CD-Check: The Beauty Of Gemina – Iscariot Blues

The Beauty Of Gemina - Iscariot Blues

Tracks: 10
Gesamtspieldauer: 44:42
Releasedatum: 13.01.2012
Genre: Alternative / Dark Rock
Homepage: www.thebeautyofgemina.com
Iscariot Blues bei Amazon kaufen / als MP3 laden

Zwar verspricht ein Freitag der 13. nicht gerade viel Glück, wenn man abergläubisch ist, bei genauerer Betrachtung stellt man aber fest, dass dieser Tag der perfekte Zeitpunkt für die Schweizer The Beauty Of Gemina ist, ein neues Album herauszubringen.

Das letzte Jahr über hat man auf zahlreichen Festivals gespielt und ist auf Deutschlandtour mit Unheilig gewesen und hatte die Gelegenheit, vor vielen Menschen zu spielen und sie von den eigenen Qualitäten zu überzeugen. Mit neuem Material in Form des Albums »Iscariot Blues« möchte man die Chance nutzen und alte sowie neue Fans gleichermaßen an sich ziehen. Viel Veränderung sollte es dazu nicht bedürfen, wurden die bisherigen Alben doch von Kritikern sehr positiv eingeschätzt. Dennoch merkt man schon den ersten Tracks »Voices of Winter« und »Haddon Hall« an, dass die Musik ein ganzes Stück massentauglicher geworden ist – wenngleich auch immer noch weit weg genug vom Mainstream zu sein.

Doch regierten früher eine düstere, von Pathos regierte Atmosphäre die Songs, die nicht selten Überlänge hatten, tritt nun die E-Gitarre mehr in den Vordergrund, die Musik ist geradliniger und mehr auf den Punkt gebracht. »Badlands« wartet sogar mit einer Note Western- und Outlawflair auf und vermischt dieses mit Wave-Elementen, um anschließend mit »Golden Age« eine flotte Rocknummer hinzulegen. Über Abwechslung kann man sich auf diesem Album wahrlich nicht beschweren.

Am ehesten an vorherige Alben erinnert noch die erste Single »Stairs«, die mit einer unglaublich dichten Atmosphäre und einer detailliert ausgearbeiteten Songstruktur unter die Haut geht und Eindruck hinterlässt. Einen nicht unbeträchtlichen Anteil daran hat auch Sänger Michael Sele, der den Songs mit seiner tiefen Stimme das gewisse Etwas verleiht. Umso unverständlicher, dass sie manchmal mit Halleffekt oder ähnlichen Spielereien ihrem Ausdruck beraubt wird. Textlich bleiben die Songs auch eher düster, driften aber auch schon mal ins Gesellschaftskritische und Politische ab. So ist »June 2nd« dem Andenken an den Studenten Benno Ohnesorg gewidmet, der bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien 1967 von einem Polizisten erschossen worden war.

Mit 10 Songs und einer Gesamtspielzeit von knapp 45 Minuten liegt »Iscariot Blues« quantitativ klar unter dem, was The Beauty Of Gemina sonst auf einem Album unterbringen. Doch kommt diese Raffung auch der Abwechslung zugute, auch wenn dem Album zum Ende hin etwas die Luft ausgeht. Sehr gut zu gefallen weiß das gut gestaltete Booklet.

Fazit

Daumen mittel hoch

Ja, The Beauty Of Gemina sind massentauglicher geworden und weichen teils mehr, teils weniger von ihrem bisherigen Stil ab. Aber nein, Mainstream sind sie deshalb noch lange nicht. »Iscariot Blues« überzeugt durch einen hohen Grad an Abwechslung, die Mannen um Bandleader Michael Sele haben sich mit Liebe zum Detail um Songstrukturen und deren Umsetzung gekümmert, was man den Tracks auch anhört. Seles Stimme fungiert dabei  als Fixpunkt, der den Hörer das gesamte Album über mitnimmt. So könnte der Spagat, sowohl alten Fans gerecht zu werden, als auch neue Fans zu überzeugen, tatsächlich gelingen. Verdient wäre es.

Anspieltipps: Haddon Hall, Stairs, June 2nd

Stairs

Verwandte Beiträge

CD-Check: Pavla Mikulasova – Mirror
CD-Check: Escape With Romeo – Samsara
CD-Check: Nehl Aëlin – Le Monde Saha
CD-Check: Adrian H. And The Wounds – Dog Solitude
CD-Check: Dark Drive Clinic – Noise In My Head

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *