Aufreger: Bürokratie an der Uni

Ich schrieb schon in meinem Beitrag zum Netzfreitag davon, dass ich an der Uni das Studienbuch für meine Schwester abholen sollte. Sie hatte mir so einen Zettel mitgegeben, den sie dafür vorlegen muss und daher dachte ich, dass das schnell erledigt sei und ich da nur kurz Bescheid sagen muss, das Heftchen entgegen nehmen und danach gleich weitergehen kann. Aber wie ist das immer, wenn man sich etwas schon genau ausmalt? Genau, es kommt immer anders als man denkt.

Stehen in der Schlange

Morgens halb 10 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Nein, ich habe keine Schokowaffeln mit Schokolade und Cerealien zwischen den Kauleisten, ich stehe in der Schlange vor dem Studierendensekretariat und will das Studienbuch meiner Schwester abholen. Fünf Leute stehen vor mir und brauchen mehr oder weniger lang am Schalter – einer hat sich verlaufen, einer wollte eine Auskunft zur Exmatrikulation und die anderen wollten auch irgendetwas abholen. Warum das eine geschlagene halbe Stunde dauerte, habe ich jedoch nicht verstanden. Doch es war noch früh genug und ich hatte auch Zeit, war also ganz ruhig. Und ich kam ja auch noch dran. Doch dann fing das Drama auch erst an.

Versuch 1: Normal

Mit meinem freundlichsten Ton und einem Lächeln (!) im Gesicht sage ich zu der jungen Dame am Schalter: “Schönen guten Mogen, ich soll für meine Schwester das Studienbuch abholen, sie hat mir die nötigen Unterlagen mitgegeben, hier bitte.” Die junge Frau sitzt übrigens hinter einer Plexiglasscheibe. Vermutlich hat sie den Schutz nötig, damit sie nicht von dem Geruch der Studenten, die in den Stoßzeiten bis über ein oder zwei Stunden anstehen müssen, erschlagen wird. Und es gibt ja auch noch die Fraktion von Studenten, die stets barfuß und ungewaschen durch die Gegend läuft. Vor denen würd ich mich auch schützen wollen.

Jedenfalls schlägt mir die Frau gleich entgegen, ob ich denn eine Bevollmächtigung hätte, um das Studienbuch abzuholen. Bevollmächtigung? Was? Ich bin doch ein Familienmitglied, kann mich sogar ausweisen, habe die Formulare meiner Schwester und überhaupt! Nein, das geht nicht, nur mit einer Bevollmächtigung, antwortet sie etwas patzig.

Versuch 2: Auf die Mitleidstour

Okay, ganz ruhig bleiben, das können wir doch wie erwachsene Menschen klären. Vielleicht klappt es ja auf die Mitleidstour. Ich schildere theatralisch, dass meine Schwester leider verhindert ist und ich nun den ganzen Weg nach Kiel extra dafür gefahren bin und ob das nun alles umsonst gewesen sein soll. Irgendwas müsse man doch machen können. Das zeigte leider keinerlei Wirkung, außer dass sie nun ein wenig mitleidig schaute.

Versuch 3: Mit Charme

Ich witterte eine neue Chance und versuchte es mit ein wenig Charme und Anbiederung. Ich verstünde ja, dass sie nur ihre Aufgabe mache und sie doch eine vernünftige junge Frau sei, die mich doch sicher verstehen würde. Habs wirklich auf sehr nette, aber nicht übertriebene Art und Weise versucht, aber auch so erteilte sie mir eine Absage. Ihr Blick richtete sich auf die wieder länger werdende Schlange hinter mir. Aha, sie hat es eilig und will weiterkommen. Dann eben noch ein Versuch von mir, ich lass mich nicht so leicht abservieren.

Versuch 4: Mit Lautstärke

Eigentlich wollte ich es vermeiden, aber wenn es nicht anders geht, dann treibe ich es eben auf die Spitze. Ich wurde grantig und vor allem laut, dass es auch schön die Leute hinter mir mitbekamen. Was das für eine Bürokratie sei und wie man es mir als Familienmitglied verweigern könne, dass ich etwas für meine Schwester abhole. Ich fahre den weiten Weg her, um das persönlich abzuholen und wenn denen das nicht passt, dann sollen die das doch per Post zu meiner Schwester schicken und und und, ich hab mich echt ein bisschen in Rage geredet und hinter mir grummelte es auch schon ein bisschen. Gebracht hat es leider nichts. Es geht einfach nicht und das ist das letzte Wort.

Dann eben nicht!

So zog ich dann geschlagen von dannen und ärgerte mich ein bisschen. Doch nicht lange, denn wenn es eben so ist, dann ist das eben mein Pech und da ich Montag sowieso noch einmal zur Uni muss, war das nun auch nicht unbedingt notwendig, dass ich das Studienbuch sofort hole. Aber warum ich nun unbedingt eine Bevollmächtigung brauche, ist für mich immer noch unverständlich. Wahrscheinlich wieder ein Fall von typisch deutscher Bürokratie!

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8 Kommentare

  1. caesar says:

    Meine Uni hat geschlagene drei Anläufe gebraucht um mir die richtige Bestätigung für meine Diplomarbeit zuzusenden. Erst war der Studiengang völlig falsch (da frage ich mich, wie sowas passieren kann?) und das Datum hat nicht gestimmt, im zweiten Anlauf war das Datum immernoch falsch und erst im dritten Brief hat dann endlich alles gepasst.
    Bei einer Freundin, die den Antrag zur Zulassung für die Diplomarbeit parallel mit mir abgegeben hat, hat das Prüfungsamt diesen sogar verschlampt und hinterher steif und fest behauptet, dass dieser nie eingereicht wurde. Unibürokratie…

  2. Hikari says:

    Ich würde sagen, das ist normal :D Ich hätte dir das gleich sagen können, dass du sowas wahrscheinlich brauchst. Auch als Familienmitglied. Ich musste solche Bevollmächtigungen sogar für meine Mutter ausstellen, als ich zB 18 war und eben auch verhindert. Witzig ;)

  3. Basti says:

    Das mit der Bürokratie ist natürlich ärgerlich, aber auch normal in unserem schönen Lande. Deswegen eigentlich nur ein kleiner Aufreger…
    Was ich am dämlichsten finde, ist, dass diese Nasen da im Studierendensekretariat wirklich unfreundlich sind. Und arrogant noch dazu. Ich bin da noch nicht einmal freundlich bedient worden. Da scheint irgend wer unter dem Schreibtisch von denen zu sitzen und sie in die Genitalien zu kneifen, sobald sie anfangen, zu lächeln. Anders kann ich mir das nicht erklären…

  4. konna says:

    @caesar: Unglaublich eigentlich. So eine Diplomarbeit und auch ein Antrag auf Zulassung sind ja nun auch nicht gerade unwichtige Dinge. Da muss ja wirklich ein absoluter Laie am Werk gewesen sein. Letztlich hat das aber hoffentlich trotzdem alles so geklappt, wie es sollte?

    @Hikari: Ist doch irgendwie total blödsinnig, oder? Ich weiß gar nicht, wo das Problem sein soll, wenn ein Familienmitglied das macht. Ich wohne ja sogar noch in der gleichen Adresse, also hätte ich schon keinen Unfug damit angestellt. :wallbash:

    @Basti: Jup, aber nur weil es normal ist, muss man sich ja nicht damit abfinden, oder? ;) Dass der Frau da am Schalter in die Genitalien gekniffen wurde, würde ich nun nicht behaupten, aber vielleicht hat man sonst etwas mit ihr angestellt. Wer weiß? :dontknow:

  5. lexxa says:

    Also ich hab da bei uns vor einigen Tagen auch so ne nette Erfahrung gemacht:
    Die Stipendienstelle verlangt von mir nach 2 Semestern Masterstudium den Nachweis einer bestimmten Anzahl an geleisteten Stunden in dem Fachbereich, für den das Master-Stip läuft.
    Alles klar soweit. Da ich nun aber zwei Richtungen studiere – Kommunikationswissenschaft und Romanistik, habe ich nicht alle Stunden aus der KoWi zusammen, dafür aber einige aus der Romanistik. So.
    Und da es gottlob ja die “freien Wahlfächer” in jedem Studium gibt, habe ich eben diese Stunden aus der Romanistik ebenfalls bei der Stipendienstelle vorgelegt. Dort sagte mir ein nettter Herr, dass ich diese Stunden erst von meiner Uni, bzw. vom Curriculums-Vorsitzenden “bestätigen” lassen müsste. Das hat mich schon verwundert, bekannt war mir das Procedere mit meinen Stunden, die ich in Barcelona gemacht habe, aber Stunden eines anderen Fachbereiches der Uni Salzburg extra anrechnen lassen? Das war mir neu.
    Egal.
    Frau tut was sie kann, fährt zur Uni, hinterlegt die Zeugnisse bei den Zuständigen (ebenfalls ein sehr freundliches Sekretariat, das dürfte wohl ein weltweites Phänomen sein..), holt sich die Scheine eine Woche später wieder ab mit einem netten Post-it inklusive Uni-Stempel drauf, dass das alles nicht mehr notwendig sei.
    Toll.
    Also wieder zurück zur Stipdstelle, alles von vorne, diesmal eine nette Dame, die sich unbeholfen dafür entschuldigen wollte, dass ihr Kollege “einfach nicht wirklich Bescheid weiß” und mit meinen Stunden alles wieder in Ordnung sei.
    Ich habe deswegen einen ganzen Monat auf mein Geld warten müssen und bin von einem (liebreizendem) Sekretariat zum nächsten geschickt worden, aber anscheinend mach das neue Online-System bei uns an der Uni “alles einfacher”.
    Prost Mahlzeit.

  6. lars says:

    ein freund von mir hatte wegen mir ein ähnliches problem an der cau. mein chef meinte, dass promovierende in münchen mindestens ein jahr eingeschrieben sein müssten. 2 tage bevor die immatrikulationsfrist ablief. ich hatte natürlich keine zeugnisse hier und brauchte zudem von der cau noch die exmatrikulationsbestätigung. das ging auch nicht ohne vollmacht.
    also am letzten tag noch von der hauptuni zu unserm institut rausgeradelt(15km) die vollmacht rübergefaxt. die bestätigung der exmatrikulation zurückbekommen, wieder in die stadt reingeradelt und 20min vor finito doch noch eingeschrieben. hätte mein kumpel den tag nicht frei gehabt, wär’s wohl nix geworden. aber bei solchen recht lapidaren dokumenten sind wohl alle unis superstrikt. warum auch immer. ich meine, es geht ja nicht um wahlunterlagen oder waffenscheine oder so….

  7. konna says:

    @lexxa & lars: Es beruhigt mich, dass es wirklich an den Unis zu liegen scheint und nicht an mir oder so. ;)

    Immerhin musste ich nicht so oft hin und her laufen wie ihr, das ist ja echt furchtbar. Und vor allem sowas von blödsinnig. Weiß auch nicht, was das soll. Und über die Öffnungszeiten lass ich mich jetzt lieber nicht auch noch aus. Ein Graus ist das mit den Unis…

  8. lars says:

    ja, ganz so weit ist es noch nicht durchgedrungen, dass unis, auch wenn sie keine studiengebühren nehmen, wohl doch dienstleister sind…

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