Oh besinnliche Weihnachtszeit. Ich kann es nicht mehr hören. Es scheint, als schrumpfe das menschliche Gehirn vor Weihnachten auf die Grösse einer Olive, so dass nur noch Platz für ein Thema bleibt. Weihnachten und ihre langweiligen Accessoires. Kerzen ziehen, Geschenke kaufen, Kekse backen. Grässlich.
Aus Protest gegen die Verkümmerung des Denkens im Advent, schreibe ich meinen Gastbeitrag zu einem ganz anderen Thema. Und es ist nicht einmal besinnlich: Murphy’s Law oder „es lebe der Pessimismus“.
Heute wird als Murphys Gesetz meistens folgendes zitiert: If anything can go wrong, it will. (Wenn etwas schief gehen kann, wird es dies auch.) Bester Beweis dafür: Das Butterbrot, das immer mit der butterbestrichenen Seite nach unten auf dem Boden landet.
Die ursprüngliche Formulierung von Murphys Gesetz lautete aber anders: If there’s more than one possible outcome of a job or task, and one of those outcomes will result in disaster or an undesirable consequence, then somebody will do it that way. (Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.)
Diese Aussage machte - so wird behauptet – der Ingenieur Edward A. Murphy zum ersten Mal während eines Versuchs auf dem kalifornischen Testgelände der Air Force. Er führte dort einen Versuch durch, um herauszufinden, wie viel Beschleunigung der menschliche Körper erträgt. Um dafür Daten zu erhalten, mussten Messsensoren an einer Testperson befestigt werden. Murphys Assistent brachte es fertig, von den zwei möglichen Arten, wie man sie befestigen konnte, die falsche zu wählen. Das Resultat: Der Versuch musste wiederholt werden, da keiner der Sensoren funktionierte. Aufgebracht über seinen Assistenten machte Murphy die Aussage, welche den Grundstein für sein Gesetz legte.
Manch einer mag behaupten Murphy wäre einfach ein verbitterter Pessimist. All jene, sollten sich eines besseren überzeugen lassen, wenn sie jetzt lesen, dass es für Murphys Gesetz durchaus Anwendungsbereiche gibt. Nämlich als analytischer Massstab für Fehlervermeidungsstrategien zum Beispiel in der Informatik oder der Qualitätssicherung. Experten überlegen sich dabei, was der Anwender bei einer eigentlich simplen und fast nicht falschmachbaren Handlung, alles falsch machen könnte, zum Beispiel beim Einlegen einer CD. Die Wissenschaftler dachten sich, und behielten wohl auch Recht, dass es immer wieder Menschen geben wird, welche versuchen die CD falsch herum einzulegen, deshalb musste das Laufwerk so konstruiert werden, dass der CD auch dann nichts geschieht.
Im Alltag wird es – so glaube ich und so glaubte bestimmt auch Murphy – Idioten geben, die es selbst dann noch schaffen die CD auf irgendeine andere Weise einzulegen, damit sie trotzdem Schaden nimmt. Der Idiot ist in seinem Bereich wohl immer der größere Experte, als der Experte der versucht wie der Idiot zu denken.
Aber zurück zu Murphys Gesetz, respektiv zu der Anwendung seines Gesetzes zur Weihnachtszeit. Wenn ihr beim Weihnachtsessen am 24. Dezember, zwischen zwei Bissen Entercôte auf einmal einen komischen Geruch in der Nase wahrnehmt, euch umdreht und feststellt, dass der Weihnachtsbaum lichterloh brennt, dann wisst ihr nun wieso. Alles was schief gehen kann, geht schief.
Frohe Weihnachten.


















11 Kommentare
Erst einmal vielen lieben Dank für den schönen Gastbeitrag, Lia!
Als positiv denkender Mensch komme ich bei Murphys Gesetz in einen gewissen Konflikt, denn eigentlich möchte ich natürlich davon ausgehen, dass eben nicht alles schief geht, was auch schief gehen kann. Okay, das tut es auch nicht immer, aber es passiert.
Wenn man das ganze Zitat von Murphy nimmt, wird für mich aber deutlich, dass er kein Pessimist ist und seine Aussage auch nicht pessimistisch ist, schließlich sagt er ja nicht, dass jeder es auf die falsche Art und Weise tun wird, sondern nur “irgendwer”.
Und dafür bin ich dann doch genug Realist, um zu wissen, dass es auch dumme oder ungeschickte Menschen gibt.
Lach… Der Beitrag auf Konnas Blog? Sehr genial muss ich schon sagen! Konna der Realist und Optimist mit einem pessimistischem Beitrag – ich finds gut…
Ich glaub das ist eines meiner Lieblingsthemen über das ich mit Konna diskutier
Nur bleiben wir beide meist bei unserem Standpunkt
Schöner Beitrag!!!
@zitrone: Ja, irgendwie scheint das das Thema zu sein, bei dem ich mit den wenigsten Leuten auf einen gemeinsamen Nenner komme. Ein Glück, dass ich nicht müde werde, meinen Standpunkt zu verteidigen.
Ich habe auch zu schnell mit lesen begonnen – und konnte es anfangs nicht glauben! Konna hat die Nase voll von der besinnlichen Weihnachtszeit?? Aber nein, es ist der Gastautor.
Ich bin zwar auch nicht jemand, der unbedingt an Murphy’s Gesetze glaubt, aber die Einstellung zur Weihnachtszeit kann ich der lieben Lia nur allzu gut nachempfinden!
Schöner Beitrag – bissig, das mag ich!
NAja, so ab und an hast du ja bei mir Erfolg
Bin also noch belehrbar… Wenn das Leben nicht über all Schluchten hätte :/
@lexxa: Ja, vielleicht hätte ich doch eine Einleitung oder das Logo hinzufügen sollen, aber ich wollte den Beitrag mit meinem Gequassel nicht zerstören.
Lia freut sich sicher, dass ihr Beitrag gut ankommt.
@zitrone: Hach, das höre ich gerne. Aber selbst wenn nicht, ich würde nicht aufgeben, bis du die Welt wenigstens ein bisschen freundlicher siehst, trotz ihrer Schluchten.
klasse beitrag lia, der eigentliche wortlaut des gesetzes war mir bekannt, seine anwendung so praktisch darzulegen ist dir klasse gelungen!
und ja konna, ich oute mich, ich bin pessimist und lese hier trotzdem
Freundlich? Fröhlich? Besinnlcih? …
Ja, vielleicht im Paradies, aber das kommt erst später – wenn überhaupt.
Aber du hast ja recht ab und an erlebt man Momente, die so sind als wäre man im Paradies!
@tobi: Naja, ich hoffe doch, dass ich nicht den Eindruck erwecke, dass hier Pessimisten nicht erwünscht sind oder ich mit meinem Optimismus alle anderen vertreibe!
Manchmal habe ich sogar ein wenig das Gefühl, dass gerade Pessimisten ganz gerne mal bei mir vorbeischauen. Vielleicht ein bisschen positive Energie tanken – mich würds freuen.
@zitrone: Der Weg zum Paradies ist sicher nicht leicht, aber die Steine und Hürden verschwinden noch. Ganz sicher, du musst nur auf dem Weg bleiben und den Blick aufs Ziel richten.
Nööö… die Steine und Hürden verschwinden gaaar nicht. Aber man wächst und kann sie dann leichter übersteigen
So… endllich meldet sich auch die Autorin. War einige Tagen im Schnee und hatte nur sehr begrenzten Internetzugang. Es freut mich, dass der Beitrag gut ankommt, besonders bei Konnas Leser, die sich an positiveres gewöhnt sind.
@zitrone Da geht es mir ähnlich wie dir. Diese Diskussion musste sich Konna auch schon mit mir über sich ergehen lassen. Anscheinend bin ich nicht die einzige, die ihn vom Gegenteil zu “überzeugen” versucht. Frage mich wie er da immer noch so positiv bleiben kann.
@lexxa Ich bin nunmal einfach kein Weihnachtsmensch. Dazu stehe ich. Und danke für das Kompliment. Hatte am Anfang befürchtet er sei für die Gedankendeponie fast etwas zu bissig und negativ. War dann beruhigt, als er Konna gefiel.
@tobi Vielen Dank. Ich bin in einem amerikanischen Fantasyroman, das erste mal auf das Gesetz gestossen. Mir als Hobby-Pessimist hat es gefallen. Alle zusätzliche Infotmationen musste ich auch für den Beitrag recherchieren.
last but not least:
@Konna Vielen Dank, dass ich bei dir schreiben durfte, ohne jegliche Einschänkungen. Auch wenn ich kein Optimist bin, finde ich Murphys Gesetz zu negativ. Das alles schief geht, glaube auch ich nicht, finde die zweite Formulierung sprich die ursprüngliche bedeutend zutreffender.
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