
Tracks: 14 (22)
Gesamtspieldauer: 1:06:33 (1:54:41)
Releasedatum: 10.08.2012
Genre: Electro
Homepage: enterandfall.de
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Nachdem das elektronische Musikprojekt Enter And Fall 2010 von den Lesern des »Sonic Seducer« zum vielversprechendsten Newcomer gewählt wurde, steht nun das Debutalbum »Push Enter And Fall Down« in den Startlöchern.
Nach einem zu lang geratenen Intro startet das Album mit dem titelgebenden Track »Push Enter And Fall Down«, welcher verdeutlicht, dass eine genaue Genrebezeichnung schwierig wird. Elektronisch, mit einer Tendenz zu EBM, aber auch mit Elementen aus Synthpop gewürzt. Die Stimme von Frontmann David kommt verzerrt hinzu, harsch und mit wütendem Grundton, der sich durch das Album zieht, wie sich auch am zweiten Track »Back In Time« erkennen lässt. Der monotone Beat wird hin und wieder von kleinen melodischen Parts durchbrochen, die atmosphärisch aber deplatziert und wie Fremdkörper wirken.
»Lose Control« wird da schon interessanter, bleibt der Song doch etwas ruhiger, ein wenig unterdrückt und man erwartet als Hörer regelrecht den Ausbruch, der jedoch ausbleibt. Dazu kommt eine weibliche Stimme im Refrain sowie kleine Spielereien, die den Track aus der Masse herausheben. Das anschließende »So Bye Bye« fügt sich da sehr gut an, der treibende, aber nicht dominierende Beat und die Songstruktur können überzeugen.
Spätestens mit »Empire Of Sound« wird deutlich, wie vielseitig Enter And Fall ist, denn der Titel schlägt eher in Richtung Future-Pop aus und verlässt die harte Schiene der ersten Songs. Das liegt der Formation auch deutlich besser und wenn dann wie in »So Much To See« Pianotöne hinzukommen und ein Thema bilden, das sich dann in elektronischerer Form wiederholt, lernt man die Detailarbeit wirklich zu schätzen. Genaues Hinhören lohnt sich, denn der Song, indem auch wieder eine weibliche Stimme zum Duett dabei ist, erzeugt eine sehr dichte tagträumerische, melancholische Atmosphäre.
Das erste Mal auf Deutsch gesungen wird in »Aufsicht Ost«, das den gesellschafts- und politikkritischen Text in den Vordergrund stellt und voller Hass auf die »Krankheit Mensch« blickt. Allerdings geschieht das alles in viel zu einfacher und plumper Manier, als dass man den Text wirklich ernst nehmen könnte. Musikalisch reißt der Track auch keinen Baum aus. Auch die Einspielungen von Nachrichtenmeldungen am Ende ist auch nicht sonderlich innovativ. »Running Out« beginnt sehr ruhig und bleibt es musikalisch auch musikalisch über weite Strecken, doch wird diese Ruhe vom verzerrten Gesang in sehr unharmonischer Weise durchbrochen. Klargesang hätte diesen Song zu einem Highlight werden lassen können.
In »Beat Conductor« darf dann wieder eine Frau singen, aber den Text kann man vernachlässigen. Musikalisch kommt der Titel etwas experimenteller daher, wenn man genau hinhört, kann man sogar leichte Trip Hop Elemente heraushören. Eine nette Abwechslung, davon hätte es gern mehr sein dürfen. »Paradox« bringt die Pianoklänge zurück, doch die Stimmung des Songs wird durch den viel zu dominanten Gesang völlig zunichte gemacht, hier wurde wieder Potenzial verschenkt. Mit »A Little Girl« wird wieder ein Bogen zu den ersten Tracks geschlagen: Ein tanzbarer, dominanter Beat und verzerrter Gesang. Das kennt man und tut nicht weh, haut einen aber auch nicht vom Hocker. »Being Human« greift das stilistische Mittel der Nachrichtenmeldungen von »Aufsicht Ost« wieder auf. Die musikalische Komponente ist hier aber immerhin etwas besser geraten.
Zum Abschluss kommt noch das etwas zu lang geratene, aber stimmungsvolle Outro »Stand Up And Fight«. Doch wer nach den fast 70 Minuten Spielzeit noch nicht genug hat, kann direkt die Bonus CD einlegen, welche Remixes von Songs anderer Bands (u.a. [:SITD:] und Treibhaus) und Versionen der eigenen Songs enthält. Diese CD mit fast 50 Minuten Laufzeit ist eine sehr nette Dreingabe, die nicht selbstverständlich ist. Dafür ein großes Lob.
Fazit
Mit »Push Enter And Fall Down« hinterlassen Enter And Fall einen gemischten Eindruck. Einige Songs kommen über Genre-Standardkost nicht wirklich hinaus und sind nicht unbedingt ein Kaufgrund. Dazu kommen auch kleinere Ausfälle. Auf der anderen Seite steckt auch eine Menge Potenzial in der Formation, das auch einige Male angedeutet wird. Wenn sie diese Stärke noch weiter ausbauen, etwas experimentierfreudiger werden und die schwächeren Elemente entfernen, geht es sicher noch weit nach oben für Enter And Fall.
Anspieltipps: Lose Control, So Bye Bye, So Much To See
Running Out (Club Mix)
