CD-Check: Tyske Ludder – Diaspora
Kritik
Es gehört schon einiges dazu, wenn eine Band nach über 10 Jahren Pause ein erfolgreiches Comeback feiert. Doch der Anfang der 90er Jahre gegründeten Electro-Band Tyske Ludder ist genau das im Jahr 2006 gelungen. Seitdem sind die Männer wieder sehr aktiv und stehen nun mit ihrem neuen Album Diaspora in den Startlöchern. Doch können sie ihr hohes Niveau halten? So viel vorweg: Ja, sie können und Genrefreunde werden mit der neuen Scheibe sicher zufrieden sein.
Los geht es mit dem stimmungsvollen, aber etwas zu lang geratenen Intro Templemount, das nahtlos in den Song Tempelberg übergeht, der harten Klängen und brachialem Gesang daherkommt, aber im Hintergrund von leichten elektronischen Klägen getragen wird. Das folgende Eugenix kommt trotz der beibehaltenen Härte ein ganzes Stück melodischer und vielseitiger herüber und fordert die Hörer quasi zur Bewegung auf. Tyske Ludder vermischen gekonnt alte und moderne Electro-Sounds, was zu sehr einprägsamen Tracks wie Wallfahrt oder Diaspora führt. Das Album wird die ganze Zeit über von einer düsteren Stimmung getragen, die sich auch in den teils provokanten, aber stets schonungslosen Texten niederschlägt, wie es zum Beispiel in Der Androgyne Held. Im Anschluss an das mit seinem harten, treibenden Beat etwas monotone For Their Glory schließt Konstanzphänomen die erste Hälfte des Albums mit geradezu beklemmenden Tönen und Worten ab.
Ohne langsam oder ruhig zu sein, nimmt Nur Ein Traum ein wenig das Tempo heraus und gibt sich regelrecht minimalistisch. Das darauffolgende Über Euch ist musikalisch sehr eingängig und eines der Highlights des Albums. Auch R.A.S.S. (Minus Vier) weiß durch die schon genannten Tugenden zu gefallen, ein bisschen mehr Experimentierfreudigkeit könnte aber nicht schaden, gerade bei einem Album mit 16 Tracks. Dieser Wunsch wird glücklicherweise direkt im Folgetrack namens Reiscräcker – ja, ihr lest schon richtig – erhört. So ungewöhnlich wie der Titel ist die Musik zwar nicht, aber hebt sich dennoch angenehm ab. Der Refrain von Abgesang hat beinahe etwas von Kinderreim und bietet ein paar neue musikalische Facetten, die bei genauerem Hinhören direkt auffallen. Die limitierte Erstauflage des Albums beinhaltet noch eine Coverversion des Tilt!-Klassikers Merciless, die als durchaus gelungen angesehen werden kann. Abgerundet wird Diaspora durch den Northborne-Remix von Abgesang und eine sehr ansprechende Minimal-Version des Songs Maschinenstaat vom Album Anonymous.
Insgesamt kommt Diaspora auf eine herausragende Gesamtspielzeit von über 1 Stunde und 13 Minuten. Nur 3 von insgesamt 16 Tracks – einer davon das Intro – haben eine Laufzeit von unter 4 Minuten. Man bekommt also für sein Geld reichlich Material geboten, dafür ist ein Extralob verdient.
Fazit
Mit Diaspora gehen Tyske Ludder ihren Weg unbeirrt weiter und liefern ein sehr umfangreiches und ausgereiftes Album ab, dass Fans der Genres EBM und Electro sicher nicht enttäuschen dürfte. Die leider nur marginal vorhandene Abwechslung ist sicher auch dem hohen Umfang geschuldet und nur ein kleiner Wermutstropfen, der den Gesamteindruck aber kaum trübt. Wer auf düstere elektronische Musik mit harten Beats und provokanten Texten steht, der wird sich mit Diaspora sicher sehr schnell anfreunden können.
Tyske Ludder – Diaspora (Album)
Facts:
- Tracks: 16
- Gesamtspieldauer: 1:13:53
- Releasedatum: 25.03.2011
- Genre: Electro / EBM
- Homepage: www.tyske-ludder.de
- Anspieltipps: Eugenix, Wallfahrt, Über Euch
Wertung: 7.5 von 10 Punkten
[starreview]



6 Kommentare
Lordy - 28.03.2011 at 17:03
“Anonymous” habe ich damals rauf und runter gehört… vielleicht höre ich in das neue Album irgendwann auch noch mal rein… live sind sie übrigens genialst <3.
Sebastian - 28.03.2011 at 21:38
Nebenbei mal gefragt, hast du irgendwie nen Deal mit ner Plattenfirma am laufen ?
Soviel Musik gab es hier doch früher nicht…
Konna - 28.03.2011 at 21:53
@Lordy: Dann wird dir die neue Scheibe sicher auch gefallen, denke ich. Und gut zu wissen, sollte man sich dann vielleicht mal anschauen!
@Sebastian: Nein, kein Deal mit ner Plattenfirma. Aber ich schreibe diverse Bands, Plattenfirmen und vor allem Promoagenturen an bzw. werde auch angeschrieben, sodass ich immer reichlich Promo-Material zur Verfügung habe. Das beeinflusst aber nicht meine Meinung über die jeweiligen Alben (muss man ja immer dazu sagen).
Sebastian - 29.03.2011 at 13:53
@Konna: Ich fragte nur, weil der Wandel hier so sichtbar ist. Also so plötzlich so viel an eher unbekannten Bands vorgestellt werden.
Das deine Meinung nicht beeinflusst wird ist, denke ich mal unter uns Bloggern schon klar, musst das nicht extra dazu sagen.
Wobei, bevor irgendwann vorwürfe kommen…
Aber will ich mal nicht vom ursprünglichen Thema, der Musik dieser Band hier mit anderen Sachen ablenken.
Konna - 30.03.2011 at 0:19
@Sebastian: Ja, das mit dem Wandel stimmt, aber so unbekannt sind die Bands gar nicht – jedenfalls in gewissen Kreisen.
Ob dieser Wandel nur eine Phase ist oder sich ausbaut, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt kaum sagen. Mal sehen.
Robert - 03.04.2012 at 2:39
Tyske Ludder in Berlin, am 13.4.2012, im Red Club Berlin!!!