Verschmelzung von Musik und Gaming | Lisa Miskovsky – Still Alive
Trotz des hohen wirtschaftlichen Potentials werden Computerspiele noch immer als eher zweitrangiges Unterhaltungsmedium behandelt oder gar im Zuge der Killerspiel- und Suchtdebatte als gefährlich eingestuft. Filme und Musik hingegen sind allgemein akzeptierte Unterhaltungsmedien und haben daher auch einen dementsprechend höheren Wirkungskreis.
Sowohl Musik als auch Filme bedienen sich schon länger bei Computer- und Videospielen und nutzen diese zu Marketingzwecken, etwa indem Spiele zu Filmen entwickelt werden oder bestimmte Songs in Spielesoundtracks auftauchen. Den anderen Weg kennt man bisher hauptsächlich nur von Filmen, doch sind Verfilmungen von Videospielen noch ein recht junges Genre und immer noch nicht wirklich ausgereift, richtig große Erfolge sind solchen Filmen bisher eher verwehrt geblieben.
Electronic Arts bestreitet nun mit seinem Spiel Mirror’s Edge denselben Weg auch mit der Musik. Natürlich gibt es Spielesoundtracks schon seit geraumer Zeit, aber extra für ein Computerspiel ein Song geschrieben und produziert wird, das ist schon sehr ungewöhnlich. Doch hat EA die Songschreiber Rami Yacoub und Arnthor Birgisson, die unter anderem mit Songs für Pink, Britney Spears oder Kelis schon an der Spitze der Charts waren engagiert und den Song von der schwedischebn Pop/Rock-Sängerin Lisa Miskovsky performen lassen. Die Single wird sogar in den Handel kommen und diverse Remixe enthalten, etwa von Paul van Dyk und Benni Benassi, die für ihre Remixe bekannt sind.
Steve Schnur, Worldwide Executiv of Music and Marketing von EA sagte folgendes:
“Zu einem bahnbrechenden Videospiel gehört auch ein ebenso atemberaubender Titelsong. Mit diesem Track haben wir innovative Wege in der Präsentation neuer Musik beschritten. Wir haben einige der Top-Remixer der Welt zusammengebracht und mit ihnen ein Album erstellt, das Genre-Grenzen überschreitet.” [via xboxdynasty.de]
Sogar ein Video zum Song wurde gedreht, das sich optisch sehr stark an der Spielvorlage orientiert. Je nach Erfolg des Songs und des Spiels dürfte dieser Schritt wegweisend für Marketingstrategien zukünftiger Spiele sein. Und je mehr sich Computerspiele in den Mainstream-Unterhaltungsmedien ausbreiten, umso größer wird die Akzeptanz werden. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich das entwickeln wird.
Zum Schluss noch den Song und das Video in voller Länge:


6 Kommentare
beetFreeQ - 28.11.2008 at 18:46
Naja, so neu ist die Idee, einen Song direkt zu einem Spiel zu schreiben, nicht! Vor allem in Japan ist es teilweise gang und gebe, dass Songs zu Spielen veröffentlicht werden – und zwar nicht nur die orchestralen Soundtracks. Aber auch in westlichen Spielen kommt das vor – der Soundtrack zu Command & Conquer war damals ziemlich erfolgreich und hatte auch einzelne, gut rockende Songs.
Aber so groß vermarktet wurde sowas sicher noch nicht – da ist Mirror’s Edge Pionier. Und ich bin mir relativ sicher, dass das Beispiel Schule machen wird!
Konna - 29.11.2008 at 2:32
@beetFreeQ: Klar wurden schon Songs für Spiele geschrieben und manche Soundtracks (man denke da zum Beispiel an Final Fantasy) sind auch kommerziell extrem erfolgreich geworden. Den Soundtrack zu Command & Conquer ist seinerzeit aber wohl an mir vorbeigegangen. Und die Songs wurden direkt für das Spiel geschrieben und nicht einfach zusammengestellt (etwa wie bei NfS Underground und Konsorten)? Dann muss ich da definitiv mal reinhören. Aber so richtige Musikvideos gabs nicht dazu, oder?
Auf jeden Fall find ich den Weg, den EA mit Mirror’s Edge beschreitet, sehr gut. Jetzt mal ohne die Qualität des Songs zu bewerten, eigentlich kann das nur gut für die Computerspielbranche sein, in diesen Bereich vorzudringen. Darum hoffe ich, dass du Recht behältst und das wirklich Schule macht.
DigiTalk - 29.11.2008 at 8:40
Prinzipiell ist es mir bei Musik egal, wofür sie geschrieben wurde – sie muss mir gefallen.
Gerade gesttern habe ich erfahren, dass eins meiner Lieblingslieder (My Immortal von Evanescence) aus einem Filmsoundtrack stammt – und von dem Film (Dare Devil) hatte ich noch nie etwas gehört.
Mit diesem Lied wäre es mir sicher ähnlich ergangen, wenn ich es ohne deinen Beitrag kennen gelernt hätte, denn das Lied selbst gefällt mir ausserordentlich gut. Auch das Video finde ich von der Machart her schön.
Zum Spielen habe ich sowieso irgendwie nie Zeit
beetFreeQ - 30.11.2008 at 18:09
@Konna – ne, von Videos ist mir da nix bekannt. Die Songs sind aber von Frank Klepacki wirklich speziell für’s Spiel geschrieben worden. Die Musik könnte dir sogar ziemlich gut gefallen – ist ne Mischung aus Rock und Electro. Hab aber grad gesehen, das die CDs wohl nur online zu kaufen waren bzw. Collector’s Edtitions beilagen. Erfolgreich waren sie aber trotzdem. Auf der Website des Komponisten kann man übrigens in viele der Songs reinhören!
Konna - 30.11.2008 at 20:59
@DigiTalk: Prinzipiell ist es mir auch egal, wofür die Musik geschrieben wurde, aber da das in diesem Fall aus meiner Sicht etwas besonderes (und positiv) ist, wollte ich das hervorheben.
Also wenn du Dare Devil nicht kennst, hast du auch wirklich nichts verpasst. Totaler Murks.
Und je öfter ich das Lied höre, desto tiefer gehts ins Ohr rein, irgendwie.
@beetFreeQ: Danke für den Hinweis, werd ich mal reinhören! Frank Klepacki sagte mir gar nichts, der ist aber darüber hinaus noch nicht bekannt gewesen, oder? Lisa Miskovsky hat soweit ich weiß für eines ihrer Alben schon Platin bekommen, ist also kein ganz unbeschriebenes Blatt mehr.
beetfreeq - 01.12.2008 at 17:10
@Konna: Ne, da hat sie dem Frank was voraus. Der hat zwar wohl auch schon ein paar Awards bekommen, aber eher für typische Videospiel-Musik. Der hat z.B. auch den Soundtrack zu “Star Wars – Empire At War” und so geschrieben. Ein Großteil seiner Musik kommt aber ziemlich cheesy rüber, wenn ich mir das auf seiner pinken Website so anhöre
– aber die C&C-Stücke wecken schon noch schöne Erinnerungen an tagelange LAN-Sessions mit den ersten beiden C&C-Spielen damals…
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