Wenn man ein Album fast ein Jahr lang immer wieder rauf und runter hören kann, dann muss es wirklich gut sein. Abwechslungsreich, melodisch, mit einem gewissen Ohrwurm-Charakter und einem durchgängigen Hunger nach noch einem Durchlauf. So ein Album ist “My Beautiful Dark Twisted Fantasy” von Kanye West. Der US-Rapper, der in den letzten Jahren der HipHop- und Popmusik eindeutig seinen Stempel aufdrückte, erschuf mit seinem fünften Studio-Album, das in Deutschland im November 2010 erschien, ein musikalisches Meisterwerk der Extraklasse. Klingt übertrieben und überzogen? Ist es aber nicht.
Mit diesem Album hat Kanye West seinen Siegeszug an die Spitze der US-Charts fortgesetzt. Vier seiner fünf Alben landeten auf Platz 1. Lediglich sein Debüt-Album “The College Dropout” musste sich mit Platz 2 begnügen. Wahnsinn. In Deutschland reichte es für “My Beautiful Dark Twisted Fantasy” übrigens lediglich zu Platz 19. Irgendwie schade, wurde das Album doch vom Rolling Stone als bestes Album 2010 betitelt. Nun denn. Passiert.
Ein Zitat aus Roald Dahls “Cinderella”, zum Besten gegeben von Nicki Minaj leitet das Album und den Song “Dark Fantasy” ein. Ein spannender Track mit wahnsinnig viel Dynamik. “Can we get much higher?” dröhnt aus den Boxen. Die Antwort auf diese Frage werden die nächsten 12 Songs beantworten. Doch erst einmal wird es dann mit “Gorgeous (feat. Raekwon & Kid Cudi)” ruhiger. Ein Song, der die Dynamik, die Kraft des ersten Songs bewusst durchbricht. Auf dem Weg zu einem echten Highlight. Gemeint ist “Power”. Schneller, imposanter, mitreißender, lauter. Perfekt. Große Kunst.
Es folgt “All of the Lights (Interlude)”. Das Zwischenspiel soll zum nächsten absoluten Knaller hinführen – zu “All of the Lights (feat. Rihanna & Kid Cudi)”. Allein bei einem Blick auf die Künstler, die bei diesem Song mitwirkten, wird einem schwindelig. John Legend, The-Dream, Alicia Keys, Fergie, Kid Cudi, Elton John, Ryan Leslie, Tony Williams, Charlie Wilson, Elly Jackson und Rihanna. Was will man mehr? Stimmt. Nichts. Denn der Klang dieses Songs ist mehr als nur einzigartig. “Turn up the lights in here, baby”. Weiter geht es mit “Monster (feat. Jay-Z, Bon Iver, Rick Ross & Nicki Minaj)”, einem absolut tollen Song, der vor allem im hinteren Teil ordentlich zulegt. Im Anschluss an diese tollen Tracks folgt dann mit “So Appalled (feat. RZA, Jay-Z, Prynce Cy Hi, Pusha T & Swizz Beatz)” eher einer der schwächeren Sorte. Leider. Aber man braucht ja auch mal Pause, um die Euphorie zu verarbeiten. Gilt übrigens auch für den nächsten Song “Devil in a New Dress (feat. Rick Ross)”.
Anders sieht es dann schon wieder bei “Runaway (feat. Pusha T)” aus. Zu Beginn hört man nur ein Klavier… langsam, interessant, anders. Gute 40 Sekunden lang. Dann geht der Song langsam aber beständig richtig los. Dieser Song geht einem nicht mehr aus dem Kopf, wenn man ihn einmal gehört hat. Er ist mein Favorit. Ein Muss. Und er strotzt vor Dynamik. Nach 6 Minuten gibt es einen erneuten Bruch, der in einem Gitarrensolo zum Ausdruck kommt, das seinesgleichen sucht. “Hell of a Life” schließt daran an. Erfolgreich. Geniale Melodie, genialer Beat. Nun ist es Zeit für etwas Trauriges. So kommt “Blame Game (feat. John Legend)” daher. Eine zerbrochene Liebe… so schmerzhaft, so tragisch, so herzzerreißend.
Das Ende findet dieses Album mit den beiden Songs “Lost In the World (feat. Bon Iver)” und “Who Will Survive In America”, die ineinander übergehen. Erstgenannter bringt einem einen wahnsinnig tollen Text, Letzgenannter lässt mit Teilen des “Comment No. 1″ von Gil Scott-Heron das Album ein würdiges Ende finden.
Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy (Album)
Facts:
Tracks: 13
Gesamtspieldauer: 68:42
Releasedatum: 19.11.2010
Genre: Hip-Hop
Homepage: www.kanyewest.com
Anspieltipps: Power, All of the Lights, Runaway
Fazit
Das Album ist genial. Es ist vielseitig. Strotzt vor Dynamik. Es gibt faszinierende Stilbrüche, tolle Texte, wunderbare Melodien. Zwischendurch gibt es einen Mini-Durchhänger, aber der tut nicht weiter weh, sondern lädt eher dazu ein sich auf die kommenden Stücke zu freien. Mit 69 Minuten Spielzeit wird einem eindeutig ordentlich was geboten. Für mich eines der besten Alben der letzten 10 Jahre. Ganz sicher. Vor allem, weil man spätestens beim 10. Track etwas wehmütig wird, da sich das Ende langsam nähert.
Über den Autor: Lordy schreibt schon seit Jahren seinen eigenen Blog, ist bei Facebook und Twitteraktiv und freut sich immer über neue Kontakte. Er ist Student an der Ruhr-Universität Bochum, wohnt demnach im Ruhrpott, ist dauernd unterwegs, Serien-Junkie, Wii-Freak und treuer BVB-Anhänger.

















3 Kommentare
Danke für diesen ausführlichen CD-Check! Vielleicht sollte ich doch mal ein oder beide Ohren riskieren. Deine Begeisterung bringst du jedenfalls gut rüber.
Solltest du wirklich. Kann ich nur empfehlen. Und freut mich, dass die Begeisterung gut transportiert wurde
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