Lexxa hat mir in den Kommentaren einer ihrer Beiträge nahe gelegt, ich solle doch mal eine kleine Catull-Übersetzung auf meinem Blog posten. Und das alles nur, weil ich andeutete, dass es bei ihm die größten Schweinereien zu lesen gibt. Aber warum eigentlich nicht? Passt doch eigentlich ganz gut auf mein Blog, schließlich haben sowohl die lateinische Sprache als auch Catull einen deutlichen Bezug zu mir. Ersteres, weil ich es nicht nur studiere, sondern liebe und letzterer, weil ich zur Zeit ein Proseminar belege, das Catull zum Thema hat. Ob ich daraus eine kleine Serie mache oder es bei diesem Eintrag belasse, lasse ich an dieser Stelle mal offen. Bevor ich jedoch den ersten Text bespreche, erst einmal eine kurze Biografie zum Dichter Catull:
Gaius Valerius Catullus, zu deutsch und verkürzt einfach Catull genannt, war ein römischer Dichter, der im 1. Jahrhundert vor Christus gelebt hat. Seine genauen Lebensdaten sind nicht bekannt, als relativ sicher gilt aber, dass er relativ jung, nämlich mit 30 Jahren, gestorben ist. Aufgrund verschiedener Äußerungen in seinen Werken, werden sein Leben auf 84-54 v. Chr. datiert. Er gehörte den Neoterikern (Dichter einer neuen Art) an und im Hause seines Vaters verkehrte sogar Caesar. Seine Familie genoss also durchaus hohes Ansehen in Rom, was sich zum Teil auch aus seinem Werk erkennen lässt. Sein Werk sind 116 Carmina (Plural von Carmen = Gedicht, Gesang), die thematisch grob unterteilt sind in Liebesgedichte, Gedichte über Freunde/Freundschaft und Schmähgedichte.
Der Text
Ich habe mir mal ein Gedicht ausgesucht, das zwar nicht unbedingt durch die Wortwahl provoziert, sich aber ganz hervorragend interpretieren lässt. Das Gute und Schlechte zugleich ist, dass wir den Autor nicht mehr fragen können. So wissen wir nicht, was richtig ist, aber können so viel heruminterpretieren, wie wir wollen. Den Originaltext findet ihr in der latin library erspare ich euch einmal, ich gebe nur meine eigene, freiere (!) Übersetzung an:
Gedicht 2
Sperling, du Vergnügen meines Mädchens,
mit dem sie zu spielen pflegt, den sie an der Brust hält,
dem sie die Fingerspitze gibt, wenn er es verlangt
und den sie zu heftigen Bissen reizt,
jedes mal, wenn es meiner strahlenden Geliebten gefällt,
und mit dem sie es liebt zu scherzen
als kleinen Trost für ihren Schmerz,
damit, glaube ich, die schwere Leidenschaft zur Ruhe kommt:
Könnte ich doch mit dir so wie sie selbst spielen
und die traurigen Sorgen des Herzens lindern!
Interpretationsmöglichkeiten
Es ist unschwer zu erkennen, dass es hier um das Thema Liebe geht. Das lyrische ich, das in der Regel mit Catull gleichgesetzt wird, besingt den kleinen Vogel seiner Geliebten und das Spiel mit seiner Herrin. Diese, vermutet er, hat Liebeskummer und tröstet sich mit dem Sperling. Catull hat auch selbst Liebeskummer, er beobachtet “sein Mädchen” beim Spiel mit dem Vogel und möchte, dass seine “Sorgen des Herzens” gelindert werden.
Ich ahne, dass ihr euch nun fragt, wo die Provokation und das Versaute bleiben. Das kommt jetzt. Es gibt Philologen, die glauben, dass der Sperling ein Synonym für Catulls bestes Stück ist, er also seinen Penis anspricht. Das ändert natürlich einiges macht das ganze Gedicht doch um einiges “anrüchiuger”. Ich überlasse das mal eurer Fantasie, was damit gemeint sein könnte, wenn eine Frau das Glied eines Mannes “zu Bissen reizt”.
Diese Interpretation ist natürlich umstritten, aber dennoch sicherlich irgendwie möglich, wenn man bedenkt, was für deutliche und drastische Worte Catull in einigen seiner Gedichte benutzt. Wie seht ihr das denn, die ihr – ohne euch zu nahe treten zu wollen – wohl größtenteils Laien seid? Spricht euch das an oder findet ihr es befremdlich? Würde mich sehr interessieren, was ihr darüber denkt.

















6 Kommentare
Also mir würdest du mit dem Original nen gefallen tun. Nur mit der Übersetzung macht’s doch nur halb so viel Spaß.
Also ich finde es eigentlich schön, gerade bei diesem Thema so herrlich eindeutig zweideutig zu sein. Und vielleicht war ja das auch so ganz im Sinne des Schöpfers dieses Gedichtes?
@Fischer: Ich hab den Originaltext nun im Text verlinkt, das ist glaube ich ein guter Kompromiss, zumindest bei längeren Gedichten.
@Nicole: Also zuzutrauen wäre es Catull, absichtlich zweideutig zu sein. Könnte also durchaus was dran sein. Aber ändert sich dann nicht vielleicht der ganze Grundton dieses Gedichtes?
Von schmalztriefend zu augenzwinkernd? Nachdem die alten Römer den sinnlichen Freuden bekanntermaßen nicht abgeneigt waren (was vielleicht alles nur böse Klischees sind), ist mir der augenzwinkernde Grundton lieber. Wenn schmalztriefend seine Absicht war, hätte er es sicher eindeutiger machen können
“Und das alles nur, weil ich andeutete, dass es bei ihm die größten Schweinereien zu lesen gibt”
Also also mein Guter! Ich?
Niemals! Da musst du mich wohl verwechselt haben!
Also, ich finde das Gedicht schwer genial.
Und mal ehrlich – die hatten doch früher ebenso “versaute” Gedanken wie unsereins heute.
Let’s call it the Playboy of the ancient rome!
:whip:
Mehr davon bitte!
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