Wer aufmerksam mein Blog liest oder meinen Twitterstream verfolgt weiß, dass ich zu Beginn des Monats ein zweiwöchiges Praktikum am Gymnasium absolviert habe. Wie es der Zufall so wollte – Studenten haben da ja kein großartiges Mitspracherecht – bin ich an meiner alten Schule gelanden, auf der ich mein Abi gemacht habe. Und als ob das nicht genug des Zufalls gewesen wäre, wurden mir auch noch meine beiden Leistungskurslehrerinnen als Mentorinnen zugewiesen. Die Umgebung war mir also schon recht vertraut, was sich letztlich dann auch als recht vorteilhaft herausgestellt hat – so konnte ich mich viel mehr auf meinen Unterricht konzentrieren und musste nicht erst alles kennenlernen.
Gute Voraussetzungen
Zunächst hatte ich ja befürchtet, dass ich als ehemaliger Schüler auch eben so von meinen Mentorinnen behandelt werden würde, aber das war erfreulicherweise überhaupt nicht so. Klar, man hat sich schon in den Pausen über die alte Zeit unterhalten, aber im Grunde wurde ich eher wie ein zukünftiger Kollege behandelt und vom gesamten Kollegium, dass seit meines Abiturs doch so einige Veränderungen erfahren hatte, freundlich aufgenommen. Nicht nur meine Mentorinnen versorgten mich mit ausreichend Material und Informationen, auch andere Lehrer kamen auf mich zu und boten mir an, bei denen mal zuzuschauen. War echt klasse!
Mein Unterricht
Besonders gespannt war ich natürlich auf meinen eigenen Unterricht, jeder Praktikant soll in jedem seiner Fächer nämlich mindestens eine Stunde selbst vorbereiten und auch abhalten. Insgesamt habe ich in einer 6. Klasse eine Doppelstunde Geschichte zum Thema Demokratie im antiken Athen und in Latein ein paar mehr Stunden gegeben, drei im Grundkurs des 13. Jahrgangs, eine, bei der ich den Grund- und Leistungskurs gemeinsam unterrichtet habe und eine Stunde im Leistungskurs, in der ich über das Lateinstudium informierte.
Geschichte…
Die Doppelstunde Geschichte mit den Kleinen war richtig super und hat offensichtlich nicht nur mir Spaß gemacht. Die Kinder sind voll mitgegangen und haben alles, was ich von ihnen wollte, ganz toll gemeistert. Wir bzw. besser gesagt die Schüler haben ein Rollenspiel durchgeführt und herausbekommen, dass in der athenischen Demokratie nur ein kleiner Teil der Menschen das Sagen hatte – nämlich nur die männlichen Bürger mit Bürgerrecht. Arbeitsblätter, Tafelbild, Vorlesen, Schema ausfüllen – alles hat wunderbar geklappt und auch zeitlich lief alles perfekt nach meinen Vorstellungen ab.
… und Latein
In Latein war es zunächst etwas schwieriger. Der Grundkurs war sehr klein und es fehlten oft Schüler wegen Abiturprüfungen. Aber dennoch haben wir uns einen Text aus Ciceros de re publica vorgenommen und sind auch dazu gekommen, ihn zu übersetzen und inhaltlich zu besprechen. Eine sehr lebhafte Diskussion über die eigenschaften eines guten Staatsmannes und das Wesen von Tugend bildeten den Schluss der kleinen Einheit, die ich leiten durfte. In der Stunde mit dem kombinierten Grund- und Leistungskurs habe ich mit den Schülern Stilübungen gemacht, also von Deutschen ins Lateinische übersetzt, was so im Lehrplan gar nicht mehr vorgesehen ist – war also für die Schüler das erste Mal. Dafür lief es aber wirklich überraschend gut, das hätte ich so nicht erwartet.
Beobachtungen
Ein sehr interessanter Aspekt war eigentlich, dass die Schüler im 13. Jahrgang ja nur unwensentlich jünger sind als ich. Dennoch habe ich den Umgang, glaube ich, ganz gut hinbekommen. Hab denen einfach gleich das Du angeboten und dann lief das Unterrichtsgespräch auch ganz gut. Zu Beginn der Stunden war ich zwar etwas aufgeregt, aber ich denke, dass das wohl ganz normal ist bei den ersten Versuchen. Und nach einiger Zeit ging es auch wie von selbst. Dass ich nicht allzu viel falsch gemacht habe, lassen auch die Beurteilungen meiner Mentorinnen erkennen, die so positiv ausgefallen sind, dass es mir fast unangenehm ist – so viel Lob hatte ich meiner Ansicht nach gar nicht verdient.
Fazit
Was lässt sich also abschließend sagen? Mir hat das Praktikum wirklich sehr viel Spaß gemacht. Es war zwar auch sehr anstrengend – wie man an meiner Netzabwesenheit sicher gemerkt hat – und auch die Vorbereitungen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch, sodass ich am Abend dann auch wirklich total erledigt war. Aber die guten Erfahrungen, die ich in diesem Praktikum gemacht habe, haben mich deutlich in meinem Berufswunsch bestärkt. Da das bei meinem ersten Praktikum (in der Grundschule) genauso war, denke ich, dass ich mich richtig entschieden habe, Lehrer zu werden. Und so eine Bestätigung ist natürlich auch nochmal eine zusätzliche Motivation. Hoffentlich bleibt mir die noch eine Weile erhalten!

















10 Kommentare
Hört sich so an, als hättest du motivierte Schüler gehabt. Das wäre bei uns glaube ich nicht so. Und das Du hat uns auch noch nie ein Praktikant angeboten, dabei hatten wir schon so oft welche.
Aber es freut mich, dass es so gut gelaufen ist
In der Stunde mit dem kombinierten Grund- und Leistungskurs habe ich mit den Schülern Stilübungen gemacht, also von Deutschen ins Lateinische übersetzt
Dafür würde ich dich als Schüler hassen.
Ansonsten scheint das doch gut gelaufen zu sein. Motivierte Lehrer braucht das Land.
Na, das klingt doch nach einem traumhaften Praktikum!! Freut mich für Dich, dass Du so viel Spaß hattest
Und auch Deinen Erfolg für die Mühen ernten konntest.
@Jenny: Ja, also ich musste zwar ein paar mal nachhelfen bei manchen, aber dann kam die Motivation. Hättest du es denn gut gefunden, wenn ein Praktikant euch das Du angeboten hätte? Würd mich mal interessieren, daraus kann ich dann ja vielleicht schließen, ob ichs richtig oder falsch gemacht habe.
@jakob: Wieso denn hassen? Das war auch ganz locker und einfach mal so zum Ausprobieren, wurde eigentlich ganz gut von den Schülern angenommen.
@Hikari: Ja, war wirklich ein tolles Praktikum, am liebsten hätte ich sofort als Lehrer angefangen.
Doch das Du fände ich schon in Ordnung, da ja eigentlich kaum ein Altersunterschied herrscht. Aber so wie ich das mitbekommen habe, wurde das unseren Praktikaten “verboten”. Eigentlich schade. Ich finde es gut, wenn der Praktikant sowas selbst entscheiden dürfte.
@Jenny: Komisch, dass denen das verboten wurde. Mir wurde dazu gar nichts gesagt, ich hab das einfach gemacht, war sowieso allein in dem Kurs ohne Aufsicht.
Ja? Bei uns sitzt immer der eigentliche Lehrer im Zimmer und macht Notizen. Alleine darf nie einer unterrichten
@Jenny: Ist normalerweise auch so vorgesehen, aber meine Mentorin meinte, dass das nichts macht, zumal es ein kombinierter Grund- und Leistungskurs war… da passte es ganz gut, dass ich die Grundkurs-Leute übernehmen konnte.
Das macht mir doch glatt Hoffnungen für das Praktikum, welches mir im Sommer bevorsteht!
@Sonja: Oh, du machst im Sommer auch ein Praktikum? Also wenn du Spaß an deinen Fächern hast, wirst du da sicher sehr viel Freude haben.
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