Game Checkpoint: L.A. Noire (PS3)

L.A. Noire

Tatort Wohnzimmer, 20 Uhr. Alles ist dunkel, einzig das Licht des Fernsehers erhellt das Zimmer, während seichte Saxophontöne aus den Boxen der Surround-Anlage schallen. Selten war die Beweislage so klar: In der Playstation liegt das Action-Adventure L.A. Noire von Team Bondi und Rockstar Games und wartet darauf, vom ehrgeizigen Prüfer unter die Lupe genommen zu werden. Zahlreiche Spielstunden später liegt nun der Bericht zur öffentlichen Einsicht vor.

Los Angeles, 1947. Die »City of Angels« ist eine Stadt mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite der Reichtum und Wohlstand, der Glanz und Glamour Hollywoods, auf der anderen Seite Verbrechen und Korruption so weit das Auge reicht. Cole Phelps, der im zweiten Weltkrieg in Okinawa/Japan gekämpft hat, beginnt nach seiner Zeit beim Militär eine Laufbahn beim LAPD. Dort fängt er als einfacher Streifenpolizist an und arbeitet sich durch außergewöhnliche Leistung bei der täglichen Arbeit langsam hoch in der Hierarchie und bekommt es mit immer schwierigeren und wichtigeren Fällen zu tun. Nach und nach wittert Phelps jedoch während seines Aufstiegs eine noch größere Verschwörung…

L.A. Noire als Spiel zu sehen wird dem Titel eigentlich gar nicht gerecht. Vielmehr hat man es mit einem interaktiven Krimi zu tun, der hin und wieder ein paar Action-Einlagen beinhaltet, die aber spielerisch eher limitiert sind, da sie sich fast nur auf Faustkämpfe, Schießereien und Verfolgungsjagden zu Fuß oder mit Auto beschränken. Das zentrale Elemente des Spiels, die Befragung von Zeugen und das Verhör von Verdächtigen, ist eher Knobelei als Spiel, verkommt hin und wieder aber doch mehr zu einem Glücksspiel. Eigentlich soll man an den Reaktionen und vor allem an der Mimik der befragten Person erkennen können, ob sie die Wahrheit sagen oder nicht, aber dennoch liegt man viel zu oft daneben, zumal immer nur eine einzige Möglichkeit die richtige ist. Dabei wurden die Gesichter der Figuren aufwändig von teils mehr, teils weniger bekannten Darstellern gecaptured.

Ansonsten besteht das aktive Handeln eigentlich nur im Abklappern der Tatorte nach Hinweisen und dem Fahren von Ort zu Ort, das man aber glücklicherweise auch den Kollegen übernehmen lassen kann. Dadurch gehen einem aber die Nebenmissionen durch die Lappen, die aber auch nichts zur Handlung beitragen. Die zeigt sich mal stärker, mal schwächer, was die einzelnen Fälle bzw. Fallreihen innerhalb eines Dezernats betrifft. Die Rahmen umspannende Handlung setzt sich erst nach und nach zusammen, kommt nur langsam in Fahrt, wird dann aber spannend und hält die Motivation bis zum Ende hoch.

Doch trotz dieser Limitierung ist L.A. Noire ein gutes Spiel geworden, was vor allem an der perfekt eingefangenen Atmosphäre liegt. Man fühlt sich tatsächlich ins Los Angeles des Jahres 1947 hineinversetzt, das detailgetreu nachgebaut wurde. Aber auch durch die Kleidung, die Musik und den technologischen Fortschritt wird sehr viel viel 40er Jahre Flair erzeugt, das mit vielen Anspielungen in der Umgebung und in Dialogen unterstrichen wird. Das Spiel erzeugt eine unheimliche Sogwirkung und man kann sogar einiges über die damalige Zeit lernen.

L.A. Noire ist nicht nur ein Spiel für Profis, sämtliche Action- und Geschicklichkeitssequenzen kann man auf Wunsch nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen ohne Nachteil überspringen. Auch irgendwelche Zeitlimits gibt es nicht und so kann man sich ganz in Ruhe mit der Ermittlungsarbeit und der Suche nach dem Täter beschäftigen. Kleinere Logiklücken fallen zwar auf, aber nicht sonderlich schwer ins Gewicht.

Daumen mittel hoch

Fazit: Wer sich L.A. Noire zulegen möchte, sollte das mit der richtigen Erwartungshaltung tun. Weder der Action- noch der Adventurepart können reinrassigen Genrevertretern auch nur annähernd das Wasser reichen. Dafür kann das Drumherum überzeugen, vom Setting über den Soundtrack bis hin zur Grafik mit den fantastischen Gesichtsanimation bleibt das Spiel als interaktiver Krimi im Noir Stil durchaus als ein besonderes Erlebnis in Erinnerung. Wer sich für Spiele also auch in künstlerischer Hinsicht interessiert, wird viel Spaß an L.A. Noire haben.

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Trailer

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