Filmriss: Der Tag, an dem die Erde stillstand

Warum gibt es eigentlich kaum noch richtige Hollywood Blockbuster, in denen Außerirdische auf die Erde kommen und die Menschheit dem Untergang geweiht ist? Das hat sich wohl auch Regisseur Scott Derrickson gedacht und sich an ein Remake des Films “Der Tag, an dem die Erde still stand” von 1951 gemacht. Den hat er allerdings nicht nur kopiert und in ein modernes Gewand verpackt, sondern auch einige sinnvolle Änderungen mit eingebaut und die Thematik leicht verändert, sodass sie der heutigen Zeit, fast 60 Jahre später, auch angemessen ist. Das allein macht aber einen Film noch nicht unbedingt sehenswert, aber immerhin stimmen die Voraussetzungen.

Der Tag, an dem die Erde stillstandZur Story: Die Wissenschaftlerin Dr. Helen Benson wird eines Tages ganz plötzlich von Beamten der Regierung in ihrem Haus aufgesucht und mehr oder weniger dazu überredet, mitzukommen. Sie wird zu einer Gruppe weiterer Forscher gebracht, die allesamt rätseln, was denn los sei. Auf einem Militärstützpunkt werden die Wissenschaftler dann darüber aufgeklärt, dass sich ein unbekanntes Flugobjekt der Erde mit rasender Geschwindigkeit nähert und in Kürze einzuschlagen droht. Nachdem alle Abwehrversuche gescheitert sind, erwarten sie einen gigantischen Einschlag, doch dieser findet nicht statt. Denn was für einen Asteroiden oder etwas Ähnliches gehalten wurde, ist in Wirklichkeit eine Art Raumschiff, das mitten in Manhatten landet. Hinaus steigt der Außerirdische Klaatu, der der Menschheit ihr baldiges, unaufhaltsames Ende verkünden will…

Endlich mal wieder ein klassischer Film der Marke “die Außerirdischen kommen und der Menschheit geht es an den Kragen”, dachte ich mir, als ich zum ersten Mal von dem Film hörte. Und tatsächlich fängt “Der Tag, an dem die Erde stillstand” auch sehr gut an: Nachdem das Raumschiff gelandet ist, läuft erstmal das Militär auf und stößt schnell an seine Grenzen. Das macht viel Spaß. Solche Szenen kommen auch immer mal wieder kurz vor, die meiste Zeit über ist der Film relativ arm an Action und Effekten. Stattdessen wird eher eine sehr aktuelle und reale Problematik thematisiert, nämlich der seine Umwelt und seinen Planeten zerstörende Mensch. Auch das ist interessant anzusehen und durchaus unterhaltsam. Die Schwächen des Films liegen woanders: Von einigen Logiklücken und Schleichwerbung in starkem Maße abgesehen, hapert es gegen Ende und vor allem am zentralen Wendepunkt der Geschichte an der Dramaturgie. Der Grund für den Gesinnungswandel Klaatus ist einfach nicht überzeugend und mach viel kaputt. Das Finale ist dann auch zu schnell vorbei und wird der aufgebauten Atmosphäre leider nicht ganz gerecht.

Keanu Reeves (“Matrix“) hinterlässt als Außerirdischer Klaatu durchaus einen glaubwürdigen Eindruck. Wenn man sonst bemängelt, dass zu wenig Ausdruck beim Spiel rüberkommt, so muss man Reeves an dieser Stelle dafür loben. Über eine lange Zeit des Films ist man als Zuschauer nicht sicher, wie man den außerirdischen Besucher einordnen soll, so geheimnisvoll wirkt sein Auftritt. Emotional näher ist einem dafür die Figur der Helen Benson, die mit Jennifer Connelly (“Blood Diamond“) sehr gut besetzt ist. Jaden Smith (“Das Streben nach Glück“), der Sohn von Will Smith, ist allerdings ein Totalausfall und nervt nur.

Fazit: Wenn man nicht mit falschen Erwartungen an den Film herangeht, weiß “Der Tag, an dem die Erde still stand” durchaus zu unterhalten. Es gibt keine übermäßige Effektorgie und nur wenig Science Fiction, dafür aber eine umso aktuellere Thematik und viel Stoff zum Nachdenken. Die Macken und Fehler, die der Film aufweist, kann man fast alle verzeihen, ohne dass der Gesamteindruck zu sehr leiden muss. Kein Film, den man immer wieder gucken kann, aber für einmal durchaus lohnenswert. Langweilig ist der Streifen jedenfalls nicht.

Meine Wertung: 6/10

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6 Kommentare

  1. Casi says:

    Hut ab, Konna – triffst mit der Kritik zumindest meinen Nerv haargenau :) Fand den Film auch durchaus okay, aber eben auch nicht überragend. Mit Sicherheit jedoch ist er viel besser als die teilweise vernichtenden Kritiken im Netz einem weismachen möchten. Sooo toll ist das tausend Jahre alte Original nämlich auch nicht – man sollte sich vielleicht mal von dem Irrglauben verabschieden, dass uralte Originale zwangsläufig Kult sein müssen ;)

  2. jakob says:

    Was haben denn Außerirdische mit aktueller Thematik zu tun? ;)

  3. Konna says:

    @Casi: Danke, freut mich, dass ich deinen Nerv getroffen habe. :)

    @jakob: Das habe ich doch erwähnt, kam das nicht deutlich genug raus? ;)

    “Stattdessen wird eher eine sehr aktuelle und reale Problematik thematisiert, nämlich der seine Umwelt und seinen Planeten zerstörende Mensch.

    Hat da etwa jemand nur das Fazit gelesen? :mrgreen:

  4. jakob says:

    Erwischt. :mrgreen: Nach diversen Verrissen und entsetzten Berichten aus dem Freundeskreis wollte ich eigentlich nur wissen, was du von dem Film hälst und habe tatsächlich nur das Fazit gelesen. ;)

  5. Ecki says:

    Da ich leider in der letzten Zeit nicht ins Kino komme, kann ich nicht darüber urteilen. dennoch gefällt mir deine Filmkritik. Irgendwie muss ich mir den Film schon mal ansehen. Nun habe ich ja viel darpber gelesen und gehört. Und jeder sagt das es der Film momentan ist! Danke für diesen Bericht!

  6. Konna says:

    @jakob: Und ich war erst erschrocken, weil das ein ziemlicher Fauxpas gewesen wäre, das nicht zu erwähnen. Gut, dass ich es gemacht habe. :D

    @Ecki: Den muss man nicht im Kino schauen, eine Sichtung auf DVD reicht vollkommen aus, denke ich. Wenn du Filme dieser Art magst, wirst du sicher einen unterhaltsamen Abend haben. :)

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