CD-Check: Silent Scream – In The Cinema
Kritik
Das Schicksal kann eine Band kaum schwerer treffen, als es der finnischen Gothic Rock Formation Varjo passiert ist: Zwei mal verstarb völlig überraschend ein Mitglied der Band unter tragischen Umständen. Da der Rest nicht einfach so weiter machen wollte oder konnte, gründeten sie eine neue Band und nannten sie Silent Scream, wechselten die Sprache von Finnisch auf Englisch und geben nun mit In The Cinema ihr Debut.
Der als Intro gedachte erste Song, Cinema, gibt die Richtung des Albums vor: Es geht thematisch zurück in die Zeit der Stummfilme und großer Horrorfilmklassiker. Die passende, düstere Stimmung wird hier jedenfalls schon mal aufgebaut durch treibende Gitarren und den tiefen Gesang von Antti Lautala. Do it Right greift diese Stimmung auf, der Sound erinnert teilweise Stark an altgediente Größen wie The Cure oder Sisters of Mercy und man ist geneigt zu sagen, dass die Band irgendwie in der Vergangenheit stecken geblieben ist. Mit seinem drückendem Beat geht City Highrise schon recht gut in die Beine und ist für alternative Partys sicher gut zu gebrauchen. Vultures ist ein sehr ruhiger Song, der sehr behutsam mit den Instrumenten spielt und sich harmonisch mit der Stimme verbindet, aber einige fiese, tinnitusähnliche Dauertöne beinhaltet, die den Genuss ein wenig schmälern. Ganz und gar aus dem bisherigen Rahmen fällt Hive Mind, das regelrecht wütend im Gesang und mit einer guten Portion Bass daherkommt.
Schon befinden wir uns auf der zweiten Hälfte des Albums, die mit dem instrumentalen Animal Room beginnt, welches schnell, hektisch und bedrohlich daherkommt. The Present geht schon nach kurzer Zeit auf die Nerven, das Schlagzeug dominiert mit einem nervtötenden Rhythmus und der Gesang – hier müsste man eher Geschrei sagen – ist leider nicht wegen des Albumkonzeptes schauderhaft. Es befindet sich sogar eine Coverversion auf dem Album. Dabei handelt es sich um eine gelungene Neuinterpretation des John Foxx-Songs Burning Car. In the Sea wirkt mit seiner ruhigen, getragenen Stimmung und dem sanften Gesang, was zusammen eine sehr angenehme Atmosphäre erzeugt, fast wie ein Abschlusssong, doch da es kommt noch The Ghost in Your Eyes, das noch einmal düster wird und wieder sehr an die schon genannten Vorbilder erinnert.
Die zehn Tracks des Albums kommen auf eine Gesamtspielzeit von gerade einmal 39 Minuten, ein Wert, der durchaus besser sein könnte. Das Album ist in schwarz-weiß gehalten und kommt ohne Booklet aus, sämtliche Texte in der Innenseite des Digipacks abgedruckt.
Fazit
Silent Scream lassen einen mit ihrem Album In The Cinema etwas ratlos zurück. Einerseits ist man geneigt zu sagen, dass das Album gut 20 Jahre zu spät erscheint, andererseits dürften sich Freunde von oldschool Gothic Rock sich freudestrahlend die Hände reiben. Letztlich bleibt ein leider nur durchschnittliches Album ohne wirkliches Highlight, in dem nur manchmal das durchaus vorhandene Potential durchscheint. Ich empfehle vor dem Kauf mal reinzuhören.
Silent Scream – In The Cinema (Album)
Facts:
- Tracks: 10
- Gesamtspieldauer: 38:56
- Releasedatum: 08.04.2011
- Genre: Gothic Rock
- Homepage: www.myspace.com/silentscrm
- Anspieltipps: City Highrise, In the Sea, The Ghost in Your Eyes
Wertung: 5 von 10 Punkten
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