Drogen sind nicht gut, man sollte die Finger davon lassen. Zwar sorgen sie kurzzeitig für Glücksgefühle, aber auf Dauer handelt man sich damit nur Ärger ein. So geht es auch den handelnden Personen in Weeds, der Dramedy aus dem Hause Showtime. Die Serie allerdings auf ihre Drogenthematik zu reduzieren, würde ihr absolut nicht gerecht werden, denn sie ist sehr viel mehr.
Nancy Botwin (Mary-Louise Parker, „The West Wing“, „Engel in Amerika“) ist eine verwitwete Mutter zweier Söhne, die in einem beschaulichen Vorort namens Agrestic lebt. Nach dem Tod ihres Mannes entschloss sie sich, in den Marihuanahandel einzusteigen, um den Lebensstandard, an den sie sich gewöhnt hat, weiter finanzieren zu können. Das Gras verkauft sie an diverse Nachbarn und sogar an den befreundeten Stadtrat (Kevin Nealon). Neben ihren finanziellen Problemen und der Angst erwischt zu werden, machen ihr auch ihr beiden Söhne Silas (Hunter Parrish) und Shane (Alexander Gould) Sorgen, die mit dem Verlust ihres Vaters umgehen müssen und von denen der ältere Silas sich in erste sexuelle Gehversuche und die Liebe stürzt und der jüngere Shane zu psychopathischen Ausbrüchen neigt und zum Beispiel Al Kaida Videos dreht oder andere Kinder in den Fuß beißt. Zu allem Überfluss nistet sich auch noch ihr unberechenbarer und leichtsinniger Schwager Andy (Justin Kirk) bei ihr ein. Für Nancy wird das Doppelleben zum Drahtseilakt, der kaum Fehler erlaubt, will sie sich und ihre Familie nicht in Gefahr bringen.
Die erste Staffel mit zehn halbstündigen Folgen ist eine Einführung und erzählt, wie Nancy von einer Kleindealerin zur Marihuanapatin emporsteigt (nicht zuletzt heißt die zehnte Folge „The Godmother“), dennoch hält sie sich nicht mit einführendem Geplänkel auf: Während Nancy in der ersten Szene noch im Elternrat der Schule diskutiert, steht sie in der nächsten schon in der Küche der afro-amerikanischen Grasgroßhändlerin Heylia (Tonye Patano). Den Tod ihres Mannes erlebt man nicht mit, man erfährt lediglich über die Dialoge davon.
Dass der Serie vorgeworfen wurde, zu leichtfertig und unkritisch mit dem Thema Drogen umzugehen, ist zwar verständlich, bei genauerer Betrachtung aber vollkommen falsch. Jede der handelnden Personen, die in irgendeiner Weise mit Marihuana zu tun hat, bringt sich dadurch in arge Schwierigkeiten: Nancy wird von Konkurrenten bedroht und muss in ständiger Angst leben erwischt zu werden, auf das Haus der Großhändlerin Heylia wird geschossen, Nancys Schwager Andy bekommt sein Leben nicht auf die Reihe – tauschen möchte man mit keinem von ihnen.
Doch das Drogenthema ist nur das offensichtlichste der von Weeds angesprochenen Themen. Die Serie ist auch ein Abbild der nach außen immer so glänzend wirkenden amerikanischen Suburbia, in der sich die Häuser aneinanderreihen und in der alles friedlich und gleichartig wirkt. Ein Umstand, der auch im Intro mit dem Song „Little Boxes“ von Malvina Reynolds aus dem Jahr 1962 thematisiert wird. Doch hinter der so strahlenden Fassade verbergen sich eben doch diverse Probleme, die jeden einzelnen Bürger betreffen. So gilt unter den Bürger Agrestics ein unglaublicher Konkurrenzkampf um Status und Ansehen. Jeder einzelne steht unter strenger Beobachtung seiner Nachbarn und sobald einer etwas weiß, wissen es alle, da sich Gerüchte wie Lauffeuer verbreiten.
Das der eigene Status alles ist, zeigt sich allein schon an Nancy, die ihren Lebensstandard unter Ziehung aller Register erhalten will. Theoretisch könnte sie auch auf andere Weise Geld sparen, etwa indem sie ihre lateinamerikanische Haushälterin entlässt. Doch am allerbesten erkennt man das Wesen der Vorstadt an Nancys bester Freundin Celia (genial: Elisabeth Perkins, „The Ring 2“), die einen bemerkenswerten Wandel durchlebt: Sie bleibt bei ihrem Mann, von dem sie weiß, dass er regelmäßig fremd geht, zusammen, um nicht unter finanziellen Einbußen leiden zu müssen, zwingt ihre übergewichtige Tochter zur Diät und versetzt deren Süßigkeiten dafür sogar mit Abführmitteln. Als sie jedoch an Brustkrebs erkrankt, ändert sich ihre Sichtweise und plötzlich scheint ihr alles egal zu sein. Allerdings nur, bis sie wieder auf dem Weg der Besserung ist. Und so hat jeder Bewohner der Vorstadt seine kleineren und größeren dunklen Geheimnisse.
Mit bestechendem Wortwitz und messerscharfen Dialogen begeistert Weeds aber auch abseits der großen Hauptthemen. Manchmal mehr, manchmal weniger subtil werden Themen aufgegriffen, die die Bürger der Mittelklasse beschäftigen, zum Beispiel Krieg oder die Bildung. Die Serie bietet auch viel Stoff zum Lachen. Das ist oft in (teils absurd komischen) Situationen der Fall, die nicht unbedingt der Haupthandlung dienen, sondern die dem Zuschauer die einzelnen Personen näher bringen und sie sympathisch scheinen lassen.
Fazit: Weeds sollte man keinesfalls allein auf die Drogenproblematik reduzieren, sie dient lediglich als roter Faden für eine Darstellung der amerikanischen Mittelklasse mit all ihren Eigenheiten und Schwächen. Die bissigen und teilweise sogar in die Satire ausufernden Dialoge sind allein schon Grund genug, sich die Serie einmal anzuschauen, doch der intelligente und aufmerksame Zuschauer wird noch viel mehr entdecken können, als jede Kritik beschreiben kann, und seine wahre Freude an den zehn Folgen haben und nach mehr lechzen. Deshalb Achtung: Diese Serie kann süchtig machen!
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Weeds in der IMDb
Drogen sind nicht gut, man sollte die Finger davon lassen. Zwar sorgen sie kurzzeitig für Glücksgefühle, aber auf Dauer handelt man sich damit nur Ärger ein. So geht es auch...