Die kanadischen Entwickler Bioware sind schon seit langer Zeit bekannt für die tollen Geschichten, die ihre Spiele erzählen. Zahlreiche Hits haben sie programmiert (Baldur’s Gate, Knights of the Old Republic, Neverwinter Nights) und mit Mass Effect schicken sie sich an, dieses Image der hervorragenden Geschichtenerzähler fortzusetzen und liefern ein episches Sci-Fi-Epos ab, an das sich jeder Spieler noch lange erinnern wird. Mass Effect ist als Trilogie angelegt, der erste Teil soll den Grundstein der Geschichte und der Spielwelt legen. Wie ihm das gelingt, erfahrt ihr in meiner Review.
Der Spieler schlüpft in die Rolle von Commander Shepard, einem Mitglied der Allianz, stationiert auf der Normandy, dem fortschrittlichsten Raumschiff der Flotte. Seine Mission ist, einen Sender einer uralten Alienspezies sicherzustellen. An sich ein leichter Auftrag, doch als das Schiff die menschlichen Kolonie Eden Prime erreicht, steht der Planet einer Invasion der Geth, einer Robotorspezies, gegenüber. Die künstlichen Wesen stehen unter dem Kommando von Saren, einem SPECTRE (eine Art Sondereinheit des galaktischen Rats), der seine Stellung zu seinem Vorteil ausnutzt und an den Sender will, um ihn für seine Zwecke zu missbrauchen. Folgend liegt es an uns, ihm seinen Verrat nachzuweisen und seine Pläne, hinter denen eine noch weitaus größere Bedrohung zu stecken scheint, zu vereiteln.
Mass Effect hält sich nicht mit langweiligen Vorgeplänkel auf, sondern wirft einen direkt ins Geschehen, was ein von Anfang an intensives Spielerlebnis zur Folge hat. Nach dem Einstieg folgt zwar zunächst einmal eine kleine Verschnaufpause, aber das gibt die Gelegenheit, die Spielwelt, in der man sich bewegt, etwas besser kennenzulernen. Und das lohnt sich, ist doch das ganze Mass Effect Universum sehr stimmig gestaltet und lädt zum Erkunden ein. Man wird förmlich ins Spiel gezogen und die Begeisterung hält sich über die ganze Hauptstory hinweg, vor allem da man zu dem Team, das man nach und nach um sich schart, eine ungeheure Bindung entwickelt, da jede Figur einen ganz eigenen, realistischen Charakter hat.
Von der Spielmechanik her ist Mass Effect ein sehr gelungener Mix aus Shooter und Rollenspiel. Aus einer schräg versetzten Third-Person-Ansicht steuert man Shepard durch die Welten, die leider aus sich zu oft wiederholenden Versatzstücken gebaut sind, sodass man nicht selten denkt, dass man den jeweiligen Ort schon einmal besucht hat. In den Kämpfen wählt man einen von vier Waffentypen aus, die jeweils unterschiedliche Vorteile wie Schadenswert und Präzision aufweisen. Munition gibt es nicht. Die Kämpfe, in denen man zwei Begleiter hat, bestreitet man meist aus der Deckung heraus, aus der man sich hervorlehnt und einige Salven abschießt.
Rollenspieltypisch sammelt man im Laufe des Abenteuers Erfahrung, die man in verschiedene Werte wie Waffenfähigkeiten oder Schmeicheln und Einschüchtern investieren kann. Letztere schalten weitere Dialogoptionen frei. Diese sind nicht nur exzellent geschrieben, sondern entscheiden auch den weiteren Verlauf der Geschichte. Je nachdem, wie man sich in manchen Situationen entscheidet, hat das mehr oder weniger große Folgen. So sitzt man nicht selten mehrere Minuten vor dem PC und überlegt, wie man sich entscheiden soll.
Bei all dem Lob ist aber auch Kritik angebracht: Die Nebenquests sind größtenteils relativ unspektakulär und beschränken sich darauf, bestimmte Orte von Gegnern zu befreien. Auch mühselige Fleißaufgaben wie das Sammeln von Ressourcen auf Planeten (die teils mit einem Fahrzeug befahren werden) sind leider mit von der Partie und ziehen das Spiel mit unnötigem Inhalt in die Länge.
Fazit: Mass Effect setzt neue Maßstäbe, was das Erzählen einer fesselnden Geschichte angeht und zieht einen von Beginn an mit seiner stimmigen, exzellent in Szene gesetzten Welt seinen Bann. Die Charakterzeichnung sucht ihresgleichen, die emotionale Bindung zu den Figuren ist fast schon erschreckend tief. All das lässt die spielerischen Schwächen zu großen Teilen vergessen machen, dennoch fallen die recht langweiligen Nebenquests und Fleißaufgaben sowie die insgesamt anspruchslosen Kämpfe ein wenig störend auf. Dennoch: Klare Empfehlung und eine tolle Einleitung der geplanten Trilogie.
Wertung: 8/10
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5 Kommentare
Auf den ersten Blick fällt sofort die steife und unpassende Übersetzung der Untertitel auf. Teil 1 habe ich nie wirklich weit gespielt, glaube auch nicht, dass ich mir das nach Teil 2 noch antun sollte, die Fortsetzung ist in so vielen Dinen verbessert worden, dass mich der erste Teil wohl nur frustrieren würde.
Ich habe ME1 bereits dreimal gespielt, der erste Ansatz war vergebens und ich legte das Spiel beiseite. Anläufe zwei und drei sind geglückt und ich war begeistert.
Dein Game Check spoilert zwar ein bisschen aber das ist ok. ich vermisse die Kritik zum Sound. Denn bei vielen PCs gibt es massive Soundschwierigkeiten die den Spiel verlauf beeinträchtigen können. Da diese Fehler auch in Dialogen auftreten könne. Dennoch ein sehr gutes Spiel und deinem game Check ist nichts hinzuzufügen. ich würde 9/10 geben ME 2 würde 9,5/10 bekommen =)
@David: Mir ist das kaum aufgefallen, liegt aber wohl daran, dass ich immer Synchro schaue usw.
Teil 2 ist wirklich verbessert, aber “seinen” Shepard mitzunehmen und die Story selbst zu beeinflussen ist schon eine tolle Sache. Würde vielleicht einmal durch die Hauptquests rushen, um wenigstens alle wichtigen Details zu haben.
@Wolfsterror: Mein Test zu Teil 2 kommt demnächst.
Zu den Soundschwierigkeiten kann ich nichts sagen, da die bei mir überhaupt nicht aufgetreten sind.
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