Gedankenmüll zum Wochenende: Vertrauen vs. Naivität

Schon wieder habe ich meine Gedankenmüll-Kategorie sträflich vernachlässigt, aber warum schreiben, wenn es nichts zu berichten gibt? Nun ja, ich habe ja immer noch vorlesungsfreie Zeit, habe aber noch genug mit meinen Hausarbeiten zu tun. Die erste ist fertig, die zweite begonnen, ich bin im Prinzip im Soll. Zeit, sich mal wieder Gedanken zu machen und sie hier in die Deponie zu werfen. Naivität und Vertrauen sind die beiden Begriffe, um die es gehen soll.

Es gibt zig Situationen, in denen man sich entscheiden muss, ob man sein Vertrauen schenkt oder nicht. In der Politik, im Beruf, im Persönlichen. Welche Partei bekommt mein Vertrauen und somit meine Stimme? Traue ich meinen Kollegen oder Angestellten auf der Arbeit oder fürchte ich lieber die Ellenbogenmentalität? Vertraue ich einem anderen Menschen meine Geheimnisse an oder verschließe ich mich lieber?

Vertrauen ist eine gute Sache und durchaus wichtig im Umgang miteinander. Vertrauen ist die Grundlage einer jeden Beziehung, egal in welcher Hinsicht. Aber das Vertrauen zu schenken kann auch in einem bitterbösen Erwachen enden. Nämlich dann, wenn Vertrauen zur Naivität wird.

Um das zu verhindern, muss alles kritisch hinterfragt werden. Wollen die Politiker das Beste für uns oder wollen sie nur das Beste für sich selbst? Will unser Gegenüber möglicherweise nur unser Vertrauen gewinnen, um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen oder liegen wir ihm wirklich am Herzen? Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis unglaublich schwer. Für mich jedenfalls.

Ich bin jemand, der gerne sein Vertrauen schenkt. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich selbst gerne Vertrauen von anderen geschenkt bekomme (und der Meinung bin, dass ich vertrauenswürdig bin). Und weil ich wahrscheinlich auch ein bisschen naiv bin. Ich glaube an das Gute im Menschen und dass jeder Mensch mir grundsätzlich erst einmal neutral gegenübersteht und mir nichts Böses will.

Leider macht mich das anfällig für Enttäuschungen. Mir ist es auch schon mehrfach passiert, dass mein Vertrauen ausgenutzt wurde, mal weniger schlimm, mal mehr. Jede dieser Enttäuschungen macht es natürlich schwer, seiner Linie treu zu bleiben. Ich habe nach solchen Situationen immer wieder darüber nachgedacht, meine Haltung zu ändern. Aber lange beibehalten konnte ich das nie. Dennoch wäre es wichtig für mich das zu lernen, damit es gar nicht erst dazu kommt, dass ich darüber nachdenken muss.

Aber ich bin in der Hinsicht nicht nur ein Punching Ball.

Ich bin auch ein Stehaufmännchen…

 

9 Kommentare

  1. Hannah says:

    Ich glaube, ich bin ziemlich naiv, weil ich eigentlich immer dazu neige, alles und jedem zu glauben. Manchmal überlege ich, ob ich diesbezüglich vielleicht auf der 6-Jahre-alt-Kätzchen-Stufe hängen geblieben bin, aber inzwischen arrangiere ich mich schon irgendwie mit enttäuschtem Vertrauen. Selbst wenn ich einen “Fehler” gemacht habe und jemandem vertraut habe, der mich dann im Endeffekt enttäuscht hat, nimmt mir das ja nicht die Zeit, in der ich noch nicht enttäuscht worden bin. Viele neigen irgendwie dazu, alles vorangegangene dann zu verteufeln, weil es nicht “echt” war, aber es hat sich doch echt angefühlt, also wars das auch – davor. xD Keine Ahnung, ob man mir folgen kann, falls nicht: Ignorier den Kommentar einfach.

  2. Markus says:

    Interessanter Blogpost. Also ich mein ja, dass es dich auszeichnet, wenn du unvoreingenommen an jeden Menschen ran gehst.
    Was das Vertrauen angeht: Um in eine Lage zu kommen, in der das Vertrauen massiv missbraucht werden kann, muss wahrscheinlich (zumindest bei mir) eine Menge Zeit vergehen. Oft kann sich ja Vertrauen auch erst mit der Zeit und Erfahrungswerten entwickeln.
    Oder kommt es bei euch tatgläch vor, dass ihr neue Bekanntschaften macht, die euch direkt zum Spielball ihrer selbst machen können?

  3. Nadine says:

    Also ich gebe mein Vertrauen nicht so gerne… Ich machs natürlich doch immer wieder, aber ich finde es gehört zu dem schlimmsten Dingen enttäuscht zu werden. Das fängt mit so Kleinigkeiten an, wie ein Freund will aufhören zu rauchen. Du sagst dann, ja du schaffst es. Hey ich glaub an dich.
    Und dann packt ers net. Und dann versucht ers wieder und du denkst, ja dieses mal schafft ers. Und er packts wieder net.

    Klar, das ist jetzt wirklich eine Kleinigkeit, aber schon da, ist es total enttäuschend, wenn du immer wieder dran glaubst, ihm dein vertrauen schenkst, wenn er sagt, dieses mal ist es wirklich so. Und dann wirste wieder enttäuscht.

    Und da ich glaube wirklich leicht zu enttäuschen bin, versuch ich einfach das nicht mehr so zuzulassen, egal bei was. Politikern vertrau ich da schon gleich gar nicht.

    Aber so sind die Menschen nun mal unterschiedlich. Und jeder entscheidet aus seinen eigenen Erfahrungen wie er danach damit umgeht.

  4. Sonja says:

    Hm, Vertrauen und Naivität- das ist wirklich so´ne Sache. Ich glaube vor einiger (oder besser: langer) Zeit war ich auch noch so, dass ich oft und gern Vertrauen geschenkt habe. Bei mir war das dann aber auch zu oft mit Naivität verbunden. Seit einiger Zeit habe ich mir das aber komplett abgewöhnt und bin der misstrauischste Mensch überhaupt, glaube ich. Das kommt halt, wenn man schlechte Erfahrungen mit dem Thema Vertrauen macht und das ist schon oft vorgekommen. Wie Nadine schon sagte: Man möchte dann ja auch nicht immer enttäuscht werden und dann ist es sicherer, einfach erst einmal nicht zu vertrauen. Demnach gibt es auch nicht so viele Menschen, denen ich richtig vertraue. Was nicht heißen soll, dass es unmöglich ist, mein Vertrauen zu gewinnen. Man muss es sich nur etwas erkämpfen. ;)
    Politikern vertraue ich grundsätzlich nicht. Das ist noch mal so eine Ausnahmeposition! ;)

  5. Mausz says:

    Interessantes Thema mal wieder. Ich glaube, ich kann grundsätzlich von mir behaupten, dass ich nicht so der Gefühlsmensch und auch nicht sooo leicht zu enttäuschen bin. Ich bin aber auch jemand, der sich selten ganz öffnet. Ich habe einige Freunde, die mir auch wichtig sind, aber denen ich trotzdem nur in einem gewissen Rahmen vertraue. Es gibt nur wenige, denen ich “mein Leben anvertrauen” würde. Meiner besten Freundin, die ich seit 21 Jahren kennen, vertraue ich z.B. ohne wenn und aber. Klar gab es da ab und zu kleine Enttäuschungen, aber das bleibt bei Menschen meiner Meinung nach auch nicht aus.
    Mein Freund hat ziemlich schnell mein Vertrauen bekommen. Und ich glaube, dass er der Einzige ist, der mich in ein ziemlich tiefes Tief stürzen könnte, wenn er dieses missbraucht. Aber davon gehe ich einfach nicht aus und in dem Punkt könnte man mich dann als ein wenig naiv bezeichnen, aber das lass ich dann gerne zu. Wenn das nämlich nicht so wäre, könnte ich nicht so glücklich mit ihm sein. Bei mir gibt es nur 100% oder so 50%… Irgendwas dazwischen macht mich nicht glücklich.

    Schwierige Sache mit den zwischenmenschlichen Gefühlen… ;)

  6. Konna says:

    @Hannah: Also ich konnte dir folgen und gebe dir durchaus recht. Man neigt zu schnell dazu, im Nachhineinalles zu verteufeln. Allerdings fragt man sich ja schon, wenn man sieht, dass das Vertrauen missbraucht wurde, ob das nicht vielleicht die ganze Zeit schon so war.

    @Markus: Da hast du wohl recht, ein dermaßen großes Vertrauen muss erst längere Zeit verdient werden, aber wenn man jemanden kennenlernt und der beispielsweise etwas von sich erzählt, muss man ja auch entscheiden, ob man das nun glaubt oder nicht. Möglich ist es ja, dass jemand auf den ersten Blick ganz toll ist, sich aber hinterher als ein Schwindler entpuppt. Und sowas ist auch immer unangenehm.

    @Nadine: Ja, das ist ein gutes Beispiel. Und weil man ja die Person unterstützen will, glaubt und vertraut man auch immer wieder darauf. Würde man es nicht tun und sagen “du schaffst das ja doch nicht”, würde irgendwas falsch laufen.

    @Sonja: Oh, wie der misstrauischste Mensch überhaupt kommst du mir aber nicht vor. Aber verstehen kann ich das alles schon. Es ist so ein Selbstschutzmechanismus, der immer mehr ins Laufen kommt, je öfter man enttäuscht wird. Fraglich ist es dann vielleicht, wie schnell und wie stark man enttäuscht ist. Ist man schon (sehr) enttäuscht, wenn jemand versehentlich vergisst anzurufen oder fängt das erst an, wenn das öfter passiert oder wenn etwas Schlimmeres passiert und beispielsweise den Geburtstag vergisst? :)

    @Mausz: Auch eine sehr klare Aussage. :) Auch hier sehe ich noch andere Punkte, die eine Rolle spielen. “Sich zu öffnen” fängt bei jedem sicherlich an einem anderen Punkt an. Was für den einen eine ganz normale Information ist, die ruhig jeder wissen darf, würde ein anderer vielleicht nur jemandem verraten, bei dem er sich sicher ist, dass die Information in guten Händen ist.
    Da ist es bei mir persönlich so, dass ich kein Problem damit habe, recht viel über mich zu verraten, weil das meiner Meinung nach alles Infos sind, mit denen mir niemand schaden kann.

  7. Sonja says:

    @Konna: Also wenn jemand meinen Geburtstag vergisst oder mal nicht zurückruft oder so, kann ich schon darüber hinweg sehen. Richtig enttäuscht bin ich “nur” bei einem wirklichen Vertrauensbruch und sowas durfte ich leider schon ein paar Mal erleben. Nicht schön.

  8. Robert says:

    Interessante Wechselbeziehung. Eine Portion Naivität finde ich persönlich gar nicht schlimm, das macht einen Menschen eher sympathischer, finde ich. Anders sieht es da mit dem Vertrauen aus. Ich finde es sehr gefährlich Vertrauen zu verschenken, vielleicht habe ich auch zuviele schlechte Erfahrungen gemacht, aber für mich muss man sich Vertrauen erst verdienen. Wenn ich Vertrauen in messbare Worte fassen müsste würde ich vielleicht sagen, das sich jeder das Vertrauen leicht verdienen kann. Ob ich jemand leiden kann oder nicht bestimmt die Menge des Grundvertrauens das ich einem entgegenbringe.

    Nein, Naiv bin ich wirklich nicht, vielleicht ist das auch ein bisschen schade, denn manchmal wünschte ich, es würde mir leichter fallen jemandem zu vertrauen.

  9. Konna says:

    @Sonja: Ja, sowas ist nicht schön. Hatte ich aber auch schon mal und das erlebt wohl jeder irgendwann mal. Nach einiger Zeit bin ich dann aber trotzdem wieder ins alte Verhaltensmuster zurückgekehrt. Ob das nun gut oder schlecht ist sei einfach mal dahingestellt. ;)

    @Robert: Ich würde dir da nicht widersprechen wollen, sein Vertrauen schnell zu verschenken, kann ganz gehörig nach hinten losgehen. Ich habs auch schon erlebt. Allerdings habe ich es auch schon oft erlebt, dass das sehr positiv aufgenommen wird und man schnell das Vertrauen des anderen zurückbekommt. Wahrscheinlich ist eine gesunde Mischung wie so oft der beste Weg.

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