Papierflieger: Shane Jones – Thaddeus und der Februar

„Vor Tagesanbruch riecht Thaddeus Rauch und Honig. Der Geruch kommt aus Biancas Zimmer.
Als er nachschaut, steht ihr Fenster offen und
Schnee weht herein.
Er reißt die Decke vom Bett.
Er schaut sich im Zimmer um.
Er schaut unter das Bett.
Er schaut in den Schrank.
Er schaut in den Flur.
Er schaut auf seine Füße.
Er schaut auf das Bett. Er schaut auf das Bett.
Biancas Bett ist ein Schneehügel mit Zähnen.
Bianca ist weg.“

Shane Jones – Thaddeus und der Februar

Thaddeus und der Februar

Shane Jones: Thaddeus und der Februar | 175 Seiten | Eichborn Buchverlag | EUR 16,95 | Release: 26.01.2010 | ISBN 978-3821861074

Wann ist der Punkt gekommen an dem man sich entschließt einen Krieg zu beginnen? Reicht es, dass der Februar nun schon viele hundert Tage dauert? Oder dass er dem Ballonfahrer Thaddeus Lowe das Fliegen verbietet? Nicht nur ihm sondern allen? Vögel sind verboten, Ballons und Flugdrachen werden auf großen Scheiterhaufen verbrannt, wie es die Priester befohlen haben. Wie es der Februar befohlen hat. Kinder verschwinden aus dem Dorf. Bianca verschwindet. Bianca, Thaddeus’ einzige Tochter. Was den Menschen im Dorf bleibt ist die Wut auf den Februar, die ewig dunklen Tage und die Kälte, die durch Mark und Bein geht und alle zermürbt.

Was Thaddeus bleibt ist seine Frau Selah und der Entschluss die Kriegsbewegung gegen den Februar zu führen.

Shane Jones erster Roman ist vor allem eins: ungewöhnlich. Auf dem Schutzumschlag klettert ein Mann mit einer Holzkiste auf dem Kopf an einem Seil einen bunten Ballon empor und auf dem Einband tummeln sich Hirsch mit

dem Spruchband „Krieg dem Februar“, während im Hintergrund Menschen mit langen Stangen in einem trüb-grauen Himmel stochern. Auch in dem Buch findet sich nichts, was man in einem „typischen“ Roman erwartet. Es gibt weder einen festen Erzähler, noch eine durchgängige Schriftgröße, oder eine gewohnte Kapiteleinteilung. Dafür viele zauberhaft-gruselige Illustrationen von Ria Brodell und eine Geschichte, die einen nach einer kurzen Gewöhnungsphase irgendwie nicht mehr loslässt.

Fazit

Thaddeus und der Februar ist kein Buch, dass man mal so nebenbei lesen sollte. Es lohnt sich es zu genießen und zu verfolgen, wie sich die Geschichte mit jeder Seite weiter aufbaut und ein durchaus kurioses Ende nimmt. Für alle die das Gefühl haben, der Winter würde nie enden und alle die sich schon immer mal gefragt haben, was wohl zwischen den Seiten eines Buches passiert, dass man zugeklappt und auf den Nachtschrank gelegt hat.

Einzelwertung:

Verwirrungsfaktor: 8 von 10
Idee: 9 von 10
Aufmachung: 10 von 10
Wegträumfaktor: 5 von 10
Gedanklicher Nachklang: 8 von 10

Gesamt: 8 von 10

Link-Container:
Eichborn Verlag
Webseite
Webseite von Ria Brodell
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Vielen Dank an den Eichborn Verlag für das Rezensionsexemplar!

Über die Autorin: Jenni Belitz ist 85er Jahrgang, studiert Geschichte, Ur- und Frühgeschichte und Nordistik in Kiel und liebt Geschichten jeder Art. Da sich schon bald sämtliche Famillienmitglieder weigerten ihr etwas vorzulesen, verschlang sie, sobald sie lesen konnte, alles was ihr in die Finger kam. Immer wenn sie von einer interessanten Bücherreise zurückkehrt, wird sie hier davon berichten. Zu erreichen ist Jenni über Twitter unter dem Namen tikavanderloh.

 

4 Kommentare

  1. David says:

    Hört sich schön abgedreht an :)

  2. Jenni says:

    Ja, abgedreht triffts ^^ Ich habe wirklich erstmal eine Weile gebraucht um mich an das Buch zu gewöhnen. So beim ersten Durchblättern und auf den ersten ein zwei Seiten ist der Funke auch noch nicht übergesprungen, aber dann konnt ich gar nicht die Finger davon lassen :)

  3. Konna says:

    Ich werde mir wohl selbst ein Bild machen, sobald ich das Buch dann wiederhabe. Und dann sage ich an dieser Stelle noch einmal danke für den Artikel. :)

Trackbacks

  1. Gedanklicher Nachklang: 8 von 10 - Thaddeus und der Februar

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