Filmriss: Entourage (Season 01)
Ach, das Leben als Filmstar muss schön sein! Genug Geld, interessante Bekanntschaften, alle himmeln einen an und man muss sich um fast nichts selbst kümmern. Das müssen dafür die Agenten und Manager, deren Job im Vergleich doch deutlich stressiger zu sein scheint. In der US-Dramedy Entourage erlebt man als Zuschauer beides.
Dreh- und Angelpunkt der Serie ist das aufstrebende Schauspieltalent Vincent Chase, gespielt von Adrian Grenier, für den das seine bisher größte Rolle ist. „Vince“ wird stets begleitet von seiner Entourage, seinen besten Freunden und seinem ebenfalls schauspielernden Bruder Johnny (Kevin Dillon, „Poseidon“), der aber eher ein kleines Licht ist und um jede Rolle betteln muss. Sein Freund Eric (Kevin Connolly, „Er steht einfach nicht auf Dich“) fungiert als Vincents persönlicher Assistent und Mädchen für alles – was sogar das Lesen von potentiellen Drehbüchern einschließt. Der letzte im Bunde ist Turtle (Jerry Ferrara), das Paradebeispiel eines Schmarotzers und Nutznießers des Erfolgs eines seiner besten Freunde. Gemeinsam mit Vincents erfolgreichen Agenten Ari Gold (Jeremy Piven) wollen sie dem smarten Frauenschwarm zum neuen Star in Hollywood machen.
Mit lediglich acht knapp halbstündigen Folgen ist die erste Staffel extrem kurz und kommt daher auch kaum über den Status einer Einführung hinaus. Setting, Personen und Stil der Serie lassen sich schon erkennen, von Tiefgang kann allerdings überhaupt nicht die Rede sein. Die Serie glänzt vor allem durch den Cast und die diversen namhaften Gaststars, die sich in den meisten Fällen selbst spielen, zum Beispiel Jessica Alba, Scarlett Johansson oder Mark Wahlberg. Letzterer fungiert auch als Produzent der Serie und viele seiner eigenen Erfahrungen sind die Grundlage für einige Handlungstränge der Serie.
Der erwähnte fehlende Tiefgang äußert sich vor allem in der Tatsache, dass die Schattenseiten des Business nur grob angerissen werden: Eine schlechte Filmkritik erscheint, ein starker Konkurrenzfilm feiert zur gleichen Zeit Premiere – das sind interessante Themen und eine gute Chance, einmal wichtige Abläufe und Entscheidungen hinter den Kulissen, die den Zuschauer allenfalls am Rande erreichen, zu zeigen. Leider wird diese Chance vertan, das Happy End lässt meist nicht lang auf sich warten und wirkt vollkommen zufällig eingetroffen, der Glanz der Traum- und Wunderfabrik Hollywood bekommt keinerlei Kratzer. Realistisch ist das vermittelte Bild ziemlich sicher nicht, im Gegenteil.
Entourage lebt von der Figurenkonstellation. Vincent würde mit seiner sorglosen, naiven Art ohne seine Freunde von einer Katastrophe in die nächste geraten, andersherum sind seine Freunde auch vollkommen abhängig von ihm, er unterhält sie und sie strahlen in seinem Glanz, an den sie sich längst gewöhnt haben. Jeder nutzt das auf seine ganz eigene Art, ob es nun Vincents Bruder Johnny ist, der über ihn an bessere Rollen kommen möchte oder der Möchtegern-Hipster Turtle, der nur wegen seines berühmten Freundes Beachtung findet – was man nicht zuletzt an den hämischen, wenn auch ironischen Kommentaren der anderen Freunde erkennt. Am tiefsten ist da noch die Freundschaft zwischen Vincent und Eric, deren beste Freundschaft etwas tiefer zu gehen scheint, weshalb sie auch die einzigen sind, die ärgere Meinungsverschiedenheiten austauschen.
Die bei weitem interessanteste Figur ist die von Vincents Agenten Ari Gold. Nicht nur, dass die meisten skurrilen und komischen Szenen auf sein Konto gehen, er gibt in seinem Verhalten auch ein ziemlich gutes Abbild menschlicher Schwächen ab. Mit seinem extrem hohen Geltungsdrang stellt er sich auf eine Stufe mit dem Schauspieler, also dem eigentlichen Star, wenn nicht sogar höher. Er braucht und sucht die Bestätigung in seinem Job als Kompensation zu seinem eher kümmerlichen Privatleben, in dem er von seiner Frau die Befehle bekommt und Hilfe in Form von Tabletten fürs Bett benötigt.
Durch ihren Soundtrack, der sowohl Hip-Hop- als auch Rock- und Indie-Songs aufweist, gewinnt die Serie extrem. Die musikalische Untermalung unterstreicht das Geschehen mit bekannten Szenen aus den jeweiligen Musikvideos der Genres . Schöne Frauen, teure Luxusschlitten, schönstes Wetter und aufpolierte Kulissen: So stellt man sich Hollywood vor.
Fazit: Entourage ist keine tiefgreifende Dramaserie, die einem einen detaillierten und realistischen Blick in die vielleicht nicht immer so schillernde Welt Hollywoods offeriert, sondern eher seichte Unterhaltung mit einem ausgeprägten Wohlfühlfaktor, die vor Schauwerten und Gaststars nur so strotzt. Im Zentrum stehen klar die Charaktere und ihre wechselseitige Wirkung zueinander. Wenn man einfach nur mal abschalten und in eine andere Welt abtauchen möchte, kann man Entourage durchaus empfehlen. Steigerungspotential ist aber noch vorhanden.
Link-Container:
Review von bullion
Entourage in der IMDb


5 Kommentare
sprity - 07.09.2011 at 23:29
Das Steigerungspotential wird auch noch ausgeschöpft. Eigentlich von Staffel zu Staffel. Es wird immer besser.
bullion - 08.09.2011 at 9:00
Oh, keine Punktewertung mehr?
Die erste Staffel birgt auch aufgrund ihrer kurzen Laufzeit noch Steigerungspotential. Staffel 2 und 3 werden noch besser. 4 und 5 sind okay, danach geht es leider Berg ab.
Konna - 08.09.2011 at 9:42
Nein, keine Punktewertungen mehr. Eine nicht-repräsentative Umfrage hat ergeben, dass die meisten keine Punktevergabe bevorzugen. Und ich denke auch, die Review sollte mehr für sich sprechen dürfen. Ich denke und hoffe, dass man herauslesen konnte, wie mir die erste Staffel gefallen hat.
Also euren Aussagen nach kann ich mich ja zumindest auf die nächsten Staffeln freuen. Dann bin ich mal gespannt!
bullion - 08.09.2011 at 10:01
Die Umfrage muss ich verpasst haben
Ich mag Punktewertungen nach wie vor, da man – wenn man schon ein paar Reviews des Kritikers gelesen – sich ein ziemlich gutes Bild machen kann, wie der Film/die Serie im direkten Vergleich so in seinem Ansehen dasteht. Aussagekräftiger ist natürlich die Besprechung an sich – aber die gibt es ja sowieso…
Konna - 08.09.2011 at 17:16
Wir sind ja auch nicht bei Facebook verbunden und Twitter hast du ja nicht wie ich 24/7 auf dem Schirm.
Aber ich könnte in der Tat auch mal hier im Blog fragen und mal wieder eine Leserumfrage starten. Mal schauen!
Wenn es dir hilft: Ich hätte vielleicht ne 6.5 oder 7 gegeben.