CD-Check: Unheilig – Grosse Freiheit (Ltd.)
Kritik
Unheilig, das deutsche Electrogoth/NDH-Musikprojekt des Grafen, ist zurück mit einem neuen Album, das schon vor Veröffentlichung mit der Single Geboren Um Zu Leben große Wellen geschlagen hat. Die von vielen befürchtete Kommerzialisierung und damit einhergehende Veränderung der Musik in Richtung Massenkompatibilität ist aber nicht eingetreten. Zwar ist Grosse Freiheit durchaus etwas poppiger als die vorigen Alben, aber es sind nach wie vor alle Elemente enthalten, die die Musik von Unheilig groß gemacht haben und wer Songs wie Unter Feuer oder Ich Gehöre Mir hört, wird nicht von Pop sprechen können. Insgesamt sind einfach nur mehr ruhigere Songs und Balladen (Halt Mich, Unter Deiner Flagge) enthalten.
Wie auch schon Puppenspiel ist Grosse Freiheit ein Konzeptalbum geworden, das sich hauptsächlich mit den Themen Fernweh und Sehnsucht beschäftigt – Themen, die recht weit interpretierbar sind. Das äußert sich auch in den Texten, die es in den meisten Fällen schaffen, sich knapp am Kitsch vorbei in den Gehörgängen des Zuhörers zu setzen und diesem zu ermöglichen, etwas ganz Persönliches für sich selbst aus den Songs herauszuziehen. Aber auch die Musik trägt ihren Teil dazu bei, dass sich zahlreiche Ohrwürmer herauskristallisieren (Seenot, Für Immer). Tanzbares für die Clubs ist selbstverständlich auch wieder dabei und unverwechselbar ist weiterhin die wunderbar tiefe, aber gleichzeitig warme Stimme des Grafen. Auf diesem Album dürfte für jeden genug dabei sein und einen wirklich schlechten Song gibt es nicht.
Grosse Freiheit ist in mehreren Versionen erschienen: Es gibt neben der normalen Version eine limitierte Version im Digipack mit 2 Bonussongs (Schenk Mir Ein Wunder, Auf Kurs), die den minimalen Aufpreis auf jeden Fall rechtfertigen und eine limitierte Fan Box, die neben der limitierten Version des Albums noch eine Unheilig-Flagge, eine Bonus-CD mit frühen Werken der Band und rohen Entwürfen des Albums und die musikalische Autobiografie des Grafen enthält (näheres zur Box im Unboxing-Video).
Die Spielzeit ist mit gut 57 Minuten in der normalen Fassung und 1:06:34 Stunden in der limitierten Fassung wieder einmal mehr als gut. Man bekommt für sein Geld also einiges geboten. 2 Songs (Das Meer, Neuland) sind zwar als Intro und Outro zu sehen, fügen sich aber so gut ins Album ein, dass man sie auch gern mithört. Ebenfalls gelungen ist die Aufmachung des Albums und das Booklet, das alle Songtexte in gut lesbarer Schrift enthält. Sogar die Bonustracks sind enthalten, was nicht selbstverständlich ist.
Fazit
Hut ab! Unheilig schafft es mit Grosse Freiheit, das Niveau des großartigen Vorgängers Puppenspiel zu halten. Zwar ist das Album insgesamt etwas verpoppter als der Vorgänger, bewahrt aber den typischen Unheilig-Sound, der die Band in Fankreisen so beliebt macht, und beinhaltet immer noch auch Songs der härteren Sorte. Das Album klingt frisch und unverbraucht. Der Graf beweist wieder einmal, dass er sein Handwerk versteht und man seine Machwerke blind kaufen kann und auf der sicheren Seite ist. Auch der Rest wie die Spieldauer und die Aufmachung sind wieder einmal hervorragend gelungen.
Unheilig – Grosse Freiheit [Ltd.] (Album)
Facts:
- Tracks: 14 (Ltd. 16)
- Gesamtspieldauer: 57:20 (1:06:34)
- Erscheinungsjahr: 2008
- Genre: Gothic / Electro / NDH
- Homepage: www.unheilig.com
- Anspieltipps: Seenot, Für Immer, Ich Gehöre Mir
Einzelwertung:
Texte: 10 von 10
Musik/Produktion: 10 von 10
Cover/Booklet & Artwork: 9 von 10
Spieldauer: 10 von 10
Ohrwurmfaktor: 9 von 10
Gesamt: 10 von 10 Punkten
Grosse Freiheit bei Amazon kaufen
Grosse Freiheit bei Amazon probehören und als MP3 laden
Dieser Beitrag wurde von Konna am 23.02.2010 um 12:09 in der Kategorie Musik veröffentlicht. In dieser Kategorie gehört der Beitrag zu den Tags: CD-Check, Unheilig. Bislang wurden 9 Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.








9 Kommentare, kommentiere oder sende einen Ping
PottkiekerIch hab mir die CD inkl. Bonustracks bei iTunes geladen und bin auch angetan von der schönen, düsteren Atmosphäre. In der Tat bewegen sich Unheilig auf einem recht unbespielten Gebiet, am ehesten haben mich einige Songs an alte Aufnahmen von “Sisters of mercy” erinnert. Poppig oder mainstreamig kommen sie echt nicht rüber, dazu rummste es dann doch zuviel an einigen Stellen. Die gesprochenen Erklärungen zu den Stücken sind allerdings merkwürdig. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das gut oder nur lustig finden soll. Ungewöhnlich auf jeden Fall. Aber so eine Musik bedarf keiner Erklärung. Aber ansonsten läuft das jetzt erst mal bei mir. Und vielleicht gehe ich ja in den Ringlokschuppen und gebe mir das Ganze live..
am 23.02.2010 um 12:24
JoshHarrowIch kann mich deinem Fazit nur anschließen, das Album ist echt genial geworden
Ich freu mich jetzt schon auf das Konzert in München
am 23.02.2010 um 18:46
RakaniazMir fehlt bei den Anspieltipps ja “Schenk mir ein Wunder”, aber das ist ja auch “nur” ein Bonustrack
am 23.02.2010 um 21:13
ConsuelaBei der gestrigen Autogrammstunde konnte ich mir auch endlich das Album zulegen, denn es war in allen Elektronikmärkten ausverkauft!
Ich bin total begeistert vom neuen Album – die Bonustracks sind klasse! Ich hoffe, dass ich es zur nächsten Tour endlich mal schaffe, sie live zu erleben
am 24.02.2010 um 11:58
Konna@Pottkieker: Sehr interessante Assoziation mit den Sisters of Mercy, aber durchaus angebracht, da Unheilig den Song “This Corrosion” mal gecovert hat.
Die Erklärungen sind bei den CD-Varianten nicht dabei, dazu kann ich also nicht wirklich etwas sagen.
@JoshHarrow: Das Konzert wird sicher super, ich glaube bei Unheilig sind Konzerte immer ein Erlebnis. Viel Spaß!
@Rakaniaz: Ich nehme ja immer nur drei Anspieltipps und “Schenk mir ein Wunder” gehört für mich nicht zu den besten Songs des Albums. Da gehen die Meinungen sicher auseinander.
@Consuela: Oh, du warst bei einer Autogrammstunde? Sehr cool.
Also letztens in Kiel habe ich noch welche gesehen, aber ich habs mir lieber gleich vorbestellt, sicher ist sicher.
am 25.02.2010 um 13:28
Surielam 26.02.2010 um 14:26
Konna@Suriel: Ja, da hat der Graf wirklich ein feines Album hingelegt, hab bis jetzt noch nicht viele enttäuschte Stimmen gehört.
am 28.02.2010 um 13:37
Antworte auf “CD-Check: Unheilig – Grosse Freiheit (Ltd.)”