‘Komm und jetzt mach mal!’ Ich höre noch heute meinen Vater mit energischer Stimme diese Worte sagen. Er packte meinen Arm fest, aber nicht zu fest und zerrte mich zu meinem Schreibtisch, auf diesem war gerade noch genug Platz für ein paar Blätter Papier und einem Stapel Buntstiften. Etwas verzweifelt sah ich ihn an, schließlich hatte er auf dem Weg nach Hause kein Wort gesagt. ‘Mach das nochmal.’ Er deutete auf ein gekritzeltes Bild von ihm und seiner Freundin hin, dass wenige Stunden zuvor auf einem Notizblock entstanden war.
So in etwa erinnere ich mich an meine erste bewusste Begegnung mit der Portraitkunst an sich.
In etwa 15 Jahre später sitzt man nun vor einem leeren Blatt Papier und denkt an diesen Moment, spürt die kritischen Blicke hinter dem Rücken. Die erste Berührung mit dem Bleistift .. ‘Schei*e Lexi, dass hier muss grandios werden!’ Zerknülltes Blatt wandert in den Mülleimer. Zweiter Versuch, gar nicht so schlecht. Jetzt eine Pause mit einem Glas Wasser. Wenige Momente später wieder zurück bei den ersten Skizzen, Glas ist sicher platziert und es kann weiter gehen, aber warte.. Was zur Hölle? Ein suchender dann erschrockener Blick als man den Hund auf dem Sofa erkennt, Skizze zerknittert neben sich, freudig hechelnd und einem der guten Farbstifte im Maul. Super! Natürlich eine außerordentlich tolle Idee am Wohnzimmertisch zu zeichnen anstatt wie sonst im Arbeitszimmer.
Den Fehler macht man nicht wieder, nimmt seine Sachen und verfrachtet sie im eben erwähnten Raum. Das Glas Wasser muss auch noch mit (ihr wisst jetzt was kommt), anstatt den Weg noch einmal anzutreten nimmt man lieber alles auf einmal. War die Tür immer schon so eng? Gut dann muss man schräg durch die Tür, wäre ja kein Problem wenn nicht irgend jemand den Boden extra (und bestimmt erst kurz zuvor!) frisch geschrubbt hätte. Da sitzt man also auf seinem Hintern, Papier nass, Glas leer.
Beim vierten Anlauf ging es dann doch und ich konnte das Portrait für den Gastbeitrag fertigstellen.
Passiert mir sonst auch nie.
Die richtige Musik, das richtige Material und schon steht meiner Arbeit nichts mehr im Wege, der Rest kommt dann von ganz alleine.
Zuerst kommt eine Vorzeichnung bei der ich fast ausschließlich mit einem mittelharten Bleistift (meist HB) arbeite, wichtig dabei ist eine exakte Gesichtsform und bereits gut vorgezeichnete Merkmale wie Augen, Nase, etc. damit dann alles dort ist wo es hingehört. Das ist auch der letzte Moment bei dem man noch gut korrigieren und ausbessern kann. Danach wird auf einen weicheren Bleistift gewechselt (B) und ich arbeite teilweise auch schon mit schwarzen Buntstiften für Schattierungen und Muster sowie Konturen, für Glanzeffekte und helle Punkte. Dazu dient dann ein härterer Bleistift (H). Um helle Punkte noch besser hervor zu heben dient dann auch ein guter Radiergummi. Das sieht man im Bild 1.
Danach wähle ich eine Farbe die das Vorlagenbild dominiert, in diesem Fall war das rot. Damit verfeinere ich die Kontur um eine bessere Farbe der Haut zu erreichen und arbeite mich dann über das Bild für Schatten und um andere Farbtöne später hervorzuheben zB wie das Braun des Hemdes einen leichten Rotton hat. (Siehe Foto und Bild 2)
Zuletzt folgen dann die anderen Farben, ich arbeite mich vom Hals abwärts und am Ende bekommen dann das Gesicht und die Haare die richtigen Farben. Der letzte Schliff ist dann der blaue Hintergrund um die Person hervorzuheben und eine Farbkorrektur mit einem weißen Buntstift und dem Radiergummi um Händen und Gesicht Glanz und Leben zu verleihen.
Zu guter letzt mein herzlicher Dank an Konna für die Chance auf einen Gastbeitrag in seinem tollen Blog, auf dass er gerade seinen Urlaub in vollen Zügen genießt.
[stextbox id="grey"]
Über die Autorin: Lexi, Jahrgang ’87, aus dem schönen Österreich hat eine ausgeprägte künstlerische Ader, die sie auf vielen verschiedenen Arten und Weisen, zum Beispiel Malerei, Fotografie und Musik auslebt. Mehr davon lesen, sehen und bestaunen kann man auf ihrem Blog Lexi’s BloG, wo sie auch private Dinge aus ihrem Leben berichtet und die Leser an ihrer Gedankenwelt teilhaben lässt.[/stextbox]



Wow das ist WAHNSINN! Mir fehlen die Worte, grandios und die Augen so lebensecht!
Wow ich bin schwer beeindruck. Das sieht aus als ob Konna sich das Lachen gleich nicht mehr verkneifen kann und sich dann bewegt, wodurchh das Foto verwackelt. Sehr genial
und die Beschreibung ist natürlich auch sehhr sympathisch, kommt einem so bekannt vor
DAnke fürs teilen!
Einfach nur Wow! Eine wunderschöne Zeichnung und auch den Stil mag ich.
Ich hatte früher auch mal angefangen zu zeichnen, aber mir fehlt so ein bisschen das Durchhaltevermögen und die Konsequenz mich jetzt genau an die Arbeit zu setzen, wo es doch so viel anderes gibt, womit man seine Zeit vertrödeln kann.
Wirklich klasse! Ich könnte mir solche Sachen immer stundenlang mit wachsender Begeisterung ansehen. Früher wollte ich auch immer so toll zeichnen können, aber irgendwie fehlte mir da die nötige Begabung für… und vielleicht auch der Biss, den bereits Yuki angesprochen hat.
Wie lange sitzt man eigentlich -im Durchschnitt- an einem solchen Portrait, wenn es nicht gerade solche Anlaufschwierigkeiten wie in dem hier vorgestellten Fall gibt?
Hehehe, willkommen im Club.
Ich hab allein für die Vorskizzen, also die groben Umrisse schon immer – je nach Größe – ein bis drei Stunden gebraucht, bis ich zufrieden war. Und du siehst ja oben, was sich Lexi dann mit den ganzen Farben noch für eine Arbeit gemacht hat. Aber mit ein bisschen Routine und Talent, wird man wohl schneller mit der Zeit…
Das mit der Routine würde ich nach einiger Zeit vielleicht noch hinbekommen, aber auf das Talent hat man ja leider nur begrenzt Einfluss. Schade eigentlich, dass man sich das nicht bei der Geburt aussuchen kann
Wobei man wahrscheinlich immer ein wenig neidisch auf andere mit genau den Talenten blickt, die man selbst nicht hat. Könnte ich so toll zeichnen, würde ich vielleicht seufzen, dass ich kein begnadeter Musiker bin – wobei ich das jetzt auch nicht bin, aber gerne wäre
That’s life^^
Ach, gut zeichnen können oder Musiker. Wenn ich mir das bei der Geburt hätte aussuchen können, wär ich Milliardärin und könnte mir jedes “Talent” kaufen. Ne, Spaß beiseite, da hast du vollkommen Recht! Im Kunst LK fand ich alle anderen talentierter, aber mir hat man auch schon oft gesagt, dass ich Talent habe, also muss wohl ein Fünkchen Wahrheit drinstecken und man erkennt es vielleicht einfach nur selbst nicht?
Ich kann mich den anderen nur anschließen: das sieht wahnsinnig gut aus! Wie ein Foto!
Wahnsinn!!! Ich bin sprachlos, das ist echt toll geworden!
Erstmal vielen Dank an euch alle, freue mich riesig über das ganze Feedback.
♥
@Sascha
Generell brauche ich für eine Buntstiftzeichnung wie diese je nach Details und Größe 4-6 Stunden, wie Yuki_Keylin schreibt, braucht man meistens für besagte Skizzen am längsten, wenn alles passt, die Proportionen und Details stimmen, ist der Rest meist schneller erledigt als die Vorarbeit.
@Lexi
Vielen Dank für die Antwort. Das Ergebnis ist -meiner Ansicht nach- jede einzelne Minute der 4-6 Stunden wert. Machst du denn “nur” solche Buntstiftzeichnungen oder auch Bleistiftzeichnungen oder Malerei mit anderen Materialien? Und was malst / zeichnest du am liebsten? Portraits, Gebäude, Landschaften? Gibt es da bestimmte Vorlieben oder wechselt das nach Lust und Laune?
Vielen Dank!
Am längsten zeichne ich mit Blei- und Kohlestiften, die Arbeit mit den Buntstiften habe ich erst seit kurzem begonnen und auch lieb gewonnen. Bevor ich das entdeckt habe waren meine bunten Bilder mit Öl- und/oder Acrylfarben.
Am liebsten zeichne ich Portraits, aber auch Tiere bieten eine große Herausforderung die sehr viel Spaß macht. Mit Landschaftsbildern oder Naturbildern habe ich bisher kaum gearbeitet, aber wer weiß was sich ergibt.
Danke für dein Interesse!
Sehr sehr cool!
Super schönes Bild. Finde es ist sehr realistisch geworden.
g e n i a l!!!
Kompliment!
Ich würde mich von Dir nicht zeichnen lassen; bzw. nur mit sehr, sehr weichen Stiften
Kompliment!
Danke nochmals an alle ♥
wow! was soll man dazu noch sagen? ähm. Genial? Geil? Einfach nur… wow?
Danke nochmals für den Beitrag, Lexi. Ich habe dir ja schon gesagt, wie genial ich das Bild finde. Finde auch den Text zur Entstehung sehr sympathisch und es tut mir Leid, dass du solche Startschwierigkeiten hattest. Aber dafür ist das Bild wirklich perfekt geworden und ich kann nur meine tiefste Bewunderung dafür aussprechen. Großartig!