CD-Check: Unterschicht – Dreckig und Laut

Der erste Eindruck eines Albums ist hin und wieder ja doch ein optischer. Wie das, wird sich vielleicht mancher fragen. Doch wer noch zur guten alten CD greift und seine Musik nicht aus dem Netz bezieht, der kommt meist in den Genuss des Covers, bevor er auch nur einen Ton gehört hat. Als ich das Debutalbum Dreckig und Laut von der Band Unterschicht das erste Mal in den Händen hielt, war ich mir noch nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll. Der Name scheint Programm zu sein. Macht euch am besten selbst ein Bild, unten könnt ihr das Cover ja sehen. Dennoch zählt natürlich die Musik, an die ich mich vorurteilsfrei herangewagt habe. Meine Eindrücke:

Das ruhige, entspannte Intro ist eine ziemliche Irreführung, völlig unvermittelt wird es laut und Die Unterschicht sagt uns mit einem etwas billig wirkenden Stimmverzerrer, dass sie uns tanzen sehen will. Blöd nur, dass die Musik immer durch kurze Wortpassagen unterbrochen wird. Relativ schnell werden Marschrichtung und Konzept des Albums: Die elektronische und auf Tanz ausgelegte Musik wird mit (gesellschafts-)kritischen Texten unterlegt, die man sonst eher aus dem Punkgenre kennt. Leider werden die an sich durchaus relevanten und teils auch richtigen Aussagen in ein recht dünnes Wortkorsett gezwängt, das stellenweise sehr unbeholfen wirkt (Systemfehler, „Eine Faust ist allein / Doch im Gesicht ist sie gemein“). Mit Massenpanik wurde sich auch der Ereignisse um die Tragödie zur Loveparade in Duisburg angenommen, hier wurden Nachrichten- und Dokumentationsausschnitte zusammengeschnitten und mit Musik hinterlegt. Das hat man zu anderen Themen aber schon besser gehört.

Die beiden Unterschichtler versuchen einige ihrer Songs mit einer gehörigen Prise schwarzem Humor zu würzen, das Pendel schlägt da für meinen Geschmack zu oft in Richtung Niveaulimbo aus (Electropussy, Kannibale), das mag aber durchaus auch Geschmackssache sein. Musikalisch kommt das Duo irgendwie nicht richtig in Fahrt und somit über den Durchschnitt hinaus. Insgesamt zu technoid und mit viel zu wenig Abwechslung scheinen sich die beiden Musiker noch in einer gewissen Findungsphase zu befinden. Trotzdem sind einige durchaus kurzweilige, eingängige Tracks (Endstation) entstanden. Die recht markanten Bassdrums rumpeln kräftig und unterstreichen den gewollt prolligen Auftritt von Sven Hegewald und Dennis Kleist. Dass dadurch allerdings die Ernsthaftigkeit, die in Tracks wie Ave geboten wäre, leidet, ist natürlich klar.

Über den Umfang von Dreckig und Laut kann man sich auf jeden Fall nicht beschweren. Auf satte 73:50 Minuten Spielzeit bringt es das Album bei 19 Tracks, von denen zwei Remixe von Systemfehler und Massenpanik sind.

[stextbox id="info" image="null"]Unterschicht - Dreckig und Laut

Unterschicht – Dreckig und Laut (Album)

Facts:
Tracks: 19
Gesamtspieldauer: 1:13:50
Releasedatum: 04.11.2011
Genre: Electro Industrial
Homepage: www.die-unterschicht.net
Anspieltipps: Topmodel, Ave, Endstation
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Fazit

Daumen mittel runter

3.5 / 10 Punkten

Du magst prolliges, testosteronreiches Auftreten im unteren Niveaubereich, technoide, bassdrumlastige Musik und hast eine gewisse Punkattitüde? Dann könnte Dreckig und Laut von Unterschicht genau das Richtige für dich sein! Ansonsten dürfte der Großteil des Albums recht enttäuschend auf dich wirken. Ein paar Tracks lassen zwar Potential aufblitzen und bringen kurzzeitig zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken und könnten sich auf der Tanzfläche sehr gut machen, aber nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird das Album wohl nicht.

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2 Kommentare

  1. GraveGirl says:

    Tja, die Geschmäcker sind verschieden. Mir gefällt das Album sehr und hab bereits zu “Und nun Sex” in der Disco kräftig abgefeiert :)

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