Nachdem schon der erste Teil der geplanten Mass Effect Trilogie in Sachen Storytelling und Charakterzeichnung mit der Konkurrenz den Boden aufwischte, schickt sich nun der zweite Teil an, es seinem Vorgänger gleich zu tun oder ihn gar zu übertreffen.
Mass Effect 2 wirft einige Spielelemente aus Teil 1 über Bord und wird nicht nur größer, sondern auch schonungsloser und düsterer als sein Vorgänger. Ich bemühe mich, keine größeren Spoiler in meine Review einzubauen. Wer übrigens Teil 1 gespielt hat und seinen Spielstand noch besitzt, kann diesen in Mass Effect 2 importieren und seinen Shepard mit allen getroffenen Entscheidungen weiterspielen. Wenige Monate nach den Ereignissen des ersten Teils befindet sich die Crew der Normandy auf Routinemission, als sie plötzlich von einem aus dem Nichts auftauchenden, unbekannten Kreuzer angegriffen wird. In höchster Not wird versucht zu retten, was zu retten ist, doch die Normandy wird zerstört und Commander Shepard wird ins All geschleudert.
Zwei Jahre später erwacht Shepard in der medizinischen Abteilung einer geheimen Forschungsstation, die von einer Gruppe namens Cerberus betrieben wird. Diese haben unter der Führung des »Unbekannten« alles Nötige in Bewegung gesetzt, um Shepard wieder voll und ganz herzustellen, da sie ihn im Kampf gegen eine Alienspezies brauchen, die ganze Kolonien der Menschen entführt. Sogar eine neue Normandy wurde zu diesem Zweck gebaut und so liegt das Schicksal der Menschen erneut in Shepards Hand.
Schon Mass Effect begann mit einem sehr fesselnden Einstieg, doch Teil zwei legt noch einen drauf. Jeder, der den ersten Teil gespielt hat (und das sollte man, bevor man Mass Effect 2 spielt) ist sofort wieder drin in der Geschichte und wird sofort in seinen Bann gezogen. Insgesamt ist die Storytiefe noch ein ganzes Stück größer als noch im Vorgänger und dieses mal wird man auch nicht durch uninspirierte Nebenquests und ödes Erkunden von Planeten aus dem Spielfluss gerissen. Im Gegenteil, die optionalen Aufgaben fügen sich richtig gut ein, sodass man sie gerne angeht.
Am grundsätzlichen Spielprinzip ändert sich wenig. Noch immer ist Mass Effect ein Mix aus Shooter und Rollenspiel, allerdings ist der Schwerpunkt klar zum Shooter verlagert worden. denn es gibt nur noch wenige Fähigkeiten, die ausgebaut werden können und auch das klassische Inventar ist nicht mehr dabei. Dafür gibt es nun einige neue Waffen und man muss auch auf seine Munition achten. Die Kämpfe sind einen Hauch taktischer als vorher.
Die Stärken, die schon Mass Effect an den Tag legte, neben der Handlung also auch vor allem die Dialoge und die Charakterzeichnung, wurden allesamt noch weiter ausgebaut. Dramaturgisch ist Mass Effect 2 wohl das bisher ausgefeilteste Spiel überhaupt und kommt fast wie ein Film zum Mitspielen daher, was nicht zuletzt an sogenannten Quicktime-Events liegt, kurzfristige, spontane Handlungsmöglichkeiten innerhalb eines Dialogs. Die Charaktere, allen voran die Begleiter, von denen man nunmehr zehn statt wie zuvor sechs um sich scharrt, machen eine glaubwürdige Entwicklung durch und man lernt die eine oder andere Figur im wahrsten Sinne lieben oder hassen und kümmert sich auch dementsprechend um sie. Beachtlich, wie Bioware es schafft, eine solche emotionale Bindung zwischen dem Spieler und den Figuren innerhalb des Spiels herzustellen.
Wenn man Kritik am Spiel üben will, dann kann man lediglich Kleinigkeiten bemängeln: Die Minispiele beim Hacken oder Umgehen beispielsweise von Datenpads und Türen gehen einem auf Dauer etwas auf die Nerven, da sie sich zu oft wiederholen. Auch das Absuchen der Planeten nach Ressourcen mit dem Schiffsscanner ist mühselig und wird wohl nur so weit wie nötig zum Erforschen der Upgrades betrieben werden. Die meisten Kritikpunkte des Vorgängers bügelt Mass Effect 2 aber aus.
Fazit: Mass Effect 2 führt die epische Geschichte des ersten Teils fort und schafft es sogar, noch eine ganze Spur zuzulegen. Sowohl die Story, die dank der toll integrierten Nebenquests noch mehr fesselt und noch dichter ist als im Vorgänger, als auch die Spielmechanik, die etwas aufgeräumter daherkommt, sind noch einmal große Schritte nach vorn. Größer, besser und emotionaler sind die Adjektive, die Mass Effect 2 perfekt beschreiben. Zwar ist das Spiel nicht ganz frei von Mängeln, aber diese Mängel werden durch die einzigartigen Momente, die einem das Spiel beschert, locker aufgewogen.
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