CD-Check: Kromlek – Finis Terrae
Kritik
Zahlreiche Besetzungswechsel sind für eine Band oft der Anfang vom Ende. Nicht so bei Kromlek. Die Pagan-Metaller, die im Jahr 2005 auf dem Newcomer Festival in Schweinfurt den Sieg davontragen konnten, gehen ihren Weg unbeirrt weiter und versuchen mit ihrem zweiten Full-Length-Album, das den vielsagenden Titel Finis Terrae (lat. Ende der Welt) trägt, noch einen oben drauf zu setzen. Am 08. April wissen wir, ob sie das schaffen, denn dann erscheint das Album im Handel. Unterstützung erhalten sie von René Berthiaume, dem Mastermind von Equilibrium, der sich als zusätzlicher Sänger die Ehre gibt.
Das noch recht ruhige Intro Iron Age Prelude täuscht darüber, was den Hörer in der kommenden Stunde erwarten wird. Nekropolis’ Fall setzt mit tiefen Shouts ein, für die man sich schon sehr anstrengen muss, wenn man sie verstehen will. Musikalisch wechseln sich schnelle, harte Passagen mit ruhigen Augenblicken ab. Dass Angrlióð mit einer fast überharten Drum- und Gitarrenphase beginnt, sollte nicht abschrecken, denn der Song hat durch sehr ansprechende und melodische Parts. Die sind auch in The Cocoon vorhanden, das durch die dominanten Keyboardsounds recht elektronisch daherkommt. Das wirkt zwar kaum wie Pagan Metal, aber überhaupt lässt sich das Album nur schwerlich dort einordnen, da sich die Jungs ziemlich experimentierfreudig zeigen, wie auch die Tracks Mantikor und Manjushri aus mir unter Beweis stellen. Einzig der Gesang von Mr. Alphavarg klingt in jedem Song nahezu gleich aggressiv und undeutlich. Das lateinische Motitvrvs immortalis, in dem Mark und Joris von Heidevolk als Gastsänger auftreten, klingt noch am ehesten nach Pagan Metal und gehört definitiv zu den besseren Songs des Albums.
Sprachlich sind Kromlek mit viel Abwechslung dabei, neben Deutsch, Englisch, Schwedisch und dem schon erwähnten Latein wird auch auf Sanskrit und Arabisch gesungen. Ad Rvbiconem führt fort, was es schon die ganze Zeit zu hören gibt, ohne irgendwelche erwähnenswerten Besonderheiten. Denkt man bei Bastion zunächst, dass das Keyboard wieder eine übergeordnete Rolle spielen würde, krachen die Gitarren auch schon wieder erbarmungslos aus den Boxen. Kromlek erschaffen auf ihrem Album sehr interessante Songstrukturen, die die einzelnen Tracks recht unvorhersehbar machen, was allerdings stark auf Kosten der Eingängigkeit geht. Creation’s Crowning Glory nimmt zunächst ein wenig Tempo heraus und würde der Song ausnahmsweise dabei bleiben, hätte ihm durchaus etwas Episches angehaftet. Interessant wird es wieder mit Metropolitan Roots, das wieder verstärkt auf das elektronische Keyboard setzt und das erste Mal auch richtig gesungene Vocals enthält. Vor dem krönenden Abschluss erzählt uns in Egophaneia ein Kind mit ruhiger Musik hinterlegt eine Geschichte – unnötig. Der Titeltrack Finis Terræ hat mit fast 16 Minuten eine epische Länge und liefert noch einmal alle Stärken und Schwächen der bis hierhin gehörten Titel.
Ein Durchgang durch die 13 Tracks des Albums dauert knapp 68 Minuten – ein hervorragender Wert, selbst wenn man das Intro und den Fülltrack Egophaneia herauskürzt.
Fazit
Kromlek liefern mit Finis Terrae ein Album ab, das man eigentlich nicht wirklich als Pagan Metal bezeichnen kann, da es dafür viel zu sehr mit Keyboard-Sounds versetzt ist. Die Jungs zeigen sich sehr experimentierfreudig, was dem einen mehr, dem anderen weniger gefallen dürfte. Der Aufbau der Songs ist abwechslungsreich und interessant, aber nicht sehr eingängig, die Vocals reichen bei weitem nicht an den fetten Sound der Instrumente heran. So bleiben nur einige Songs wirklich im Gedächtnis, der Rest kann nicht vollends überzeugen. Genrefans, die offen für Experimente sind, können ein Ohr riskieren.
Kromlek – Finis Terrae (Album)
Facts:
- Tracks: 13
- Gesamtspieldauer: 1:07:50
- Releasedatum: 08.04.2011
- Genre: Pagan Metal
- Homepage: www.bollwerk-kromlek.de
- Anspieltipps: The Cocoon, Moritvrvs immortalis, Metropolitan Roots
Wertung: 5.5 von 10 Punkten
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