Jeder Künstler (oder auch Blogger) kennt sicherlich das Problem, irgendwann einmal an einen Punkt zu kommen, wo das Schreiben plötzlich schwer fällt und eine regelrechte Ideenlosigkeit einsetzt. In einem solchen Fall kann es ratsam sein, sich vielleicht einmal ein Beispiel an den antiken Dichtern zu nehmen. Die haben nämlich oft schon im Voraus geplant und eine oder mehrere Musen angerufen und um Hilfe gebeten. Einer der wohl berühmtesten Musenanrufe findet sich wohl zu Beginn der Odyssee:
Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ πλάγχθη…
Nenne mir, Muse, den Mann, den vielgewandten, der gar viel umgetrieben wurde…
Und auch heute sagt man ja immer noch, dass man sich für Inspiration von einer Muse küssen lassen soll. Aber welche Musen gibt es denn eigentlich? Während Homer im oberen Zitat keine bestimmte bzw. eine namenlose Muse nannte, so finden sich in der Theogenie (“Göttergeburt”) von Hesiod neun Musen, die seitdem als kanonisch angesehen werden. Mit der Zeit wurden ihnen allen eigene “Zuständigkeitsbereiche” zugewiesen, nach denen man je nach Bedarf eine Muse auswählen konnte. Im folgenden eine kurze Liste dieser Musen:
- Euterpe: Muse der lyrischen Dichtung und des Flötenspiels
- Erato: Muse der Liebesdichtung
- Urania: Muse der Astronomie
- Polyhymnia: Muse des Gesangs
- Kalliope: Muse der epischen und elegischen Dichtung
- Klio: Muse der Geschichtsschreibung
- Melpomene: Muse der Tragödie
- Terpsichore: Muse des Tanzes und Chorgesangs
- Thalia: Muse der Komödie

Die neun Musen in einer Zeichnung von einem Sarkophag im Louvre. Von links nach rechts: Klio, Thalia, Erato, Euterpe, Polyhymnia, Kalliope, Terpsichore, Urania und Melpomene.
Die Musen sind übrigens die Töchter von Zeus mit Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung. Schließlich kann es ohne Erinnerung keine Künste geben.
Natürlich gibt es auch noch einen Merksatz, mit dem man sich die Namen der Musen ein wenig besser merken kann. Es werden einfach die Anfangsbuchstaben der Namen zusammengesetzt :
Eu|er | Ur|po|kal – Klio | Mel|ter|thal
Wenn ihr also einmal beim Bloggen in eine unkreative Phase kommt, könnt ihr nun vielleicht etwas einfacher entscheiden, welche der Musen ihr um einen Kuss bitten wollt. Und wenn keine so wirklich passen will, müsst ihr euch eben eine eigene Muse suchen, von der ihr euch inspirieren lassen könnt!

















15 Kommentare
Klasse Post.
Zum Glueck habe ich ein schier endloses repertoire an Bildern auf meinem HD
Bis jetzt ist mir eigentlich immer etwas mehr oder weniger interessantes eingefallen, über das ich schreiben könnte. Nur manchmal bräuchte ich die Muse der Motivation.
Danke für “Klio” gestern – sie hat mir auf alle Fälle geholfen, die richtigen Worte zu finden! Manchmal muss man sie suchen, die guten Musen. Aber sie verstecken sich eh nicht, wenn man nach ihnen ruft. :danke:
Ja wirklich guter Beitrag und vor allem informativ. Nicht schlecht.
Und Euterpe hat sich dann immer um die Männer gekümmert???
Da ich von Namenswege (Tha)Lia eine Muse bin, kann ich gerne meine Dienste zur Inspiration anbieten. Über die Bezahlung könnte man diskutieren. Aber ganz gratis ist nicht einmal mehr Inspiration heute. Ich bin Studentin, neben Muse, von irgendwas muss ich ja leben.
@Nicole: Danke!
@Yuki_Keylin: Das mit der Motivation ist natürlich auch eine Sache, die einem oft einen Strich durch die Rechnung macht, kenn ich. ^^
@lexxa: Gerne doch, die gute Klio ist glaube ich auch meine Lieblingsmuse. Da hab ich sie doch gerne mal zu dir rübergeschickt.
@Tobi: Also Tobi, wie kannst du nur!
@Lia: Wie jetzt, du willst Geld für einen harmlosen Kuss haben? Und ich dachte immer die Musen sind denjenigen, die sie mögen, völlig gratis wohlgesonnen.
Auf jeden Fall ein schöner Name, großes Kompliment an deine Eltern!
Mh… Ich habe meine Eltern 10 Jahre für den Namen gehasst. Aber ja… unterdessen kann ich damit leben.
Und wie gesagt… Ich bin Studentin. Das ist eine Entschuldigung für vieles.
@Lia: Also ich finde den Namen wirklich super. Möglicherweise liegt das auch mit an meiner Affinität zu Namen aus antiker Zeit.
Ich bin ja aber auch Student, bekomme ich denn wenigstens einen Studentenrabatt? Sonst kann ich mir den Service wohl nicht leisten.
Ich finds komisch, dass man den eigenen Namen oft nicht mag. Hab schon viele Menschen kennengelernt, die sich über ihren eigenen beschwert haben und einen anderen haben wollen.
Vielleicht liegts an der Gewöhnung. Wenn man es ständig hört und so gerufen wird, wirds langweilig und nervt? Könnte ja sein…
@Yuki: Ach, ich bin mit meinem Namen inzwischen auch zufrieden. Relativ selten und hat einen berühmten römischen Kaiser zum Vorbild.
Wobei mir auch andere schöne Namen gefallen könnten. ^^
@Konna: Ich wurde immer Linda de Mol genannt… Aber wenigstens hat keiner mehr dumme Sprüche gemacht, als ich eine Brille bekommen habe. Manchmal fand ich den Namen auch blöd. Aber eigentlich ist er ganz schön.
Scheint aber, dass ich mit meiner Theorie doch recht habe…
@Yuki Was für ein toller Witz mit Linda de Mol. *Ironie aus* Kommt auch nicht so oft vor der Name, zumindest in meinem Bekanntenkreis, daher find ich ichn auch ganz schön.
Ja, eigentlich ist er eher seltener. Aber mittlerweile werde ich in unserer “Clique” vom Thron gestoßen. Es kam noch eine Linda dazu. Seitdem werd ich Linda-Linda genannt. Ich find das ja eine Unverschämtheit. Schließlich war ich zuerst da… xD
ich hab die griechische mythologie so gern aber die namen sind meist irgendwie nicht so klingend.
@Yuki_Keylin: Oh, der Kommentar war ja noch unbeantwortet, wie peinlich! Und wie wird die andere Linda genannt? Nur Linda?
@Paleica: Darum mag ich Latein auch viel lieber als Altgriechisch. Die Griechen haben mir zu viele “ä”-Laute.
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