Abendlicher Streifzug durch die Blogosphäre: Mal hier schauen, mal dort spicken. Checken, was so abgeht und im Idealfall tolle Texte entdecken, sympathische Menschen oder auch einfach ein bisschen Unterhaltung. Das mache ich hin und wieder mal, denn das macht Spaß und so ein bisschen up-to-date bleiben möchte man ja schon, wenn man sich selbst eben in diesem Milieu bewegt.
Neuerdings und immer öfter fällt mein Blick über den Tellerrand aber ziemlich ernüchternd aus. Ein bisschen komme ich mir da mit meinen fast 3 1/2 Jahren bloggen vor, als wäre ich der aktuellen Generation Blogger irgendwie entwachsen wie die Eltern, sie sich über die neumodische Musik beschweren oder der Opa, der auf der Terrasse sitzend die Jugend von heute nicht mehr versteht.
Was heute anscheinend hip und fetzig ist, weckt in mir einfach nur Unverständnis. Da werden pseudonachdenkliche, komplett von vorne bis hinten durchgestylte Beiträge geschrieben, deren Autoren Fremdwörter benutzen, deren richtige Bedeutung sie nicht einmal zu kennen scheinen. Oder es wird mit provokativen Fotos und “Tittenbildern” die Aufmerksamkeit der Leser erheischt. Der nächste Skandal muss her. Messen wir Blogger (oder sollte ich eher sagen die Blogger?) uns jetzt eigentlich mit dem Boulevard?
Irgendwie wird jede Scheiße heutzutage zu hoher Kunst stilisiert. Und die Antihaltung ist inzwischen auch längst zum Mainstream geworden.
Ich frage mich: Wo sind sie geblieben, die Blogs und Beiträge, die konstruktiv sind und das Positive an etwas herausheben? Wo ist die wirkliche Kunst geblieben, die man nicht suchen muss, sondern direkt sieht und die sich vor allem echt anfühlt? Wo ist die Pietät und wo sind die Beiträge, in denen nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, in denen der Inhalt zählt und nicht der ach so bombastische Stil?
Ja, es gibt sie noch, diese Blogs, auf denen man das findet. Aber sie werden seltener. Vielleicht bin ich uncool, weil ich mit diesem neumodischen Kram nichts anfangen kann. Aber ich muss und will niemanden beeindrucken und muss auch nicht auf Teufel komm raus der Hipster sein, dessen Schreibe in aller Munde ist. Ich muss nur auf meine Texte blicken und sagen können: Das bin ICH und niemand anderes.
