Anwaltsserien gibt es relativ viele und man könnte fragen, ob der Markt nicht etwas übersättigt ist. Doch schaut man genauer hin, dann merkt man, dass die Juristerei in Serien oft sehr unterschiedlich und vielfältig dargestellt wird. Es gibt lustige, ernste, realistische, unrealistische und irgendwie ist es ja schon spannend, zuszuschauen und zu sehen, ob der Verdächtige unschuldig ist oder nicht. Einen ganz anderen Weg aber geht die Serie Damages (was in der englischen Sprache ein Wortspiel ist, da es sowohl “Schaden” als auch “Schadensersatz” im juristischen Vokabular heißt). Die Serie legt nämlich das Hauptaugenmerk nicht auf den Prozess vor Gericht (den bekommt der Zuschauer nämlich gar nicht zu sehen), sondern auf das Finden von Beweisen und auf Intrigen und Machtspiele.
Die aufstrebende Anwältin Ellen Parsons bekommt einen Job bei der erfolgreichen, aber nicht unumstrittenen Staranwältin Patty Hewes, die auch vor ungewöhnlichen Mitteln nicht zurückschreckt, um einen Fall zu gewinnen. Zur Zeit verhandelt sie einen Fall gegen den milliardenschweren Unternehmer Arthur Frobisher, der in korrupte Börsengeschäfte verwickelt ist und dessen Angestellten einen Großteil ihres Vermögens verloren haben. Bei der Suche nach Beweisen bringen Patty und Ellen in Erfahrung, dass die Schwester von Ellens Verlobtem möglicherweise als Zeugin in Frage kommt. Doch auch Frobisher und dessen findiger Anwalt Ray Fiske wissen darum und versuchen mit ihren Mitteln, sie zum Schweigen zu bringen. Schnell wird Ellen klar, dass in diesem Fall nicht nur eine Menge Geld auf dem Spiel steht, sondern auch Menschenleben in Gefahr sind.
Die erste Staffel von Damages hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Die Serie wirkt eher wie ein langer Film, denn Nebenhandlungen gibt es im Prinzip keine. Die Inszenierung ist ungewöhnlich, gleich zu Beginn und auch im Verlauf der Serie bekommt man Szenen zu sehen, die storytechnisch gesehen am Ende der Staffel anzusiedeln sind, deren Sinn man aber erst nach und nach entschlüsseln kann. So wird Vieles vorweggenommen, aber die Gründe dafür bleiben sehr lang verborgen und wenn man denkt, dass man so langsam hinter den Grund gekommen ist, ergibt sich doch wieder etwas anderes. Ein oft verwendeter Satz in der Serie lautet “Vertraue niemandem!” und das ist auch die Botschaft an den Zuschauer, der nach einem etwas zähen Einstieg doch gespannt auf die Auflösung blickt. Selbige hinterlässt jedoch wieder einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt und einige Fragen und die Grundlagen für die zweite Staffel hinterlässt.
Von der Besetzung her ist Damages über jeden Zweifel erhaben. Die großartige Glenn Close (“The Shield“) ist zurecht für ihre Rolle als undurchsichtige Staranwältin mit einem Golden Globe und Emmy ausgezeichnet worden. Aber auch Zeljko Ivanek (“Heroes“) als ihr Gegenspieler Ray Fiske macht seine Sache sehr gut. Der Rest des Casts fällt dagegen etwas zurück, macht seine Sache aber dennoch sehr gut, es gibt keinen wirklichen Totalausfall in der Besetzung.
Fazit: Wer bei einer Anwaltsserie Gerichtsprozesse und dergleichen erwartet und mag, wird mit Damages nicht glücklich werden. Wer aber auf wendungsreiche Thriller steht, bei denen man die Hintergründe erst nach und nach erfassen kann, der könnte seine Freude an der Serie haben. Man muss nur gewillt sein, den etwas zähen Einstieg und das nicht ganz befriedigende Ende verschmerzen zu können. Luft nach oben ist also noch da, aber ein guter Anfang ist gemacht.
Meine Wertung: 7/10
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