Teil 1 war ein grandioser Auftakt, Teil 2 war ein nahezu perfektes Action-Rollenspiel. Mass Effect 3 soll die Saga um Commander Shepard nun also zu einem würdigen Ende bringen.
Die Erde wird von den Reapern angegriffen. Da Shepard und Admiral Anderson nichts gegen die überraschende Invasion unternehmen können, erteilt der Admiral dem Commander den Befehl zu fliehen und Hilfe bei den anderen Spezies der Galaxie zu suchen, da das die einzige Chance für das Überleben jeglichen Lebens darstellt.
Man wird also direkt ins Geschehen geworfen und das ist auch gut so. Man sollte die Vorgänger gespielt haben oder zumindest kennen, bevor man mit Teil 3 beginnt. Spielerisch hat sich nicht besonders viel verändert, die wesentlichen Neuerungen sind, dass man nun auch Nahkampfangriffe machen und seine Waffen modifizieren kann. Weitere Änderungen stecken im Detail, jedoch nicht sonderlich wichtig für das Spielerlebnis.
Was zählt sind Story, Atmosphäre und die Dialoge. Hier spielt Mass Effect 3 seine Stärken aus. Die Geschichte entwickelt sich schneller und intensiver als es noch im zweiten Teil der Fall war. Allerdings fallen dieser Tatsache ein wenig die ruhigen Passagen zum Opfer, bevölkerte Ortschaften mit Läden und Quests gibt es neben der Citadel nicht mehr zu erkunden, stattdessen geht es direkt zu en Missionen. Mass Effect 3 ist deutlich actionorientierter als seine Vorgänger. Das ist zwar gut für die Storykohärenz und Atmosphäre, da ein Bummel durch die Stadt, während die Erde unterworfen wird, doch ein wenig unpassend wirkt, aber für die Abwechslung wäre ein bisschen mehr offene Spielwelt förderlich gewesen.
Die Entwicklung der Geschichte ist mit diversen schwierigen Entscheidungen verbunden, die man als Spieler zu treffen hat, teilweise auch als Auswirkung auf die in den Vorgängern beschrittenen Wege. Minutenlanges Überlegen bleibt da nicht aus. Dabei kommt es zu einem Wiedersehen mit allen wichtigen Charakteren der Vorgänger, wobei man leider nur einen Bruchteil davon in seine Crew aufnehmen kann. Sogar diverse Nebenfiguren tauchen wieder auf. Diverse freudige Wiedersehen sind also vorprogrammiert, genauso, wie es auch den einen oder anderen traurigen Moment gibt.
Perfekt untermalt werden diese Szenen wie auch die restlichen durch den herausragenden Soundtrack von Clint Mansell. Doch gerade diese Augenblicke machen das Spiel zu etwas Besonderem, da sie einem verdeutlichen, welch enge Beziehung man als Spieler zu den (ehemaligen) Teamkameraden aufgebaut hat. Gestützt wird dieses Gefühl durch die ausgezeichnet geschriebenen Dialoge, die sich von banal bis philosophisch um Themen drehen, über die man auch über das Spiel hinaus nachdenken kann.
Umso unverständlicher, dass Bioware diesem wirklich in jeglicher Hinsicht großen Epos ein solches Ende spendiert oder vielmehr zugemutet hat. Die Welle der Empörung, die dem Entwickler schon kurz nach Veröffentlichung entgegenschlug, ist mehr als verständlich. Es ist nicht einmal die Auflösung der Geschichte an sich, die störend ist, sondern die im Vergleich zu den zig Stunden Spielzeit (auf alle drei Teile gerechnet) Kürze, mit der das Ende präsentiert wird. Es bleiben viel zu viele Fragen offen, dazu reihen sich reihenweise Logikfehler aneinander und nicht zuletzt sind die ganzen schwierigen Entscheidungen, die man im Vorfeld während Spiels getroffen hat, nahezu auswirkungslos. Das ist ohne Zweifel enttäuschend und Bioware tut gut an dem Entschluss, eine verbesserte Version des Endes kostenlos anzubieten. Denn nicht weniger hat diese Serie verdient.
Fazit: Mass Effect 3 ist ohne Frage ein absolut tolles Spiel geworden, das einen denkwürdigen Moment an den nächsten reiht. Doch gerade im Vergleich zum Vorgänger offenbart es einige Schwächen in Sachen Abwechslung. War schon Teil 2 deutlich actionorientierter, setzt Teil 3 noch einen drauf. Dazu das enttäuschende Ende. Dennoch ist klar: Wer die ersten beiden Teile gespielt hat, kommt auch um das Finale nicht herum und wird auch seinen Spaß damit haben.
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