
Kritik
Dass das Metal-Genre mit all seinen Unter- und Unter-Unter-Genres zu den innovativsten und vielseitigsten musikalischen Richtungen gehört, ist unbestritten. In Legend, das Nebenprojekt von Bastian Emig, dem Drummer der A-Cappella-Metalband Van Canto, schickt sich an, das Genre um eine weitere Facette zu bereichern. Piano Metal nennt sich die Musik, die sich auf dem Album Ballads ‘N’ Bullets befindet. Emig selbst nennt sie ”Tori Amos auf Koks”. Na dann wollen wir uns doch mal selbst überzeugen:
Sanfte Pianotöne bestimmen die ersten Takte des Albums und des Tracks Heaven Inside, doch wird das Instrument recht schnell zum Schlaginstrument. Das klingt zumindest schon mal ungewöhnlich, aber auf keinen Fall schlecht. Die Vielseitigkeit des Pianos wird auch in Pandemonium deutlich, in dem es immer wieder ruhig und melodisch und dann laut und brachial zum Einsatz kommt. Allerdings merkt man dem Song die fehlende Gitarre schon etwas an, es fällt schwer, sich davon zu lösen – ansonsten geht der Song schon sehr ins Ohr. Elekbö bleibt dann auch einmal in fast voller Länge druckvoll, funktioniert wunderbar und gibt sich beinahe episch. Mit At Her Side wird In Legend auch endlich dem Albumtitel gerecht und liefert eine wirklich wunderschöne, mitreißende Ballade ab – für solche Tracks ist ein Piano gemacht. Emigs Stimme kommt hier auch richtig zur Geltung. Vortex hinterlässt wieder einen zwiespältigen Eindruck. Der Song ist handwerklich einwandfrei und bringt neue Elemente ein – man ist geneigt zu sagen, es ist eine Metalvariante von Scooter – aber die Energie, mit der der Song geladen ist, kann durch das “schwere” Piano nicht so gut vermittelt werden. Das gelingt in Life Is Up To You und The Healer (incl. Remedy), nach dem man sich fragt, ob das Instrument das überlebt hat, besser.
Die zweite Hälfte des Albums wird durch das wunderschöne Pianostück Yue eingeleitet, bevor mit Soul Apart wieder voll in die Tasten gehauen wird, wobei einen der Song wieder ratlos zurücklässt, ob ihm etwas fehlt oder er schlicht genial ist. Für den Song Stardust hat sich Emig seine Van Canto Kollegin Inga als Verstärkung geholt und mit ihr zusammen ein sehr schönes Duett eingesungen. A Hanging Matter ist ein Up-tempo-Song, der mal wieder keine Rücksicht auf das Instrument nimmt, Prestinate und Heya halten das Niveau, ohne noch irgendetwas Neues hinzuzufügen oder besonders herauszustechen. Das gilt übrigens auch für den Gesang von Bastian Emig, der zwar keineswegs schlecht ist, dem aber irgendwie das gewisse Etwas und ein wenig Variabilität fehlt. Dass er dazu in der Lage ist, zeigt er schließlich im Abschlusssong Universe, der noch einmal zum Träumen einlädt und das Album abrundet.
Bei 14 Tracks ohne jegliches Füllmaterial kann man von Ballads ‘N’ Bullets auch umfangtechnisch von einer sehr guten Scheibe sprechen.
Fazit
Ohne Frage ist Ballads ‘n’ Bullets ein wirklich innovatives und gelungenes Debutalbum von In Legend geworden. Nicht ganz einfach ist der Zugang zu den Songs, die nur mit Bass, Drum und der geballten Kraft eines Klaviers auskommen, doch wenn man sich erst einmal reingehört hat, weiß der Sound durchaus zu gefallen, auch wenn man sich hier und da vielleicht doch mal eine Gitarre gewünscht hätte. Und auch wenn noch nicht jeder Song vollends zu überzeugen weiß: Piano Metal hat definitiv seine Daseinsberechtigung und von In Legend wird man in Zukunft sicher noch einiges erwarten können. Ein Probehören empfehle ich allen Klavierfreunden und jedem, der mal etwas völlig anderes hören möchte.
In Legend – Ballads ‘N’ Bullets (Album)
Facts:
- Tracks: 14
- Gesamtspieldauer: [xx:xx]
- Releasedatum: 20.05.2011
- Genre: Piano Metal
- Homepage: www.inlegend.de
- Anspieltipps: At Her Side, The Healer (incl. Remedy), Stardust
Wertung: 7 von 10 Punkten
[starreview]
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