Aufbruch- und Abrissstimmung

Irgendwie scheint diese gedrückte Herbststimmung ansteckend zu sein. Bisher habe ich mich zwar ganz gut dagegen wehren können und dachte, dass ich davon verschont bleiben würde, aber irgendwie ist die Stimmung bei mir heute irgendwie gedrückt. Keine Ahnung, woran das genau liegt, aber begründen kann man sowas ja sowieso nicht immer. Ist halt einfach so, sagt man dann, glaub ich.

Nun ist diese Stimmung begleitet von einem Gemisch aus einer Stimme, die nach Aufbruch schreit, die produktiv und kreativ sein möchte und dem Ruf nach Abriss, der Wunsch nach neuem Platz und dem Wegräumen von Dingen, die nicht so sind, wie ich sie gerne hätte. Dieses Zerren ist auf der einen Seite paradox, aber dann eigentlich doch wieder nicht, denn sobald Platz ist, kann etwas Neues kommen. Jedoch entlädt sich die Situation in einer Lethargie, die mich so sehr lähmt, dass ein Befreien daraus im Augenblick einfach zu schwer ist.

Gewissermaßen wirkt sich das auch aufs Blog aus. Ich habe diverse Pläne, aber es scheitert meist an der Umsetzung. Schon länger wollte ich zum Beispiel auf eine eigene Domain umziehen, aber mich scheut der Umzug, denn es besteht ja eigentlich überhaupt keine Notwendigkeit, das zu tun – die Erreichbarkeit meines Blogs ist gut und die meisten kennen es nun schon so, wie es ist. Warum also ändern? Es spricht eigentlich nichts dafür.

Der zweite Punkt auf der Liste des Blogs sind die Themen. Bis auf wenige Ausnahmen war das in letzter Zeit doch alles die gleiche Schose, es fehlt das gewisse Etwas, es ist ein gewisser Alltagstrott eingekehrt, der mir absolut missfällt. Wäre ich mein Leser, ich würde den Feed abbestellen. Zu meinem Bloggeburtstag kündigte ich vollmundig Neuerungen an, ich versprach einen regelrechten Mehrwert für alle, die meinen Blog lesen und hier kommentieren. Zur Zeit bin ich diesen Mehrwert noch schuldig. Und sobald ich irgendein Thema oder eine Idee habe und mich daransetze, gefällt sie mir nicht mehr und ich verwerfe sie wieder, entweder weil sie mir zu uninspiriert wirken oder weil sie einfach nicht hierher passen wollen, sondern eher etwas für Themenblogs sind.

In letzter Zeit habe ich viele neue, interessante und lesenswerte Blogs für mich entdeckt, die ich abonniert und z.T. auch neu verlinkt habe. Ich dachte, wenn ich mich ein wenig umsehe, könnte ich mich inspirieren lassen, aber ich will auch nicht einfach ein billiger Abklatsch sein und schreiben, was nicht ich bin. Es ist zum verzweifeln, dieser Beitrag entwickelt sich schon wieder in eine Art “Heulbeitrag” und ich war kurz davor, einfach wieder alles rauszulöschen – wie es die letzten Tage öfter mit angefangenen Beiträgen passiert. Aber nein, dieser Beitrag muss mal raus.

Dieses fast gezwungene Löschen ist fast schon ein Sinnbild für meine Stimmung, für den Drang nach Abriss. Nur lässt sich hier nicht so einfach irgendetwas abreißen. Vielleicht das mühsam aufgebaute und umgeschriebene Theme oder ein paar Blogs aus der Blogroll, die ich nicht mehr wirklich verfolge, weil dort entweder nichts mehr passiert oder mich die Schreibe nicht mehr anspricht. Aber sobald diese Überlegungen konkreter werden, spricht die andere Seite: “Wozu? Platz ist in der Blogroll unbegrenzt, tritt doch niemandem auf den Schlips, selbst wenn du es nicht persönlich meinst!” Oder: “Schon wieder Theme ändern? Dann war die ganze Mühe umsonst und eigentlich passt es doch so – wenn du das dauernd machst, tust du dir auch keinen Gefallen damit!”

Der Beitrag ist jetzt schon länger, als eigentlich gewollt. Und dabei hab ich den ganzen Kram abseits des Blogs noch gar nicht berücksichtigt. Aber ich mach dann trotzdem mal Schluss an dieser Stelle, nachher hat keiner mehr Bock, das zu lesen. Zu verübeln wäre  es niemandem. Nur eins noch: Bitte keine Kommentare, die Mitleid sugerrieren. Ich möchte kein Mitleid heischen, sondern nur mal meine momentane Situation darstellen. Mal sehen, was hier passiert in den nächsten Tagen. Vielleicht auch einfach nur mal insgesamt etwas weniger. Erstmal werd ich aber noch ne Nacht drüber schlafen.

 

9 Kommentare

  1. jana says:

    oh, ich hoffe, ich hab dich nicht mit meiner herbstmelancholie angesteckt :oops:

    aber das gefühl kenne ich zu gut. auch im hinblick aufs bloggen. von mir aus musst du eigentlich gar nichts hier ändern, ich komme sehr gern vorbei und nehme mir die zeit, deine doch eher längeren posts zu lesen ;)
    und im grunde bloggt man ja auch ein stück für sich selber, wenn du also keinen bock hast, dann lass es…wenn du dir nicht sicher bist,ob du etwas veröffentlichst, dann speicher es erst einmal als entwurf. so mache ich das auch oft.
    ich hab langsam das gefühl, dass meine kommentare bei dir länger sind als meine eigenen posts :mrgreen:

  2. Curi0us says:

    Wenn ich mich so umgucke geht das grad vielen So. Mir ja auch vor wenigen Tagen noch ein Stück weit. Aber irgendwie komme ich zumindest recht schnell aus solchen Gedankentiefs wieder raus. Ich denke dass “ewig die gleiche Schose” auch normal ist. Du bist du und was aus dir “kommt” wird sich überwiegend selbstähnlich sein, denn du veränderst dich ja auch nicht in 2 Wochen total. Und das ist auch gut so. Wenn ich dauernd unterschiedliche Dinge lesen wollte, dürfte ich keine Egoblogs lesen.

    @Jana ja, den Eindruck habe ich auch :D

  3. Hikari says:

    Manche Veränderungen brauchen mehr Zeit ;) Man will zwar schon etwas verändern, aber wenn man noch dazu “keine Lust” hat oder sich nicht aufraffen kann, dann ist manchmal eben noch nicht der rechte Zeitpunkt gekommen oder die Idee welche Veränderungen genau anstehen sollen, noch nicht ganz ausgereift. Daher setz dich net selbst unter Druck, das hilft nicht, und lass es erstmal reifen. Dann wird es auch gut umgesetzt werden.

  4. tshalina says:

    :shock: Ich mag den Herbst! Aktuell ist bei mir eher Aufbruch angesagt, statt Melanchonie. Das Theme find ich hübsch und ganz ehrlich seh ich auch keinen Grund, warum du es schon wieder ändern solltest. Und zum Thema “unkreative Phase” hab ich aktuell auch etwas zu bieten. Ich denke unser Problem ist, dass wir mit zunehmender Zeit als Blogger zunehmende Ansprüche an uns selbst und damit unseren Blog haben. Ich fänd jedenfalls schade, wenn ich bald bei dir auch ein “CLOSED” lesen würde. In letzter Zeit haben sehr viele Blogger die Segel gestrichen…

  5. konna says:

    @jana: Es freut mich, dass ich dich als Leserin gewinnen konnte und das Kompliment kann ich zurückgeben, ich lese und kommentiere auch gern bei dir. Fühle mich geehrt, dass meine Texte dich zu solch langen Kommentaren veranlassen. Mal gucken, ob sich das irgendwie von allein wieder gibt, ist ja meistens so, dass es so schnel geht, wie es gekommen ist mit dieser Stimmung.

    @Curi0us: Naja, aber da ich ja nicht nur über mich selbst blogge, ist so ein bisschen Veränderung und Varietät im Blog ja an sich durchaus möglich. Ich überlege weiter. Danke für deinen Kommentar!

    @Hikari: Wahre Worte. Ich werd mir deinen Rat zu Herzen nehmen, dankeschön! :)

    @tshalina: Jup, an sich hast du Recht, das Theme ist auch vollkommen okay so – es ist eben auch eher das Verlangen nach Veränderung denn rationales Denken, was zu dieser Idee führt. Werde aber, wenn überhaupt, nur kleine Anpassungen vornehmen. Und “CLOSED” wirst du hier wohl erst lesen, sobald ich mein Studium beendet habe und Lehrer bin. Denn eher früher als später finden gewiefte Schüler mich im Netz und das kann nicht in meinem Interesse sein. ;)

  6. Ascari says:

    Der Punkt ist, dass du für dich persönlich entscheiden musst, wie wichtig dir dein Blog ist, finde ich. Wenn du das Gefühl hast, du möchtest (nicht du musst) was ändern, dann tu’s! Und wenn du das Gefühl hast, du fühlst dich ausgebrannt, dann mach ne Pause, und schreib auch, warum. Treue Leser bleiben dir in jedem Fall erhalten, neue werden kommen, andere werden gehen – so ist das eben ;)

  7. Jenny says:

    Schreib einfach so viel, wie du möchtest und wie du gerade Lust danach hast. So mache ich das auch. Manchmal möchte ich fast jeden Tag bloggen, manchmal vllt einmal die Woche. Aber zuallererst macht man das für sich selbst, denke ich. Und ich werde sicher immer vorbeischauen und dein Blog sicher nicht abbestellen, egal wieviel bzw. wie wenig du schreibst, da ich wirklich gerne auf deinem Blog lese :)

  8. konna says:

    @Ascari: Das Problem ist, dass ich es eben nicht wirklich weiß, ob ich es will, denn sobald ich es in Angriff nehme, regt sich bei mir irgendein Widerspruch, warum auch immer. ;) Ich hoffe mal, dass es nur so eine Phase ist, die vielleicht auch von allein wieder geht und mache einfach so, wie ich denke. Danke für deine Worte. :)

    @Jenny: Danke für die lieben Worte. :oops: Kann ich auch wieder nur zurückgeben. Lese auch gern bei dir und freue mich immer, wenn es etwas neues gibt. :D

Trackbacks

  1. Veränderung, Anpassung, Erinnerung | Gedankendeponie

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