Schon mit dem letzten Bond-Film “Casino Royale”, in dem Daniel Craig sein Debut als britischer Agent 007 gab, hat sich ein radikaler Bruch mit der Bondtradition abgezeichnet. Nun gibt es den zweiten Bond mit Craig und die Entwicklung aus dem Vorgänger wird weiter fortgesetzt. Die Erwartungen sind nach dem Erfolg von Casino Royale groß. Und ob “Ein Quantum Trost” nicht nur als Bondfilm mit dem furchtbarsten deutschen Titel, sondern auch als bisher bester Teil bezeichnet werden kann, soll euch die Review verraten.
Nachdem seine geliebte Vesper gestorben ist, sinnt der britische Doppelnull-Agent James Bond nach Rache und will die Hintergründe erfahren. Hat Vesper ihn verraten oder hat sie sich geopfert, um ihn zu beschützen? Hinter ihrer Ermordung soll die Organisation Quantum stecken. Einen der Drahtzieher verhören Bond und seine Chefin M, doch wird das Verhör jäh vereitelt. Doch gibt es eine Spur, die Bond nach Haiti führt, wo er auf den dubiosen, auf die Öffentlichkeit aber äußerst großzügig wirkenden Geschäftsmann Dominic Greene trifft. Greene gibt sich selbst als großer Umweltschützer aus, will aber in Wahrheit lebenswichtige Ressourcen beherrschen, aus deren Verkauf er Profit ziehen kann. Dazu verhilft er dem bolivianischen Ex-Diktator Madrano, seine Macht zurückzuerlangen, damit dieser ihm ein scheinbar wertloses Stück Wüstenland überschreibt. 007 macht sich entgegen den Vorschriften seiner Vorgesetzten auf, um dem Schurken das Handwerk zu legen.
Wie eingangs schon erwähnt, bricht auch “Ein Quantum Trost” reihenweise mit Bond-Traditionen. Somit bleibt nicht besonders viel des alten Bond-Flairs übrig, aber dass es sich trotzdem um einen sehr guten Bond-Film handeln kann, hat “Casino Royale” bewiesen. Der Nachfolger bekommt das meiner Meinung nach nicht ganz so gut hin, werden doch größtenteils Actionszenen wie Verfolgungsjagden aneinander gereiht. Die sind zwar absolut hochwertig produziert und toll anzusehen, allerdings gerät die (im Ansatz sehr gute, weil aktuelle) Geschichte etwas in den Hintergrund, Überraschungen oder Storywendungen gibt es nicht. Dennoch ist “Ein Quantum Trost” zu keiner Zeit langweilig, was einerseits an den tollen Schauwerten der Drehorte, andererseits an der gnadenlosen Action und Geradlinigkeit liegt. Unterbrochen werden die Actionpassagen nur kurz und in diesen Momenten dringt man auch ein wenig mehr zum Charakter James Bond durch. Und man kommt einmal zum Durchatmen…
Ein Quantum Trost ist im Prinzip die Ein-Mann-Show von Daniel Craig (“Der goldene Kompass“). Wie schon in Casino Royale zeigt er eine beeindruckende physische Präsenz und scheint die absolute Idealbesetzung für den “neuen” Bond zu sein, der eben eher ein grober, ungehobelter Unsympath ist, der seinen eigenen Weg geht, als der charmante Agent, der Frauen schon mit einem Blick rumkriegt. Craig mimt “seinen” Bond aber auf hervorragende Art und Weise und ist damit ganz klar die bestimmende Figur des Films. Der restliche Cast wirkt daneben eher blass, vor allem Olga Kurylenko (“Max Payne“) enttäuscht als Bond-Girl. Und als Bösewicht wirkt Mathieu Amalric (“München”) etwas zu harmlos.
Fazit: Ein Quantum Trost ist ein durch und durch moderner Actionfilm, sowohl storytechnisch als auch inszenatorisch. Dafür lässt er ein wenig den Charme der alten Bondfilme vermissen, indem mit fast allen Traditionen der Serie gebrochen wird. Wer sich daran nicht stört, bekommt einen erwachsenen Film mit nonstop Action und einem coolen Daniel Craig. Und das ist das Geld auch wert. Nicht der beste Bond-Film, aber ein sehr guter!
Meine Wertung: 7/10
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4 Kommentare
Ich fand ihn eigentlich auch gut, ziemlich viel Action, es war aber gut, dass die Szenen ab und an mal unterbrochen wurden, sonst kriegt man Probleme mit den Augen
Sehr schön – viel besser als ich es hätte ausdrücken können
Ich fand Casino Royale auch besser, denn die Pluspunkte (Bond ist auch mal dreckig und trinkt keinen Vodka Martini) wurden hier einfach nur wiederholt. Den Bösewicht fand ich auch viel zu niedlich.
Allerdings waren die Animationen im MI6-Hauptquartier wunderbar und auch wenn das Zwischenschneiden von verschiedenen Schauplätzen manchmal übertrieben wurde (Bsp Pferderennen und Dächer-Verfolgungsjagd), so war es doch eine gute Idee.
@Jenny: Stimmt. Also er hat mich gut unterhalten und die Verschnaufpausen waren auch sinnvoll.
@julia: Vielen Dank! Aber ich bin sicher, du hättest das auch so formulieren können. Schön aber, dass wir im Großen und Ganzen einer Meinung sind.
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