Die Bundestagswahl ist einen Tag nach dem Ergebnis immer noch in aller Munde. Verständlich, es ist ein Thema, dass uns alle betrifft. Und vor allem die denkende Masse im Netz macht sich lautstark Luft über das Ergebnis. Das beherrschende Thema in Blogs und Twitter ist die Bundestagswahl und ihre möglichen Auswirkungen. Doch auffällig ist, dass dieses Thema eben nicht nur in politischen Blogs und bei den “Großen” Thema ist, auch in kleinen Blogs wird eifrig über die Ergebnisse sinniert und das mit ziemlich klarem politischem Profil.
Normalisierung? Intensivierung!
Dachte ich in den letzten Wochen vor der Bundestagswahl noch, dass sich das alles hinterher wieder ein wenig normalisieren wird und andere Themen wieder in den Vordergrund rücken, bin ich mir dessen gar nicht mehr sicher. Was vorher schon – ungefähr seit der Europawahl – im Netz passierte und in den unverkennbaren Erfolg der Piraten mündete, nämlich eine ungeheure Politisierung, scheint nun erst richtig zu beginnen.
Ich mag nur einen begrenzten Überblick über die Blogosphäre und bei Twitter haben und ich mag mit meinen gut 3 Jahren aktiver Bewegung im Netz nicht zu den alten Hasen gehören, aber das, was ich sehe, dürfte in dieser Größenordnung völlig neu sein. Während “offline” von Politikverdruss und -überdruss die Rede ist, erlebt die Onlinegemeinde eine Politisierung sondergleichen. Fast jeder bezieht auf irgendeine Art und Weise Stellung, vorwiegend gegen die anstehende schwarzgelbe Koalition. Es werden Gemeinschaftsprojekte gegen Schwarzgelb gegründet, andere schreiben davon, dass sie aufgrund des Wahlergebnisses selbst in eine Partei eintreten wollen und das Interesse an politischen Themen wird immer größer.
Internet und Demokratie
Fraglich, ob das Stöhnen auch bei einer Fortsetzung der großen Koalition so groß gewesen wäre. Wohl nicht, denn mit einem ganz anderen Ergebnis wird wohl kaum einer gerechnet haben. Doch das schwarzgelbe Ergebnis scheint der sprichwörtliche Tropfen gewesen zu sein, der das sowieso schon übervolle Fass zum überlaufen gebracht hat. Und auch wenn die Politik allein unser Leben nicht ausmachen sollte und andere Themen ihre Existenzberechtigung haben, so lässt mich diese Entwicklung im Netz doch ein wenig zuversichtlicher in die Zukunft schauen.
Wenn das Wahlergebnis am Sonntag der Grund dafür ist, dass nun sogar diejenigen, die vor der Wahl dachten und hofften, dass es so langsam mal genug sei mit den politischen Themen, sich selbst in die politische Diskussion einbringen, dann hatte es immerhin doch etwas Gutes.
Falls es den zentralen Ort gibt, an dem die Demokratie wirklich blüht, dann ist es das Internet. Und das gilt es festzuhalten und zu schützen.

















8 Kommentare
Ich schätze mal, dass der Erfolg von 2% für die Piraten sowie der Frust über den Tigerentenclub nachhaltig ein bisschen in den Köpfen hängen blieb.
Mal schaun, was wir daraus machen.
Ich weiß zwar nicht, ob sich die Politik-Bewegung im Internet auf Dauer hält oder doch erstmal nach und nach abflacht (zumindest bis zum nächsten Vorstoß von Schäuble und Von der Leyen), aber ich kann von mir auf alle Fälle sagen, dass ich – als Internetbürger – heute viel mehr Interesse an Politik habe als noch vor einem Jahr, wo sich die Politik hauptsächlich offline abspielte. Damals hatte ich nie groß das Gefühl, die Politik würde mich wirklich direkt betreffen. Seit dem undynamischen Bürgerrechte-Zerlegungs-Duo der CDU hat sich das für mich aber grundlegend geändert.
Ich hoffe, es geht vielen so und unsere und die kommenden Generationen gehen in Zukunft verantwortungsvoller mit dem Thema Politik und seinen Folgen um und setzen der derzeitigen Politikverdrossenheit ein Ende.
Naja, ich glaube, der eine oder andere hier im Netz leidet auch so nen bisschen an Selbstüberschätzung bzw. diese ganz Bewegung wird meiner Meinung nach überschätzt. Das, was ich gestern und heute zum Thema Wahl gelesen habe, verschlug mir fast jedes mal die Sprache. Ich sage nur Homophobie. Bis das Netz bzw die, die sich im Internet bewegen, wirklich ernst genommen werden, wird es noch lange dauern. Dabei mangelt es keineswegs an Meinung, die kundgetan wird, sondern an einer ordentlichen Art und Weise, dies zu tun.
Ich glaube nicht das es hier nun lange nachklingen wird im Web, sondern weitergeht wie zuvor.
Die Piraten haben auch nicht wirklich die Webnutzer an die gesamte Politik herangebracht, sondern nur das Augenmerk auf ein paar wenige Punkte geworfen.
Es kommt nun darauf an wie weit die neue Regierung mit weiteren Einschnitten arbeitet, vielleicht das Sozialsystem weiter versetzt.
Vielleicht denken die Menschen dann weiter drüber nach, aber das glaube ich auch nicht so, denn schliesslich müssen die vielen Prozente der FPD irgendwo herkommen.
Nun es ist doch alles Politik im Leben. Ob Bundeswehr im Inneren oder der Mindeslohn, ob wir eine gute Schulbildung bekommen ebenso wie Atomstrom.
Aber das Netz erreicht nur die Netznutzer und das war es schon.Damit erreicht man nicht die Boulevardmediennutzer die das Web nur zur Unterhaltung wie einen Fernseher nutzen.
Es ist noch gar nicht so lange her, daß ich selbst dachte: Pöh, Politik, geh mir weg damit, damit hab ich nix zu tun!”
Das hat sich grundlegend geändert. Einerseits hat man nun selbst Kinder, Bildungspolitik wird da plötzlich ein Thema, andererseits ist man per Twitter & Co. auf einmal ganz nah am Ball, es wird politisiert, polemisiert, populisiert und so manch ein “Ausbruch” des ein oder anderen treibt einen dazu, sich selbst mit einem bestimmten Thema oder Aspekt zu beschäftigen.
Und wenn dies alles “nur” die Netznutzer betrifft, dann ist das doch schon eine Menge. “Wir sind viele!” Natürlich wird es auch immer einen großen Teil Leute geben, denen Politik und alles Drumherum buchstäblich am Allerwertesten vorbei geht, das war schon immer so. Man erkennt sie leicht, es sind oft die, die am lautesten meckern!
@Reizzentrum: Wünschenswert wäre es, je mehr es sind, desto mehr Gehör verschaffen wir uns.
@beetFreeQ: Ja, mir geht es da ähnlich. Ich war zwar schon länger politisch interessiert, aber das hat sich in der letzten Zeit noch erheblich verstärkt. Und das sehe ich an vielen Ecken, was ich durchaus begrüßenswert finde.
@Thearcadier: Kann ich so nicht bestätigen, die meisten Sachen, die ich gelesen habe, sind durchaus vernünftig gewesen. Und ich denke, dass man das Netz nicht unterschätzen sollte. Dass es immer ein paar Ausreißer gibt, das ist klar, aber die bekommen von mir auch nicht die Aufmerksamkeit, die sie wollen.
@Sebastian: Das ist aber eine pessimistische Sicht. Aber innerhalb des Netzes finde ich aber schon, dass die “User” politisiert werden. Da waren es ja auch lange nicht so viele, jetzt scheinen sich auch diejenigen, die das Netz eher für Spiele oder Unterhaltung genutzt haben, auch mehr für Politik zu interessieren. Mal sehen, ob das so bleibt oder wieder verflacht.
@Magrat: Ja, man kann dem Thema gar nicht mehr entkommen, wenn man sich auch nur ein bisschen im Netz bewegt. Allein bei Twitter werden fast minütlich politische Tweets mit Links oder Meinungen abgesetzt. Manchmal wird das aber auch fast schon zu viel, aber grundsätzlich finde ich das ok, weil das alles auch relativ vielseitig ist.
Ich finde es ganz gut, dass sich anscheinend die Leute wieder mehr mit Politik beschäftigen. Wobei das geschrei hinterher ja irgendwie immer ganz schön kontraproduktiv ist. Wobei es bei jedem Wechsel glaube ich erst einmal einen Aufstand gibt.
ich persönlich bin gespannt und enthalte mich erst einmal weiterer Stimmen…
@direkteingabe: Glaube ich gar nicht, dass das Geschrei immer groß gewesen wäre. Aber bei einer Regierung, die nicht einmal die Hälfte der Stimmen auf sich vereint, ist es natürlich klar, dass die Mehrheit aufschreit.
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