CD-Check: Otto Dix – Wonderful Days
Otto Dix war ein berühmter deutscher Maler des 20. Jahrhunderts und sollte jedem bekannt sein. Sein Werk war recht vielfältig, als roter Faden stach jedoch die Nähe zum Realismus hervor. Ironischerweise ist das das genaue Gegenteil der russischen Band Otto Dix, die die Künstlichkeit und Verfremdung nicht nur äußerlich, sondern auch musikalisch betreibt. Bisher konnte sie auch nur in ihrer Heimat zu größerem Erfolg kommen, mit dem neuen Album Wonderful Days soll sich das aber ändern.
Erste Auffälligkeit ist für das mitteleuropäische Ohr die russische Sprache. Die Titel wurden zwar freundlicherweise auch ins Englische übersetzt, aber wirkliche Rückschlüsse auf die Inhalte lassen sich nicht ziehen. Die Konzentration gilt also den musikalischen Aspekten. Eine recht einnehmende Stellung übernimmt hier der Gesang von Sänger Michael Draw, der gezielt mit Genderaspekten kokettiert. Das androgyne Äußere spiegelt sich wider in fast extatischem Countertenor-Gesang mit Höhen, die wirklich beeindrucken, besonders auch vor dem Hintergrund, dass Draw diesen Sang nie klassisch ausgebildet hat. Dass er dann stellenweise auch noch verfremdet wird, ist fast schon als Verschwendung zu betrachten, allerdings lässt sich das Ergebnis wirklich gut hören. Wenn sich tiefe und hohe Passagen abwechseln, könnte man fast meinen, er würde mit sich selbst ein Duett singen (zum Beispiel in Machine).
Doch der beste Gesang nützt natürlich nichts, wenn die Musik ihn verdirbt. Das ist zum Glück nicht der Fall, die elektronischen Sounds sind abwechslungsreich gewählt, aber nicht aufdringlich und transportieren verschiedene Stimmungen sehr gut, sodass man zumindest eine ungefähre Vorstellung davon bekommen kann, was die Songs inhaltlich aussagen könnten, auch wenn man den Text nicht versteht. Harte treibende Songs (Iron Rod) mischen sich zwischen vornehmlich harmonischere Tracks, die teils sogar mit Streichinstrumenten unterlegt sind (A Man Who Doesn’t Write Prose, Little Prince). Alles ist mit einer gewissen Melancholie hinterlegt, die sich über das ganze Album trägt, in Höhepunkte ausschlägt und wieder absinkt. Ein wenig russisches Flair – würdevoll und mit einer bewegten Vergangenheit ausgestattet – ist bei dieser Achterbahnfahrt stets dabei. Es ist eine faszinierende Stimmung, die das ganze Album über aufgebaut wird.
Der Umfang von Wonderful Days kann sich sehen lassen: 13 Tracks mit eine Länge von gut 55 Minuten sind ein sattes Pfund, zumal sich kein Füllmaterial auf dem Album befindet.
Otto Dix – Wonderful Days (Album)
Facts:
Tracks: 13
Gesamtspieldauer: 55:11
Releasedatum: 04.11.2011
Genre: New Wave / Gothic
Homepage: www.ottodix.ru
Anspieltipps: Machine, A Man Who Doesn’t Write Prose, Little Prince
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Fazit
Kurzum: Wonderful Days ist ein rundum gelungenes und toll geschriebenes Album, beginnend bei dem begeisternden Countertenor-Gesang bis zu der dichten Atmosphäre und Stimmung, die mit Hilfe der Musik erzeugt wird. Konzeption und Umsetzung des Albums sind aus einem Guss und alles greift perfekt ineinander, Detailarbeit mit Streichinstrumenten verleihen den Songs das gewisse Etwas und machen es zu einem besonderen Erlebnis, nicht nur für Leute mit einem Faible für Countertenor-Gesang und Russland. Es wäre Otto Dix zu wünschen, dass mit diesem Album der Erfolg über die eigenen Landesgrenzen hinaus kommt.

