinen Sohn, also keinen männlichen Thronfolger, weswegen er sehr unzufrieden in seiner Ehe ist. Auf dem königlichen Hofe werden währenddessen einige Intrigen gesponnen, einige Untergebene wollen den engsten Berater des Königs, Kardinal Wolsey loswerden, egal wie. Gleichzeitig droht England eine weitere Gefahr – die Reformation durch Luther zieht immer größere Kreise und auch in England gibt es hochrangige Leute, die mit ihm und seinen Thesen sympathisieren. Genug zu tun also für den temperamentvollen König, doch verliert der sein Herz an die bezaubernde Lady Anne Boleyn, die er unbedingt zu seiner Frau nehmen will. Allerdings muss er zuerst die Scheidung von Katharina erwirken, was sich als sehr schwieriges Unterfangen erweist, da es gegen seinen katholischen Glauben verstößt und der Papst ihm keine Zustimmuntg geben will. Doch wenn ein König etwas will, dann will er es mit aller Macht und um jeden Preis…

Als Fan historischer Serien wie zum Beispiel Rome musste ich The Tudors eine Chance geben. Ich war sehr gespannt, wie die Geschichte um Heinrich VIII. aufbereitet werden würde und habe mich vor der Sichtung grob mit der realen Geschichte vertraut gemacht. Trotz Spoilergefahr hat sich das als großes Plus erwiesen, denn sehr viele Dinge waren wiedererkennbar und zu sehen, wo man sich in der Handlung ein paar Freiheiten genommen hatte, hat sehr viel Spaß gemacht. Selbst Kleinigkeiten wie das bekannte englische Volkslied “Lady Greensleeves”, welches angeblich von Heinrich persönlich komponiert wurde, haben den Weg in die Serie gefunden. Die Optik ist ebenfalls gelungen, man denkt wirklich, man befände sich im England des 16. Jahrhunderts, wozu die Kostüme ihren Teil beitragen. Einen Kritikpunkt habe ich aber doch noch: Einige Handlungsstränge sind weniger Interessant als andere. Vor allem die Liebesbeziehung inklusive Rumgeknutsche zwischen Heinrich und Ann Boleyn fällt einem nach einiger Zeit ein bisschen auf die Nerven. Da diese aber Teil der Haupthandlung ist, konnte man sie aber auch nicht einfach weglassen oder kürzen.

Die Besetzung ist durch und durch hervorragend gewählt. Jonathan Rhys Meyers (“The Children of Huang Shi”) schafft es hervorragend, den schwierigen Charakter Heinrichs VIII. glaubhaft zu spielen. Noch besser aber gefallen mir aber Sam Neill (“Jurassic Park”) als undurchsichtiger Kardinal Wolsey und Jeremy Northam (“Cypher”) in der Rolle des Humanisten Sir Thomas More. Aber auch der Rest macht seine Sache wirklich gut. Ein kurzes Wort zur Synchronisation: Im Grunde sehr solide, allerdings klingt der Akzent der spanischen Frau des Königs, Katharina, eher wie russisch/osteuropäisch als spanisch.

Fazit: Meine anfängliche Befürchtung, die Serie würde von zu vielen Sexszenen beherrscht, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Es kommen zwar desöfteren welche vor, sind aber nicht störend und auch wichtig für die spannende Geschichte, die sich zwar – logischerweise – nicht 100% genau an die historische Vorgabe hält, das meiste aber akkurat einbaut. Die opulente Optik und die Kostüme, sowie die schauspielerischen Leistungen und die Detailverliebtheit runden die Serie sehr gut ab und machen sie zu einer klaren Empfehlung für alle Fans dieser Art von Serien.

Meine Wertung: 8/10

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