CD-Check: Effter – Bilateral 602

Kritik
Am heutigen Tag erscheint das neue Album von Effter, einem italienischen Duo mit der Wahlheimat Berlin. Bilateral 602, so der Titel des Albums, versprüht aber alles andere als leichtes, südländisches Flair, sondern kommt mit harten Industrialklängen daher. Ich habe für euch reingehört:
Düster-mysteriös startet das Album mit dem Track J.P.N., der nach einigen Sekunden dann umso lauter ausbricht und mit fettem, treibenden Beat gleich mal den Hammer auspackt. Die geflüsterten und verzerrten Vocals machen den Song zu einem guten Einstieg. In Godless übernehmen dann Gitarren die Regie, gestützt durch technoiden Beat, die den Kopf unweigerlich zum Nicken bringen. Das geht auch bei My Sick Game so weiter und wenn das den Rest des Albums so bleibt, werde ich mich Effter wohl für Nackenschmerzen bedanken dürfen, doch plötzlich ganz ruhige Klänge und ein Piano – Suffer klingt zunächst wie von einer völlig andere Band, doch dann startet der Song doch noch durch, wird aber immer wieder ruhig unterbrochen. Hochinteressanter Track und handwerklich vom Feinsten! Das Piano tritt auch im folgenden Damned wieder mit toller Melodie auf, die ich gern über den ganzen Song gehört hätte. Aber auch so verleiht es dem Song eine tolle Atmosphäre. Nun folgt mit Jail der erste Song, zu dem auch ein Video gedreht wurde. Sehr verständlich, dass dieser Song ausgewählt wurde, besticht er durch eine sehr große Vielfalt: Leichtes Piano und Gesang zu langsamen Beats in den Strophen und dann der komplette Ausbruch im Refrain. Ein Gänsehautsong!
Kommen wir zur zweiten Hälfte des Albums: Bei Buio kommt es mir so vor, dass Effter sogar Hiphop-Einflüsse in ihr Werk gelassen haben. Aber auch das passt wirklich hervorragend und ergibt ein eindrückliches Klangbild. Selbiges gilt für Below, das aber den Gitarren wieder mehr Platz einräumt und in dem der Gesang mal etwas mehr im Vordergrund ist. Slaughter lässt schon vom Titel her vermuten, dass es hier etwas härter zur Sache geht, inklusive verzerrten Vocals. Der Titelsong Bilateral 602 ist seltsamerweise der schwächste, auch wenn er durch den schönen Pianoeinsatz punkten kann. Alexithymnia weiß vor allem durch das elektronische, leicht chiptune-artige Arrangement zu gefallen, der Song ist sehr abwechslungsreich. Als vorletztes werfen Effter mit Anger noch einmal alle ihre Fähigkeiten in die Waagschale, bevor das Album mit Silent Victims etwas ruhiger ausklingt – soweit man von ruhig sprechen kann. Die etwas flatternden oder knisternden Bässe schaden dem Song leider ein wenig, sonst wäre der Song ein perfekter Ausklang eines sehr guten Albums gewesen.
13 Tracks mit einer Gesamtlauflzeit von 51 Minuten stehen damit zu Buche, das Album kann man komplett durchhören, ohne einen Song wirklich skippen zu müssen. Die Gestaltung des Albums könnte schlichter nicht sein: Einfach nur weiße Schrift auf schwarzem Grund.
Fazit
Effter ist mit Bilateral 602 ein absoluter Überraschungshit gelungen. Die treibenden Beats und fetzigen Gitarren bilden gemeinsam mit dem immer wieder eingesetzten Piano eine sehr hörenswerte, einprägsame Symbiose, die direkt ins Mark geht. Vor allem die erste Hälfte des Albums ist absolut überzeugend und es fällt schwer, etwas vom Stil her Vergleichbares zu finden, denn irgendwie werden hier mit Industrial, Gabber und sogar ein wenig Hiphop Genres zusammengebracht, die man so nur selten zusammen hört. Wer offen für etwas anderes ist, dem möchte ich Bilateral 602 wirklich ans Herz legen. Ich bin sehr positiv überrascht worden!
Effter – Bilateral 602 (Album)
Facts:
- Tracks: 13
- Gesamtspieldauer: 51:08
- Releasedatum: 27.05.2011
- Genre: Industrial / Noise
- Homepage: www.effter.com
- Anspieltipps: Godless, Suffer, Jail
Wertung: 8.5 von 10 Punkten
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