CD-Check: Mental Defect – Longplayer
Wenn man als Band das erste Album veröffentlicht, gleicht das immer ein bisschen einem Glücksspiel. Noch ist man völlig unbekannt und ob die Musik, in die man so viel Herzblut gesteckt hat, der Masse auch gefällt, kann man kaum absehen. So etwas ähnliches könnten sich auch die Melodic Metaller Mental Defect gedacht haben, die ihr Debutalbum zumindest vom Design her im Spielhallen- und Glücksspielthema gestaltet haben. Ab dem 25. November werden sie erfahren, ob sie den Jackpot geknackt haben, einen Vorgeschmack auf das, was euch erwartet, gibt es hier bei mir.
Mit Metal hat das Intro Cronically Ill so ziemlich gar nichts zu tun. Mit Synthies, Gothic- und Wavelementen wird eine düstere und mysteriöse Stimmung erzeugt, die Lust auf mehr macht und dann direkt in den ersten richtigen Track, Wasted Love übergeht. Ja, das ist schon deutlich metallischer, sobald die Schlagzahl bei den Drums höher wird, die E-Gitarren losfetzen und Growls die Lyrics nur so hinrotzen. Besonderheit bleiben die Synthies, die sich nicht gänzlich vertreiben lassen, aber im Hintergrund bleiben und der Klargesang von Frontfrau Claudia Bauer-Korzin, die mit angenehmer, eher tieferer Stimme einen gelungenen Gegenpart zu den Growls darstellt (z.B. May The Force Be With You). Dafür, dass den Stimmen recht viel Raum gegeben wird, könnten sie noch ein wenig mehr Energie und Variabilität vertragen. Mit etwas mehr Detailarbeit, wie sie sonst reichlich in den Tracks betrieben wird, kann man da noch eine Menge herausholen.
Ein wenig ratlos macht die Dramaturgie der einzelnen Songs, die sich zwar durch viele Wechsel auszeichnet, diese aber oft viel zu abrupt vollzieht, die Übergänge dürften gern etwas weicher sein. Positiv hervorzuheben ist allerdings eine gewisse Experimentierfreude der Sachsen, die sich nicht scheuen, auch mal Elemente aus Wave und EBM in ihre Songs einzubauen (Feel It), die dem restlichen musikalischen Korsett eine besondere Note geben und der Band Eigenständigkeit verleihen. In diese Richtung sollte sich Mental Defect ruhig weiterbewegen, in dieser Nische klingen sie absolut unverbraucht und könnten sicherlich einige Freunde gewinnen. Ansonsten hat man viel eben doch schon mal irgendwo gehört, wobei die stellenweise gezogenen Vergleiche mit Evanescence unpassend sind und eher ins Reich der Marketinggags zu verbannen sind. Konzeptionell mag es vielleicht noch Parallelen geben, der Sound ist aber ein anderer und man tut der Band keinen Gefallen damit.
Für den Albumtitel Longplayer hätte man sich eigentlich eine längere Spielzeit als 38:29 Minuten vorgestellt. Zusätzlich sind zwei der elf Tracks auch lediglich Remixe, bleiben also nur noch neun Tracks inklusive Intro.
Mental Defect – Longplayer (Album)
Facts:
Tracks: 11
Gesamtspieldauer: 38:29
Releasedatum: 25.11.2011
Genre: Melodic Dark Metal
Homepage: www.mental-defect.com
Anspieltipps: May The Force Be With You, Behind My Pride, Feel It
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Fazit
Das Debut von Mental Defect lässt einiges Potential erkennen, noch wirkt die Band wie ein Rohdiamant, der noch darauf wartet, geschliffen zu werden. Die im Mittelpunkt stehenden Gesangsparts mit männlichen Growls und weiblichem Klargesang sind vielversprechend, könnten aber noch mehr Variabilität bieten. Am vielversprechendsten sind die Songs, die leichte Einflüsse aus Electro-Genres aufweisen können und wenn die Band diesen Weg in Zukunft noch stärker beschreitet, wird sie ihren Weg mit Sicherheit machen. Im Auge behalten sollte man die Truppe aber auf jeden Fall, stehen sie ja noch am Anfang ihrer Laufbahn. Longplayer ist als erste Kostprobe dafür zu sehen.



2 Kommentare
Sumi - 24.11.2011 at 20:05
Die Position sieht schmerzhaft aus! oO
Konna - 26.11.2011 at 11:01
Und ich dachte schon, ich wäre allein mit dem Gedanken!