Gastbeiträge
Gastbeitrag: Red City Radio – The Danger of Standing Still
Es muss irgendwann in 2010 gewesen sein, als ein großer, sehr großer behaarter Mann einige Songzeilen in mein Gehirn fräste, mit einer Stimme die so rauh rubbelte, dass sie locker eine Zahnsteinbehandlung ersetzen konnte. Die Zeilen gehörten zum Song „We are the sons of Woody Guthrie“ der Band Red City Radio, einer Rockformation aus Oklahoma City, und die Rubbelstimme war die von Garrett Dale, einem der beiden Sänger der Band . Ich war überaus beeindruckt, war mir diese Band doch bisher völlig unbekannt gewesen. Leider gab es zu diesem Zeitpunkt nur eine EP und so verlor ich sie leider etwas aus den Augen. Aber ich wusste, von Red City Radio würde ich in Zukunft noch etwas hören.
Nun rund ein Jahr nach Erscheinen der EP „To the sons & daughters of Woody Guthrie“, die dieses eingangs besagte Lied enthielt, schicken Red City Radio ihren ersten Longplayer „The danger of standing still“ hinterher. Und ich wusste doch, ich würde noch etwas von ihnen hören. Und wie ich von ihnen hören würde …
„Together we can burn this fucking City to the Ground”, dieser Einladung von Red City Radio aus dem Song “ Two for flinching” folge ich doch gerne. Die Band bringt ja auch literweise Benzin in Form von frischem, geradlinigem Rock und dem richtigen Gefühl für eingängige Melodien mit. Gerne reiche ich da ein Streichholz um das Album in den Rock-Olymp zu sprengen und die ganze Stadt niederzubrennen. Wahrscheinlich werden auch die Nachbarstädte dran glauben, denn diese Explosion wird gewaltig.
Dieses Album hat mehr Druck als ein Konfirmant und ist roher als ein 2 Minuten-Ei. Red City Radio hat hier ein Punk-Rock-Monster erschaffen, welches sich am liebsten mit anderen Monstern in die Sonne flehzt und so viel Bier trinkt, bis es melancholisch wird und schließlich volltrunken den „ guten alten Zeiten“ nachtrauert. Das ist es zumindest was ich fühle, wenn ich die Jungs höre. Hier ist der Soundtrack zu so ziemlich jedem Gefühl welches sich beim “Trinken mit Freunden” einstellen kann. Man ist euphorisch und will verrücktes tun, man träumt zusammen von neuen Zielen, man verarbeitet alte Beziehungen und neue Liebschaften und wenn sich die Nacht dem Ende neigt wird man etwas traurig, wissend, dass man älter wird und sich solche Momente immer seltener wiederholen lassen werden. Willkommen bei “The danger of standig still”. All dies packen die Jungs in ein Album aus 13 durchweg guten, bis sehr guten, bis “oh my fuckin´god” unglaublichen Songs. Den Unterschied zum Rock-Einheitsbrei machen neben tollen Melodien, klasse singalongs und ein super Gespür für timing, größtenteils die Stimmen von Garrett Dale und Paul Pendley. Dieser rotzige meist zweistimmige Gesang zieht sich wie ein roter Faden durchs Album, Pendley singt zumeist die schnelleren Patrs während Dale für das Gänsehaut-Brummen im Hintergrund zuständig ist. Und wenn sie zusammen loslegen bleibt kein Fuß ruhig und kein Glas voll. Diese Mischung macht aus Red City Radio einen “noch” absoluten Geheimtipp. Sicher nicht mehr lange ! Sowas gutes kann einfach nicht unentdeckt bleiben auf Dauer.
Bei den Songs kann man das heftig mitreissende “You´re poison, I´m well” , das hymnische “Spinning in circles is a gateway drug” sowie das etwas ruhigere aber sehr melodische “Drinking yourself into the future” hervorheben. Dazu gesellen sich gut sieben oder acht Songs, die die Rock-Championsleague-Gruppenphase locker überstehen.
Kleinere Schönheitsfehler gibt es natürlich auch hier. So fallen grade die letzten beide Stücke des Albums “Nathaniel Martinez’” sowie “Never bring a glas of water to a gunfight” leicht ab. Ab und zu gibt es etwas zu poppige “aaahh” und “ooh ooh ooh”-Gesangs-Passagen.
Aber das sind wirklich minimale Fehler in einem großartigen Album. Als würde man Lionel Messi “Kopfballschwäche” vorwerfen. Macht ja auch kein Mensch … und zwar zu Recht !
Red City Radio sind für mich jetzt schon die Überraschung des Jahres und “The dangers of standing still” ein Album voller Energie, Spielfreude und Authenzität. Das Ding macht einfach saumäßig spaß.
Grade für ein Debüt ist das schon beängstigend gut. Also Bier her ! Das Monster will sich wieder in die Sonne legen ….
Highlights:
+ Die Stimme von Garrett Dale kann man wohl als außergewöhnlich bezeichnen, es bleibt Geschmackssache, aber ich stehe voll drauf.
+ extem starkes Debüt
+ 3-4 richtig starke Songs, die den Weg auf meine „Hall of fame“ finden werden
Lowlights:
- ab und an nervige “aaah” und “ooh ooh”- Passagen, welche auch mal ins poppige ausufern.
Fazit:
9 von 10 Punkten.
Über den Autor:
Deine musikalische Baustelle liegt auch irgendwo im Bereich von Rock, Punk, Ska und Alternative? Du würdest deinen Musikgeschmack als aussergewöhnlich, vor allem aber als aussergewöhnlich gut bezeichnen? Du möchtest einfach mal wissen, ob ein Album rockt, und nicht ob es fett produziert ist? Du nimmst dich auch gerne mal nicht ganz so ernst? Du kannst beim Hören guter Musik nicht aufhören zu sagen “Das muss lauter“? Dann bist du hier verdammt richtig!
Denn wir finden Musik prinzipiell super. Und unser Musikgeschmack ist richtig geil. Davon sind wir zumindest mehr als überzeugt. Und damit das auch wirklich jeder mitbekommt, sind wir jetzt hier. Einer muss ja schließlich die Wahrheit über Musik verbreiten. Auch, wenn eine Band mal den Fokus verliert und nur noch Mist rausbringt.
Leser und ihre Lieblingsalben: Sebastian
Leser stellen ihr Lieblingsalbum vor, das ist hier also das Thema dieser Gastbeitragsreihe, die zwar spannend zu werden verspricht, aber auch ein Problem darstellt.
Denn wer von uns hat nur ein Lieblingsalbum ?
Also so ein einziges Lieblingsalbum ?
Sowas hatte ich zu Zeiten als ich nur zehn Alben besaß und kannte, nun sind mir mehr als dreihundert Alben bekannt, da wird es schon schwerer ein einzigen Liebling zu finden.
In meine Sammlung kommen mindestens ein Album monatlich neu hinzu, aus den diversesten Musikrichtungen und Spielarten, so gibt es auch hier und da Lieblingsalben.
Mein Liebstes Black Metal Album, mein Liebstes Mittelalterrockalbum und so weiter und so fort.
Daher schränke ich mich hier nun ein wenig ein, begrenze mich auf die Alben aus meiner Anfangszeit, begrenze mich auf die Alben die mich schon sehr lange begleiten, denn darunter wird sich dann sicherlich eines meiner Lieblingsalben befinden.
Es gibt Alben die sind geblieben, aus einer Zeit als ich anfing mich ernsthaft für Musik zu interessieren, andere sind wieder ein wenig in den Hintergrund gerückt.
So erinnere ich mich noch an Die Toten Hosen, Die Ärzte, Metallica und Pantera, Obituary und Sepultura.
Doch fast alle von diesen Bands sind in meiner Aufmerksamkeit weiter und weiter in den Hintergrund gerückt.
Die Toten Hosen und Die Ärzte, auch wenn ich ziemlich viele Alben von diesen beiden Bands noch habe, sind mehr und mehr in den Hintergrund gerückt, werden quasi überhaupt nicht mehr gehört, aber beide Bands hatten mal Lieblingsalben bei mir.
Pantera und Obituary waren beides die ersten wirklich heftigen Bands die ich mal toll fand, recht häufig gehört habe, damit kurzzeitig auch meine Lieblingsalben waren, heute auch immer noch hin und wieder mal gehört werden, aber nicht mehr so wirklich meine Lieblingsalben sind.
Metallica wurden mal vergöttert, das schwarze Album war toll, war lange mein Lieblingsalbum, sowie auch die Vorgängerwerke dieser Band, doch mir ist aufgefallen das ich das schwarze Album jahrelang nicht mehr gehört hatte.
Allesamt habe ich es erst vor kurzem aus Gründen des Jubiläums gehört.
Damit zählt es auch nicht mehr umbedingt zum Lieblingsalbum.
Damit bleibt nur noch eine Band über die das Lieblingsalbum liefern könnte – Sepultura.
Von Sepultura gibt es die verschiedensten Veröffentlichungen, musikalisch gesehen, manche sind toll, manche recht mies, würde ich mal sagen.
Manche höre ich überhaupt nicht mehr, andere eher selten, die Scheibe die hier als Lieblingsalbum durchgeht wird schon mehrfach jährlich gehört und gehört sicherlich damit zu einem der meistgehörten Alben in meiner Sammlung.
Drei tolle Alben gibt es von Sepultura, da wären Arise, Chaos A.D. und Roots, alle drei mit Max Cavalera an der Gitarre und Gesang.
Mit Roots hat die Band sicherlich Musikgeschichte geschrieben, es ist ein großes Album und ich höre es immer noch wirklich gerne, auch Chaos A.D. ist ein umwerfendes Album, doch mein absolutes Lieblingsalbum ist Arise.
Arise hat mich vollkommen überzeugt, damals wie heute noch.
Die Produktion geht heute immer noch als zeitgemäß durch, wie ich finde.
Sie ist schön roh, rau und damit, ohne das diese Scheibe irgendwo schlecht produziert wäre, einfach druckvoll und gut.
Die Scheibe ist weder zu kurz, noch zu lang, kommt knackig um die Ecke, eingängige Texte und Songs, die damit einen Maßstab aufgestellt haben, für Sepultura an den die Band bis heute nicht mehr herangekommen ist, auch wenn mit Chaos AD und Roots zwei weitere Maßstäbe folgten.
Doch Chaos AD stellt, auch wenn mich das Album vollkommen überzeugt, eine Weiterführung und Zwischenstufe zwischen Arise und dem geschichtsschreibenden Roots dar.
Vielleicht hat mich Arise auch einfach nur so überzeugen können weil es eines der ersten Alben war die eine Verbindung herstellten zwischen Metal und Punk, die Texte nicht umbedingt klischeebeladen, die Song ebenfalls klischeefrei, ohne überflüssigen Spielereien, aber auch ohne Stumpf zu klingen.
Das Album ist für sich nun vielleicht nicht das musikalisch umwerfendste was jemals auf den Markt gekommen ist, es ist vielleicht nicht mal was besonderes, aber es ist das Album das mich am Längsten nun begleitet, das Album an dem ich immer noch nicht das Interesse verloren habe es wieder und wieder zu hören.
Arise rockt einfach, jeder Song für sich, ich finde, es ist eines der Perfekten Veröffentlichungen, ohne Durchhänger, ohne Füllmaterial, von Anfang bis Ende einfach überzeugend und damit ist Arise einfach mein Lieblingsalbum, wenn ich denn eines benennen müsste.
Über den Autor: Der Autor dieses Gastbeitrages, welcher auf den Namen Sebastian hört, schreibt täglich auf dem Rockblog biotechpunk, welches ihr unter biotechpunk.de erreichen könnt.
Ihr wollt auch einmal in welcher Form auch immer über euer Lieblingsalbum sprechen? Schreibt mir unter lieblingsalbum@gedankendeponie.net!
Gastbeitrag: Was sind Freunde
Die Frage liegt auf der Hand. Die Erklärung ist für jeden Menschen eine andere. Aber ich möchte meine Erfahrungen und Empfindungen mit euch teilen, damit ihr vll selber einmal drüber nachdenkt, was für euch Freunde sind. Nutzt doch am besten die Gelegenheit hier im Blog zu kommentieren und schreibt eure Meinung dazu.
Freunde sind und sollten etwas Besonderes sein. Doch ist in der heutigen Zeit klar separiert, was Freunde sind. Jedem ist bewusst, dass wenn er 400 Freunde auf Facebook hat, dass nicht alle zu einem stehen. Oftmals kennt man Nichtmals 1/3 davon. Die heutige Gesellschaft macht es uns möglich Kontakte in alle Teile der Welt zu haben. Manchmal geht es, soweit das man sogar Menschen persönlich trifft, die man lediglich aus dem Internet kennt. Doch redet man dann bereits von Freunden? Ich nicht. Ich denke jeder unterscheidet bei seinen “Freunden”. Einigen vertraut man, anderen weniger und zu weiteren hat man einfach nur Kontakt. Gerade durch die Schnelllebigkeit und die Einfachheit über Internet Kontakt zu knüpfen rutschen die Grenzen der unterschiede immer näher. Die Grenzen verschwimmen und irgendwann fängt man an Leute, die man noch nie gesehen hat, seine Freunde zu nennen. Man organisiert vll sogar Treffen. Aber es fällt, gerade durch die Einfachheit des Internets, sehr schwer die Kontakte in seinem normalen Leben aufrecht zu halten.
Denn es ist schwer die Anforderungen, die an einen gestellt werden, zu erfüllen. Man muss/soll sich treffen, Seelsorge spielen und noch viele andere Dinge. Die Erwartungshaltung ist groß und man wird enormen Druck ausgesetzt. Viele Kontakte gehen dadurch zugrunde.
Das Internet ist in diesem Punkt schon etwas einfacher, wenn es durchaus Ausnahmen gibt. Aufgrund der Kontakt Möglichkeit kann man sich immer wieder melden. Treffen fallen oftmals aus, da man sich eh nicht kennt. Je nachdem wie nah man also fremde Menschen an sich heranlässt, desto einfacher/schwerer ist es.
So haben wir also in einigen Fällen nur noch eine Unterscheidung zwischen “Freunden” und “Freunden”. Es ist der einfachste Weg, im Internet neue nette Menschen kennenzulernen. Denn das Internet ist Hauptbasis für Menschen die Vorgeben jemand anders zu sein. Noch nie war es so leicht Menschen zu verarschen und sie zu benutzen. Einige geben sich als heiligen Samarita aus, andere sind die Seelsorge vor dem Herrn. So kann man sich im Internet schnell Menschen anlachen, die im wirklichen Leben ganz anders sind. Nur bei einigen Wenigen hat man wirkliche die Chance das herauszufinden. Doch Fakt ist die Prinzipien bleiben die gleichen.
Wenn man nun Freunde im wirklichen Leben sucht, hat man schon ein großes Problem. Wo soll ich sie “suchen”? Oftmals ergeben sich Kindheitsfreunde als wahre Freunde. Man kennt sie lange, wächst mit ihnen auf und lebt im Grunde in einer engeren Symbiose. Andere Freundschaften entwickeln sich aus verschiedenen Aktivitäten oder der Schule. Vieles passiert einfach im Jugendlichem Alter. Desto älter man aber wird, desto schwerer fällt es Kontakte zu knüpfen. Natürlich ist der Backround wichtig. Demjenigen, der selten von seinen Freunden verarscht wurde und generell sehr extrovertiert ist, fällt es einfacher.
Aber was zeichnet Freunde denn nun wirklich aus?
Aus meiner Sicht sollten Freunde hinter einem stehen, sich kümmern, sagen, was ihnen nicht passt, Aktivitäten mitmachen, freundlich sein uvm. Das Ganze beruht natürlich auf Gegenseitigkeit! Denn das ist das A und O bei einer Freundschaft. Es nützt nichts, wenn einer die ganze Arbeit tut und der andere im Grunde ein verlogenes Arschloch ist und bei der nächstbesten Situation zu anderen rennt und anfängt zu petzen.
Was ich mit diesem Artikel sagen will? Gebt acht auf die Menschen, die ihr eure Freunde nennt, passt auf, dass Sie euch nicht doch nur benutzen. Gebt den Internetbekanntschaften eine Chance. Manchmal lohnt es sich. Denkt selber drüber nach, wie ihr Freunde definiert.
CD-Check: Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy
Wenn man ein Album fast ein Jahr lang immer wieder rauf und runter hören kann, dann muss es wirklich gut sein. Abwechslungsreich, melodisch, mit einem gewissen Ohrwurm-Charakter und einem durchgängigen Hunger nach noch einem Durchlauf. So ein Album ist “My Beautiful Dark Twisted Fantasy” von Kanye West. Der US-Rapper, der in den letzten Jahren der HipHop- und Popmusik eindeutig seinen Stempel aufdrückte, erschuf mit seinem fünften Studio-Album, das in Deutschland im November 2010 erschien, ein musikalisches Meisterwerk der Extraklasse. Klingt übertrieben und überzogen? Ist es aber nicht.
Mit diesem Album hat Kanye West seinen Siegeszug an die Spitze der US-Charts fortgesetzt. Vier seiner fünf Alben landeten auf Platz 1. Lediglich sein Debüt-Album “The College Dropout” musste sich mit Platz 2 begnügen. Wahnsinn. In Deutschland reichte es für “My Beautiful Dark Twisted Fantasy” übrigens lediglich zu Platz 19. Irgendwie schade, wurde das Album doch vom Rolling Stone als bestes Album 2010 betitelt. Nun denn. Passiert.
Ein Zitat aus Roald Dahls “Cinderella”, zum Besten gegeben von Nicki Minaj leitet das Album und den Song “Dark Fantasy” ein. Ein spannender Track mit wahnsinnig viel Dynamik. “Can we get much higher?” dröhnt aus den Boxen. Die Antwort auf diese Frage werden die nächsten 12 Songs beantworten. Doch erst einmal wird es dann mit “Gorgeous (feat. Raekwon & Kid Cudi)” ruhiger. Ein Song, der die Dynamik, die Kraft des ersten Songs bewusst durchbricht. Auf dem Weg zu einem echten Highlight. Gemeint ist “Power”. Schneller, imposanter, mitreißender, lauter. Perfekt. Große Kunst.
Es folgt “All of the Lights (Interlude)”. Das Zwischenspiel soll zum nächsten absoluten Knaller hinführen – zu “All of the Lights (feat. Rihanna & Kid Cudi)”. Allein bei einem Blick auf die Künstler, die bei diesem Song mitwirkten, wird einem schwindelig. John Legend, The-Dream, Alicia Keys, Fergie, Kid Cudi, Elton John, Ryan Leslie, Tony Williams, Charlie Wilson, Elly Jackson und Rihanna. Was will man mehr? Stimmt. Nichts. Denn der Klang dieses Songs ist mehr als nur einzigartig. “Turn up the lights in here, baby”. Weiter geht es mit “Monster (feat. Jay-Z, Bon Iver, Rick Ross & Nicki Minaj)”, einem absolut tollen Song, der vor allem im hinteren Teil ordentlich zulegt. Im Anschluss an diese tollen Tracks folgt dann mit “So Appalled (feat. RZA, Jay-Z, Prynce Cy Hi, Pusha T & Swizz Beatz)” eher einer der schwächeren Sorte. Leider. Aber man braucht ja auch mal Pause, um die Euphorie zu verarbeiten. Gilt übrigens auch für den nächsten Song “Devil in a New Dress (feat. Rick Ross)”.
Anders sieht es dann schon wieder bei “Runaway (feat. Pusha T)” aus. Zu Beginn hört man nur ein Klavier… langsam, interessant, anders. Gute 40 Sekunden lang. Dann geht der Song langsam aber beständig richtig los. Dieser Song geht einem nicht mehr aus dem Kopf, wenn man ihn einmal gehört hat. Er ist mein Favorit. Ein Muss. Und er strotzt vor Dynamik. Nach 6 Minuten gibt es einen erneuten Bruch, der in einem Gitarrensolo zum Ausdruck kommt, das seinesgleichen sucht. “Hell of a Life” schließt daran an. Erfolgreich. Geniale Melodie, genialer Beat. Nun ist es Zeit für etwas Trauriges. So kommt “Blame Game (feat. John Legend)” daher. Eine zerbrochene Liebe… so schmerzhaft, so tragisch, so herzzerreißend.
Das Ende findet dieses Album mit den beiden Songs “Lost In the World (feat. Bon Iver)” und “Who Will Survive In America”, die ineinander übergehen. Erstgenannter bringt einem einen wahnsinnig tollen Text, Letzgenannter lässt mit Teilen des “Comment No. 1″ von Gil Scott-Heron das Album ein würdiges Ende finden.
Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy (Album)
Facts:
Tracks: 13
Gesamtspieldauer: 68:42
Releasedatum: 19.11.2010
Genre: Hip-Hop
Homepage: www.kanyewest.com
Anspieltipps: Power, All of the Lights, Runaway
Fazit
Das Album ist genial. Es ist vielseitig. Strotzt vor Dynamik. Es gibt faszinierende Stilbrüche, tolle Texte, wunderbare Melodien. Zwischendurch gibt es einen Mini-Durchhänger, aber der tut nicht weiter weh, sondern lädt eher dazu ein sich auf die kommenden Stücke zu freien. Mit 69 Minuten Spielzeit wird einem eindeutig ordentlich was geboten. Für mich eines der besten Alben der letzten 10 Jahre. Ganz sicher. Vor allem, weil man spätestens beim 10. Track etwas wehmütig wird, da sich das Ende langsam nähert.
Über den Autor: Lordy schreibt schon seit Jahren seinen eigenen Blog, ist bei Facebook und Twitteraktiv und freut sich immer über neue Kontakte. Er ist Student an der Ruhr-Universität Bochum, wohnt demnach im Ruhrpott, ist dauernd unterwegs, Serien-Junkie, Wii-Freak und treuer BVB-Anhänger.
Gastbeitrag: An einem Tag
…sitze ich hier. Weit, weit weg von allem. Alten Erinnerungen, bekannten Straßen und Orten, von alten Gefühlen und Welten.
Meistens finde ich es ganz gut, wenn ich das Fenster öffne und draußen kein bekanntes Gesicht erblicken kann. Wenn ich die Wohnung lüften kann, die Fenster weit aufgerissen und keine Angst haben muss, dass Steine oä. fliegen. Hier fühle ich mich anonym, ein wenig sicher. Es gibt fast niemanden, der diese Adresse kennt, ich habe bisher keine eigene Telefonnummer und ich muss auch keine Angst haben, jemanden auf der Straße zu treffen – jemanden von früher. Ich wohne nicht mehr in NRW und auch nicht mehr in Hessen und dass sich jemand von dort hierher verirrt, ist praktisch unwahrscheinlich. Ich bin für die Leute hier ein fremder Mensch. Eine Mitschülerin, eine Arbeitskollegin, eine Nachbarin, die sonntags die Wäsche mit der Hand wäscht, weil sie Angst hat, jemanden zu stören. Niemand kennt mich und ich kenne niemanden und ich fühle mich gut damit. Keine Rechenschaften, keine Belehrungen, keine Ausgrenzungen, keine Anfeindungen, keine Abhängigkeiten, keine Schmerzen. Es ist das beste, was passieren konnte, der beste Weg, den ich wählen konnte. Am Tag erfreue ich mich daran, dass ich nicht Plan B gewählt habe. Plan B habe ich immer in der Hinterhand, nur zur Sicherheit – bestimmt schon seit 8 Jahren, inkonsequent, wie ich bin. Dennoch – tagsüber lacht die Sonne, die Schatten sind erhellt, die Vögel zwitschern und das Leben zeigt sich von einer herrlichen Seite, meistens.
Des Nachts allerdings beschleichen die Schatten die Zimmer und mit ihnen ebenso die Zweifel und die Angst. Die Grundrisse der Bäume formen schattenhafte Gitter an die Fenster und Wände – mein persönliches Gefühlsgefängnis. Mit dem Verstummen der Vögel, treten andere Geräusche auf den Plan, begleitet von Erinnerungen und Gedanken, von Gefühlen und Empfindungen. Vor allem Angst beherrscht mich und lässt mich zeitweise 2 Tage am Stück nicht schlafen – den Körper immer auf Alarmbereitschaft gestellt und jedes Geräusch registriert. Irgendwie ist sie zu groß, die Erinnerung an Dinge, die passierten und irgendwie vermute ich hinter jedem Auto, dass um halb 4 morgens vor der Haustür parkt, den jungen Mann, der mir so viel Gewalt antat und mit ihm, die Rache, die sicherlich irgendwann folgen wird, dafür, dass ich mich gegen ihn entschied. Mit jedem Geräusch, jedem Lachen, jedem Ton erinnere ich mich daran, was morgens in meinen Klassenzimmern ablief und später nur noch in der Innenstadt, da ich die Schule mied. Wenn es dunkel wird, kommen all die Dinge zutage, über die am Tag nicht gesprochen wird, weil man funktioniert. Ich habe viel getrunken, Aggressionen gegen mich selbst gerichtet und vieles habe ich totgeschwiegen, vieles vielleicht nie verarbeitet, aber eines weiß ich:
Die Wut ist groß genug, mich immer weitermachen zu lassen, mit dem Wissen, dass jeder irgendwann das bekommt, was er auch verdient. Ihr werdet nie gewinnen, daran glaube ich.
Gastbeitrag: Dark Johann präsentiert: Tipp-Kick und der Watzmann ruft!
Hollaröhdulliöh – und ewig lockt das Weib! In diesem, tragischen, Fall “Die Gailtalerin” den armen Bua auf den Berg und somit ins Verderben. Doch in diesem Text spielen philosophische Betrachtungen über die Verlockungen der Lust ausnahmsweise eine sehr untergeordnete Rolle. Denn Tipp-Kick gilt als eher unerotisch. Und dennoch: Umwabert meinen “Titel” als bester Super-Hyper-Weltmeister aller Zeiten nicht auch das Flair von Ruhm und Erfolg? Gab es da nicht die zahllosen Mädchen, die ihre Büstenhalter und Slips auf das Tipp-Kick-Brett warfen, nur um meine Aufmerksamkeit auf ihre willigen Körper zu lenken?
Nein, gab es nicht. Der Tipp-Kick Spieler an sich (streng nach Kant) verströmt keine Pheromone und mit Damen, die jubelnd und Büstenhalter schwenkend neben dem Tipp-Kick Brett stehen, kann ich mir im Nachhinein eine sexuelle Beziehung ehrlicherweise auch nur noch sehr schwer vorstellen …
Dabei hatten wir, mein Kumpel Glotze und ich, Anfang der 80er eine echte Tipp-Kick Luxusausstattung. Unser Spielfeld war aus der Rückwand eines Schranks gefertigt, dessen Holz aus dem Urwald Brasiliens stammte. Brasilien! Copacabana! Ipanema! Tipp-Kick! Naja. Bezogen war dieses ein Meter fünfzig lange und sechzig Zentimeter breite Edelholz zudem mit einem Stück grünen Filz, auf dem sich einst Elfenbeinkugeln effet- und effektvoll ihren Weg bahnten. Beide Attribute kennzeichneten auch die Flugbahn meines Tipp-Kick Balls. Ich verlor kein entscheidendes Spiel, entschied alle Weltmeisterschaften für mich. Mein Torwartspiel war legendär und die Schusstechnik meiner Spieler so an- wie ausgefeilt. Ich war der Tipp-Kick-König der Welt. Was das mit Auffi-Auffi zu tun hat? Alles! Das Stück ist so schräg, wie es unsere Tipp-Kick Leidenschaft war. Mindestens.
Bei (fast) allen Spielen lief das “Rustical – Der Watzmann ruft” (Rustical: eine sehr sinnige Kombination aus Musical und rustikal; auf meiner Doppel-CD schlicht falsch als “Rustikal” bezeichnet). Lag ich beim ersten “Hollaröhdulliöh” auch manchmal im Spiel zurück, so war ich spätestens beim Dritten unaufhaltsam auf der Siegerstraße. Doch zwischen “Das Rufen” und “Die Verführung” wogte das Spiel so hin und her, wie es die Gailtalerin nicht lockender hätte gestalten können. Nach meinen Siegen verdonnerte ich Glotze zum Mitsprechen bei “Das Knechtleben” und feierte meine Triumphe selbstredend mit einem satten “Hollaröhdulliöh“. Verlor ich mal ein Spiel, warnte ich Glotze mit unserem Kult-Kernsatz des Rusticals: “Des tuat koa gut nit”.
Tipp-Kick und ”Der Watzmann ruft” – eine Kombination, wie sie bizarrer wohl kaum sein könnte …
Über den Autor: Ralph alias Dark Johann schreibt normalerweise auf seinem Blog „Zum Mephistopheles!“, das er als Plattform nutzt, um unterhaltsame und nachdenkliche Beiträge zu veröffentlichen. Ein nicht unwesentlicher Bestandteil seiner Artikel sind Ironie und Sarkasmus, von denen er auch dann regen Gebrauch macht, wenn er mal wieder jemandem zum Teufel wünscht.Gastbeitrag: Papier und Stift
‘Komm und jetzt mach mal!’ Ich höre noch heute meinen Vater mit energischer Stimme diese Worte sagen. Er packte meinen Arm fest, aber nicht zu fest und zerrte mich zu meinem Schreibtisch, auf diesem war gerade noch genug Platz für ein paar Blätter Papier und einem Stapel Buntstiften. Etwas verzweifelt sah ich ihn an, schließlich hatte er auf dem Weg nach Hause kein Wort gesagt. ‘Mach das nochmal.’ Er deutete auf ein gekritzeltes Bild von ihm und seiner Freundin hin, dass wenige Stunden zuvor auf einem Notizblock entstanden war.
So in etwa erinnere ich mich an meine erste bewusste Begegnung mit der Portraitkunst an sich.
In etwa 15 Jahre später sitzt man nun vor einem leeren Blatt Papier und denkt an diesen Moment, spürt die kritischen Blicke hinter dem Rücken. Die erste Berührung mit dem Bleistift .. ‘Schei*e Lexi, dass hier muss grandios werden!’ Zerknülltes Blatt wandert in den Mülleimer. Zweiter Versuch, gar nicht so schlecht. Jetzt eine Pause mit einem Glas Wasser. Wenige Momente später wieder zurück bei den ersten Skizzen, Glas ist sicher platziert und es kann weiter gehen, aber warte.. Was zur Hölle? Ein suchender dann erschrockener Blick als man den Hund auf dem Sofa erkennt, Skizze zerknittert neben sich, freudig hechelnd und einem der guten Farbstifte im Maul. Super! Natürlich eine außerordentlich tolle Idee am Wohnzimmertisch zu zeichnen anstatt wie sonst im Arbeitszimmer.
Den Fehler macht man nicht wieder, nimmt seine Sachen und verfrachtet sie im eben erwähnten Raum. Das Glas Wasser muss auch noch mit (ihr wisst jetzt was kommt), anstatt den Weg noch einmal anzutreten nimmt man lieber alles auf einmal. War die Tür immer schon so eng? Gut dann muss man schräg durch die Tür, wäre ja kein Problem wenn nicht irgend jemand den Boden extra (und bestimmt erst kurz zuvor!) frisch geschrubbt hätte. Da sitzt man also auf seinem Hintern, Papier nass, Glas leer.
Beim vierten Anlauf ging es dann doch und ich konnte das Portrait für den Gastbeitrag fertigstellen.
Passiert mir sonst auch nie.
Die richtige Musik, das richtige Material und schon steht meiner Arbeit nichts mehr im Wege, der Rest kommt dann von ganz alleine.
Zuerst kommt eine Vorzeichnung bei der ich fast ausschließlich mit einem mittelharten Bleistift (meist HB) arbeite, wichtig dabei ist eine exakte Gesichtsform und bereits gut vorgezeichnete Merkmale wie Augen, Nase, etc. damit dann alles dort ist wo es hingehört. Das ist auch der letzte Moment bei dem man noch gut korrigieren und ausbessern kann. Danach wird auf einen weicheren Bleistift gewechselt (B) und ich arbeite teilweise auch schon mit schwarzen Buntstiften für Schattierungen und Muster sowie Konturen, für Glanzeffekte und helle Punkte. Dazu dient dann ein härterer Bleistift (H). Um helle Punkte noch besser hervor zu heben dient dann auch ein guter Radiergummi. Das sieht man im Bild 1.
Danach wähle ich eine Farbe die das Vorlagenbild dominiert, in diesem Fall war das rot. Damit verfeinere ich die Kontur um eine bessere Farbe der Haut zu erreichen und arbeite mich dann über das Bild für Schatten und um andere Farbtöne später hervorzuheben zB wie das Braun des Hemdes einen leichten Rotton hat. (Siehe Foto und Bild 2)
Zuletzt folgen dann die anderen Farben, ich arbeite mich vom Hals abwärts und am Ende bekommen dann das Gesicht und die Haare die richtigen Farben. Der letzte Schliff ist dann der blaue Hintergrund um die Person hervorzuheben und eine Farbkorrektur mit einem weißen Buntstift und dem Radiergummi um Händen und Gesicht Glanz und Leben zu verleihen.
Zu guter letzt mein herzlicher Dank an Konna für die Chance auf einen Gastbeitrag in seinem tollen Blog, auf dass er gerade seinen Urlaub in vollen Zügen genießt.
Über die Autorin: Lexi, Jahrgang ’87, aus dem schönen Österreich hat eine ausgeprägte künstlerische Ader, die sie auf vielen verschiedenen Arten und Weisen, zum Beispiel Malerei, Fotografie und Musik auslebt. Mehr davon lesen, sehen und bestaunen kann man auf ihrem Blog Lexi’s BloG, wo sie auch private Dinge aus ihrem Leben berichtet und die Leser an ihrer Gedankenwelt teilhaben lässt.


