
Tracks: 10
Gesamtspieldauer: 39:12
Releasedatum: 05.10.2012
Genre: Gothic Rock
Homepage: www.thedaughtersofbristol.com
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Die »kleinen Brüder der Sisters Of Mercy« werden The Daughters Of Bristol auch genannt. Zum Glück ist die Musik nicht so kompliziert gestrickt wie die Familien- und Geschlechterverhältnisse der beiden Bands.
Vorbilder zu haben ist ja schön und gut, aber den Einfluss so weit reichen zu lassen, dass man gar keine eigene Identität aufbaut, sollte man tunlichst vermeiden. Das gelingt den Daughters Of Bristol mit ihrem im Oktober erscheinenden Album »The Ave« leider nur bedingt.
Das lange instrumentale Intro des ersten Tracks »Monotone City« bereitet den Hörer auf das vor, was ihn in der folgenden Zeit erwartet: Eine melancholische Grundstimmung, eher dem klassischen Gothic Rock der 80er und 90er nachempfundenen Klang und eine tiefe Gesangsstimme. Der Einstieg macht Lust auf mehr, Songstruktur und -dramatik stimmen hier schon mal. Da kann »Labour Under Love« nicht ganz mithalten, trotz schön kontrastierender Zweitstimme. Gitarre und Bass sind einfach viel zu blass. Das zieht sich fast durch das ganze Album. Natürlich ist das dem traditionellen Stil geschuldet, aber sich zu stoisch daran zu halten wirkt doch etwas aufgesetzt und verbrennt einiges an Potenzial und so bleibt auch der Titeltrack »The Ave« nur durchschnittlich.
Ein wenig besser weiß da schon »Addiction« zu gefallen, das zwar an demselben Phänomen leidet, aber durch den weiblichen Gesangspart von Jessica Glover punkten kann. Auch in »Auspice Numine« stört dieser Fakt nicht, im Gegenteil, hier sorgt es für eine intensive, leicht bedrohliche Atmosphäre, die den kürzesten Song des Albums zu einem ersten kleinen Highlight macht. Und in »Don’t Tell« wird das erste mal richtig Fahrt aufgenommen und die Gitarren kommen etwas mehr zum Vorschein. Dazu kommt ein eingängiger Refrain, der schnell ins Ohr geht. Davon hätte es gern mehr sein dürfen.
Textlich bewegen sich The Daughters Of Bristol in einem recht typischen Rahmen für Gothic Rock Musik, es wird von den dunklen Seiten des Lebens gesungen, von schmerzhaften Erfahrungen und dergleichen, hin und wieder zu stark auf der Schwelle zum Kitsch. Das kann man zwar nicht innovativ, aber immerhin zielgruppenorientiert nennen.
Für »Sleight Of Hand« scheinen die Töchter dann auch doch noch einmal den Verstärker gefunden zu haben, bevor es anschließend wieder sehr schwach, ja geradezu unterdrückt und wie auf Sparflamme weitergeht mit »Wage« und »Mercy Machine«. Zum Schluss bringt das eher ruhige, aber mit einigen Höhepunkten versehene »Die Like The Best« die richtige Stimmung für einen passenden Albumausklang. Nach zehn Tracks und gut 39 Minuten ist der Weg durch die Avenue auch schon wieder vorbei.
Fazit
Die Daughters Of Bristol eifern klar ihren Vorbildern nach und beherrschen ihr Handwerk auch sehr solide. Wer auf klassischen Gothic Rock der 80er und frühen 90er im Stile der Sisters Of Mercy steht, kann somit mit »The Ave« kaum etwas falsch machen. Wenn man allerdings etwas Neues und Eigenständiges erwartet oder mit dem Genre nur bedingt etwas anfangen kann, wird an dem Album keine Freude haben.
Anspieltipps: Monotone City, Auspice Numine, Don’t Tell
The Ave
