CD-Check: :Wumpscut: – Schrekk & Grauss
Kritik
Umstritten ist wohl die neutralste Bezeichnung, die man :Wumpscut:, dem musikalischen Projekt von Rudolf Ratzinger, verleihen kann. Schon in einige mehr oder weniger große Skandale ist das Projekt verwickelt gewesen, was aber vor allem auch durch die provozierenden Elemente in Texten, Musik und Artwork begünstigt wird. Doch wie das so ist, lohnt es sich immer, sich selbst eine Meinung zu bilden. Meine Meinung zum neuen Album Schrekk & Grauss, das am 22.04. erscheint, präsentiere ich euch jetzt.
Die Ewartungen an ein neues :Wumpscut: Album werden mit dem ersten Song Rudolf Wolzek direkt erfüllt: Elektrosound mit experimentellen Elementen und einem provokanten Thema, wahrscheinlich Rudolf Höß, Lagerleiter des KZ Auschwitz. Der titelgebende Track Schrekk & Grauss ist vom ersten Ton an sehr markant und ist eine sehr eingängige Nummer und nicht nur für Clubs geeignet. Sehr hohes Ohrwurmpotential vorhanden und das erste Highlight. Muselmann ist ein ganzes Stück ruhiger, übt aber eine sehr intensive Wirkung auf den Hörer aus, die in gewisser Stimmungslage sicher noch stärker ist. Nach zwei starken Songs fällt Elende Buben doch ein ganzes Stück ab, da es durch zu viele Wiederholungen und Monotonie gekennzeichnet ist. Dem Track fehlt etwas Besonderes, das heraussticht. Dem Elektrosound fehlt eine klare Linie und der Rhythmus eignet sich weder zum tanzen, noch zum genussvollen Hören. Patient A ist eine musikalisch unterlegte psychische Untersuchung. Um wen es sich beim Patienten A handelt, wird erst am Ende verraten (auch wenn man es vorher schon ahnen kann). Jedenfalls handelt es sich um einen Track, den man entweder genial oder unnötig findet. Nach dem ersten Hören verliert er jedenfalls massiv, stört aber auch nicht.
Die zweite Hälfte des Albums beginnt mit Jiddisch Is A Zwillink, das musikalisch wieder eine recht intensive Erfahrung ist und sich nach und nach fast schon opernmäßig auf einen Höhepunkt zusteuert. Bleibt auf jeden Fall eine Weile im Ohr. Wumpelstilz bietet dann eigentlich wieder genau den Sound, den Fans von :Wumpscut: kennen und lieben. Düster angehaucht, vielfältig elektronisch untermalt und mit leicht verzerrter Gesangsstimme. Der Track Kikeriki könnte mit den ganzen Tiersounds in einer Tierdisco im Stall zum absoluten Dauerbrenner zu werden, für Menschen ist der Song allerdings nur genießbar, wenn die Viecher stumm sind. Also eher ein Füllsong. Anders Zombibikini: Der Track ist klar für die Tanzflächen ausgelegt und eignet sich dafür hervorragend, da kann man gern verziehen, dass der Song stark auf Repetition setzt und doch eher wenig sinnhaft ist. Zum Abschluss ist passenderweise Alles Aus, ein gelungenes Outro, das vorwiegend ohne Gesang auskommt, aber noch einmal ein elektronisches Feuerwerk loslässt.
Die 10 Tracks des Albums kommen auf eine Gesamtspielzeit von 49 Minuten, also reichlich Material für :Wumpscut:-Fans, die aber wahrscheinlich zum limitierten Box-Set greifen werden, das noch eine zweite CD mit Remixes enthält. Das Artwork kann man als gelungen bezeichnen, die Songtexte sind alle im Booklet enthalten und gut lesbar.
Fazit
Schrekk & Grauss ist ein typisches :Wumpscut:-Album geworden. Der Sound, den das Projekt schon seit Jahren pflegt, wird auch in diesem Album konsequent fortgeführt, ohne es dabei aber an Experimentellem und Außergewöhnlichem vermissen zu lassen. Das Album kann mit Highlights glänzen, beinhaltet aber auch Material, das auf Dauer wohl eher der Skip-Taste zum Opfer fallen wird. Fans von :Wumpscut: werden zufrieden sein und können das Album blind kaufen, alle anderen hören erst einmal rein und bilden sich lieber ein eigenes Urteil, bevor sie zugreifen.
:Wumpscut: – Schrekk & Grauss (Album)
Facts:
- Tracks: 10
- Gesamtspieldauer: 48:59
- Releasedatum: 22.04.2011
- Genre: Electro / Industrial
- Homepage: www.betondisco.de
- Anspieltipps: Schrekk & Grauss, Muselmann, Jiddisch Is A Zwillink
Wertung: 7.5 von 10 Punkten
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