Ein Aspekt, der als Vorteil von Serien gegenüber Filmen immer wieder genannt wird, ist die Möglichkeit, die Entwicklung der Figuren über einen viel längeren Zeitraum beobachten zu können und eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Das trifft im besonderen Maße auch auf die HBO-Serie Six Feet Under zu, die vom Leben der Bestatterfamilie Fisher handelt. Die mit zahlreichen Auszeichnungen hochgelobte Serie begleitet ihre Figuren in einer Umgebung, die für die meisten Menschen absolut unbehaglich sein dürfte und in der der Tod immer gegenwärtig ist.
Als der Bestattungsunternehmer und Familienvater Nathaniel Fisher an Heiligabend seinen Sohn Nate vom Flughafen abholen will, kommt er bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Das nach außen hin heile Familienbild gerät völlig aus den Fugen. Nate erbt die Hälfte des Bestattungsinstitutes, obwohl er damit überhaupt nichts zu tun haben möchte, sein Bruder David, der bisher immer mit seinem Vater das Geschäft leitete, ist damit überhaupt nicht einverstanden, doch müssen sich die beiden arrangieren. Die Familie Fisher beginnt erst jetzt, sich selbst wirklich kennenzulernen: Mutter Ruth gesteht der Familie, einen Liebhaber zu haben, Tochter Claire macht erste Erfahrungen mit Drogen, David muss lernen zu seiner Homosexualität zu stehen und Nate hat eine neue Beziehung. Erschwerend hinzu kommt, dass eine große Bestatterkette das Familienunternehmen aufkaufen will und dabei mit allerhand fiesen Tricks dabei vorgeht.
Schon während der ersten Folge merkt man: Diese Serie ist etwas ganz Besonderes. Der Tod, für viele Menschen ein Tabuthema, wird hier fast zum Alltag gemacht. Damit muss man erst einmal klar kommen. Wenn man die trauernde, völlig unverhofft vom Tod des Familienvaters getroffene Familie Fisher sieht, gerät man unweigerlich ins Grübeln und beginnt, sich Fragen zu stellen. Wie würde ich selbst reagieren, wenn plötzlich ein für mich wichtiger Mensch sterben würde? Wie würde mein Leben dann aussehen? Man fragt sich und beobachtet das Handeln der Fishers, die durch ihr Leid sehr schnell eine große Sympathie beim Zuschauer wecken.
Und während man weiter beobachtet und auch die weiteren Folgen sieht, erkennt man, wie langsam aber sicher das Leben weitergeht, trotz oder vielleicht auch wegen aller persönlichen Probleme der Fishers. Nicht selten wird man trotz des Todesthemas auch lachen können, die Serie ist durchzogen mit reichlich schwarzem Humor, der zu keiner Zeit aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil hilft er vielmehr die Serie zu dem zu machen, was sie ist: Keine Sicht auf den Tod, sondern eine Parabel auf das Leben. Wir müssen alle irgendwann sterben, deshalb sollten wir das Beste aus unserem Leben machen.
Der Cast trägt seinen Teil zur Qualität der Serie bei. Ausnahmslos alle Darsteller wirken absolut authentisch. Ob die Brüder Nate und David, gespielt von Peter Krause und Michael C. Hall (“Dexter“), die unterschiedlicher nicht sein könnten, deren von Lauren Ambrose dargestellte, pubertierende Schwester Claire oder ihre verklemmte Mutter Ruth, hervorragend gespielt von Frances Conroy – alle Figuren bekommen durch ihre Darsteller das gewisse Etwas und ziehen die Sympathien auf ihre Seite. Lobend sei auch noch der Soundtrack der Serie erwähnt, der besser gewählt nicht sein könnte.
Fazit: Die erste Staffel von Six Feet Under überzeugt vollkommen. Schon mit der ersten Folge wird man als Zuschauer emotional in die Handlung hinengezogen und nicht mehr losgelassen. Wer bereit ist, in sein Innerstes zu blicken und sich mit Leben und Tod auseinanderzusetzen und wer schwarzen Humor mag, der wird mit dieser Serie auf keinen Fall enttäuscht werden. Uneingeschränkte Empfehlung.
Meine Wertung: 9/10
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Six Feet Under in der IMDB
Filmriss: Six Feet Under (Season Two)
Filmriss: Six Feet Under (Season Three)
Filmriss: Six Feet Under (Season Four)
Filmriss: Six Feet Under (Season Five)
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17 Kommentare
Konna, bitte nicht immer so tolle Beschreibungen von noch tolleren Serien schreiben! Ich komm ja gar nicht hinterher
Aber jetzt weiß ich, woher ich den Namen Peter Krause kenne, der in Dirty Sexy Money die Hauptrolle spielt (das angeblich eine Mischung aus Denver Clan und Six Feet Under sein soll).
Six Feet Under ist abschgeschlossen, oder?
@juliaL49: Ich bin aber so begeistert und diese Begeisterung muss ich doch auch zu virtuellem Papier bringen.
Die Serie ist abgeschlossen ja, fünf Staffeln gibt es und inzwischen auch recht günstige Komplettboxen. Unbedingt zugreifen!
Hab ich doch gleich gesagt …
@YellowLed: Ja, du hast ja Recht. Danke, dass du es mir so penetrant empfohlen hast. :notworthy:
Klingt toll. Ich werde mich mit dieser Serie auf meinen Lieblingsberufswunsch “Bestatter” vorbereiten!
@Jenny: Tatsächlich? Wie kommst du denn dazu?
Die Serie ist doch schon einige Jahre alt…
Wie kommst du denn ausgerechnet jetzt darauf???
Hm, keine Ahnung … Ich finde es interessant einfach. Aber eins nach dem anderen, bin ja noch vierzig Jahre mit arbeiten beschäftigt. Da muss man variieren.
@direkteingabe: Das stimmt, aber ich bin erst jetzt wirklich drauf gestoßen bzw. hat sie vorher mein Interesse nicht geweckt. An der Qualität ändert das ja nichts.
@Jenny: Also wenn das so ist wie in der Serie, dann wäre das sicher kein Beruf für mich. Aber warum nicht?
die serie ist genial, hab sie “damals” immer dienstags abends gesehen, im deutschen tv. und war begeistert!
wenns die komplettbox inzwischen wirklich günstig gibt wäre das ja mal ne idee die damit englisch zu sehen – danke für die idee konna!
@tobi: Kein Problem. Ich habe die Genialität der Serie leider erst jetzt entdeckt. Aber besser spät als nie. Bin auch immer schön fleißig am Schauen.
Stimmt. Wir haben sie auch vor ein paar Jahren (nachdem sie schon eine ganze Weile lief) “entdeckt”.
Habe mich nur gefragt, wie du halt so lange danach darüber gestolpert bist.
Bin ja auch immer auf der Suche nach neuen (im Sinne von “Habe ich noch nicht gesehen”) Serien…
@direkteingabe: Naja, direkt aufmerksam geworden bin ich dadurch, dass ich auf die Komplettbox gestoßen bin – mag solche Teile ja unglaublich gern.
Wenn du immer auf der Suche nach Serien bist, empfehle ich dir die Sopranos, wenn du die noch nicht gesehen hast. Ist wie Six Feet Under von HBO und einfach nur mehr als genial.
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